ARD-Talk

Maischberger: Alle machen sich Sorgen um G20-Gipfel

Sandra Maischberger diskutierte über den G20-Gipfel mit Norbert Röttgen (CDU, links), Dieter Kronzucker und weiteren Gästen.

Sandra Maischberger diskutierte über den G20-Gipfel mit Norbert Röttgen (CDU, links), Dieter Kronzucker und weiteren Gästen.

Foto: Melanie Grande / WDR Presse

Beim Talk von Sandra Maischberger wurden Themen des G20-Gipfels in Hamburg vorausgenommen. Beim Thema Erdogan wurde es dann hitzig.

Berlin.  Alle machen sich Sorgen. Das kann man schon mal zusammenfassen. Dieter Kronzucker, langjähriger Amerika-Korrespondent im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sorgt sich um die Unberechenbarkeit Donald Trumps. Norbert Röttgen von der CDU ist besorgt über das fehlende Interesse Chinas, Russlands und der USA am Multilateralismus. Die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht beunruhigt eine mögliche militärische Konfrontation der Großmächte USA und Russland in Syrien. In Sorge ist auch Haluk Yildiz von der türkischen BIG-Partei, und zwar über die vielen Gülen-Anhänger, die Deutschland angeblich bei sich versteckt.

Der Schauspieler und G20-Gegner Rolf Becker, den Anhänger von Vorabendserien noch aus „In aller Freundschaft“ kennen, sorgt sich um mögliche Gewaltausbrüche in der G20-Stadt Hamburg, weil die Polizei dort mit übertriebener Militarisierung durchgreife. Nur einer ist eher unbesorgt: Der Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel, der findet, die Welt reagiere übertrieben auf einen wie Trump, der seine Sache doch im Grunde ganz gut mache.

Die alte Ost-West-Konfliktlinie ist wieder sichtbar

Diese besorgte Runde sitzt am Mittwochabend bei Maischberger und beratschlagt, wie es wohl weitergeht in der Welt. Anlass des Gesprächs ist der G20-Gipfel, Maischberger hatte unter dem Motto „Gipfel der Nationalisten: Kann Merkel Trump und Co. zähmen?“ geladen. Doch das Treffen am Wochenende in Hamburg ist nur Aufhänger, eigentlich geht es um nicht weniger als die großen Krisen der Weltpolitik – wie beim Gipfel auch.

Die USA und die ehemalige Sowjetunion, die Großmächte der Nachkriegszeit, hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg in diverse Stellvertreterkriege verstrickt und waren am Rande eines Atomschlages, bis es schließlich Michail Gorbatschow und Ronald Reagan gelang, für Entspannung zu sorgen. Was im Grunde ein ideologischer Kampf zwischen dem Kapitalismus der USA und dem Kommunismus der Sowjetunion war, schwelte jahrzehntelang als drohende militärische Auseinandersetzung. Spätestens seit der Ukraine-Krise verhärten sich die Fronten zwischen Russland und dem Westen wieder. Dieter Kronzucker merkt an: „Im Vergleich zum kalten Krieg sind die Konfliktsituationen heute vielfältiger und komplizierter.“

Sahra Wagenknecht: Putin ist relativ berechenbar

Putin scheint es vor allem darum zu gehen, seine Macht gegenüber dem Westen zu demonstrieren, sowohl in der Ukraine als auch in Syrien. Entgegen der Warnungen ist Putin nach der Krim nirgendwo mehr einmarschiert. Sahra Wagenknecht steht aber dennoch recht alleine da mit ihrer Meinung, Putin sei relativ berechenbar.

Und auch ihre Aussage, mit Putin lasse sich vernünftig Politik machen, will in der Runde niemand teilen. Putin und Trump werden auf dem G20-Gipfel zum ersten Mal aufeinandertreffen. Kronzucker glaubt aber: „Das Treffen ist sehr gut vorbereitet worden und soll Entspannung und keine weiteren Eskalationen bringen.“ Aber, sagt Kronzucker, es gebe kein belastbares Vertrauen mehr zwischen den beiden Ländern.

Wer ist im Nahen Osten ein verlässlicher Partner?

Über diese Frage lässt sich vorzüglich streiten und es gibt zu viele Interessen und zu viele Interessenskonflikte. Wer unterstützt Terroristen? Die Saudis, Katar oder der Iran? „Saudi-Arabien führt im Jemen einen furchtbaren Krieg, der Iran ist gar nicht der Hauptunruhestifter in der Region“, sagt Wagenknecht.

Protest in Hamburg
Protest in Hamburg

Und Trumps Einreiseverbot für Muslime aus sechs arabischen Ländern treibe den Dschihadisten den Nachwuchs in die Arme, fährt die Linken-Politikerin fort. Norbert Röttgen mischt sich ein und sagt, es gehe trotz aller Schwierigkeiten nur mit und nicht ohne den Iran, wolle man die Region stabilisieren. Die Runde driftet für eine dreiviertel Stunde gänzlich ab vom G20-Gipfel.

Als es um Erdogan geht, wird die Stimmung aggressiv

Der türkische Staatschef ist dann auch noch Thema. Haluk Yildiz ereifert sich darüber, dass Erdogan ein Redeverbot in Deutschland erhalten habe. Norbert Röttgen springt zur Stelle und betet die Gründe für ein solches Verbot herbei, allen voran der Umgang mit dem Journalisten Deniz Yücel, der noch immer ohne Gerichtsprozess in der Türkei in Haft sitzt. Yildiz argumentiert mit den angeblichen PKK-Sympathien des ehemaligen „taz“- und nun „Welt“-Journalisten.

Es ist der Augenblick, in der die Stimmung bei Maischberger aggressiv wird, eigentlich wie immer, wenn es um die Türkei geht. Maischberger lenkt dann noch rechtzeitig um auf das Thema des Abends, nämlich den Gipfel der Global Players. Ob Röttgen positive Veränderungen im schwierigen Verhältnis zwischen Merkel und Erdogan durch bilaterale Gespräche erwartet, fragt die Moderatorin den CDU-Außenpolitiker. Offen gestanden nein.

Aber reden müsse man, auch unter Druck, wie etwa jetzt Russland und die USA oder die Türkei und Deutschland, da ist die Maischberger-Runde sich einig. Gar nicht reden ist keine Alternative. Dieter Kronzucker fasst in seiner stets besonnenen Art zusammen: „Ich hoffe das ein oder andere Gespräch wird etwas bringen, das ein oder andere Treffen wird etwas ändern.“

Zur aktuellen Ausgabe von „Maischberger“ geht es in der ARD-Mediathek.