ARD-Krimireihe

Bei „Nord bei Nordwest“ wird die Dorf-Idylle erschüttert

Tierarzt Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann, l.) unterstützt die Dorfpolizei und ist in der Nähe seiner Flamme Lona Vogt (Henny Reents).

Tierarzt Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann, l.) unterstützt die Dorfpolizei und ist in der Nähe seiner Flamme Lona Vogt (Henny Reents).

Foto: NDR/Degeto/Gordon Timpen

Die ARD-Krimireihe „Nord bei Nordwest“ setzt dieses Mal mehr auf Action als auf Humor. Die brutale Handlung wirkt aber unglaubwürdig.

Essen.  Der Himmel ist blau, die Möwen kreischen. Ein Schiff schaukelt im Meer – das ist die Idylle von Schwanitz, wo der Tierarzt gelegentlich als Polizist einspringt. Dieses Mal jedoch bleibt erst einmal nicht viel von der Beschaulichkeit des Ostseestädtchens übrig. Bei grauer See werden Waffen gezückt. Was ist passiert mit „Nord bei Nordwest“?

Der Kampf zweier düsterer Gesellen am Strand erinnert eher an eine Westernszene. Gott sei Dank bellt schon bald ein Hund, das klingt vertraut. Die Kamera schwenkt vom Grau ins Grüne, und statt schwerer Musik mitsamt durchgeknallter Typen, die sich ans Leder wollen, ist der Zuschauer endlich wieder Teil des Dorflebens, das er vielleicht besser kennt als sein eigenes Viertel.

Sperriger Einzelgänger

Da ist der Tierarzt Hauke Jacobs, dieser verstockte Kerl. Ein harter Knochen. Doch weil der glänzende Hinnerk Schönemann ihm ohne viele Worte so viel Herz gibt, schätzt der Zuschauer seine Schrulligkeit. Sperrig dieser Einzelgänger, der statt im Dorfkrug mit den Jungs einen zu heben, allein mit Hund auf seinem Kahn lebt. Und wenn ihn einer fragt: „Hey, Doc, warum ankern Sie immer so weit draußen?“, knurrt er nur: „Damit keiner anklopfen kann.“

Kein Sonnyboy, dieser Blonde, den die Frauen trotzdem lieben. Zwei vor allem. Die Praxishelferin (Marleen Lohse) und die Dorfpolizistin (Henny Reents). Dass sie beide rothaarig sind und sich sogar auch sonst noch ähnlich sehen, ist eine der feinen Zugaben dieser besonderen Krimireihe, bei dem manche Idee so schön ausgespielt wird, dass es übertrieben und glaubwürdig zugleich wirkt.

Gangster aus Skandinavien

Im Vergleich zu TV-Serien wie „Mord mit Aussicht“, die „Humor“ ein wenig stark als Botschaft vor sich hertragen, kommt der Witz hier mehr als ironisches Zwinkern daher. Dass sich eine romantische Szene in Anwesenheit eines Esels abspielt, der im entscheidenden Dialog sein „I-A“ absetzt, ist herrlich absurd.

Während den Zuschauer in früheren Folgen etwa ein Drama um einen notoperierten Hund verfolgen darf, muss er sich dieses Mal durch eine seltsam brutale Krimihandlung kämpfen. Dabei sollten die Filmemacher doch im Auge haben, dass Schwanitz nie Chicago wird und viel mehr auf die kleinen Taschendiebe aus dem Nachbardorf setzen als auf mafiose Gangster aus Skandinavien. Es wirkt einfach unglaubwürdig.

Peinlicher Abend

Viel schöner sind doch Sätze wie diese: „Nicht vergessen, Doktor, morgen ist Karaoke-Party.“ Sein Blick ist so hinreißend wissend: Das wird ein Abend, den alle lieben, obwohl er einfach nur peinlich werden wird. So kommt’s. Und das wärmt das Herz, weil es im Leben nun manchmal genauso ist.

Fazit: Dieses Mal zu viel Pseudo-Action. Aber für Fans der Krimireihe trotzdem ein Hingucker.

• Donnerstag, 5. April, 20.15 Uhr, ARD