Preisverleihung

Goldene-Kamera-Preisträger können mit Fakten überzeugen

“Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga wird mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

“Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga wird mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Foto: NDR/Thorsten Jander (M) / NDR/Thorsten Jander

Die Goldene Kamera zeichnet nicht nur fiktive, sondern auch nachrichtliche Formate aus. 2017 bekommen mehrere Journalisten den Preis.

Hamburg.  Große Namen, große Roben, große Auftritte: Die Goldene Kamera (Samstag, 20.15 Uhr live im ZDF) ehrt Stars der Film- und Fernsehbranche. Bei der Gala wird sie auch einen Hauch Hollywood nach Hamburg bringen. Bei einem Preis aber geht es um diejenigen, die für Fakten statt Fiktion stehen: Die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information“ wird an herausragende Fernsehjournalisten verliehen.

In diesem Jahr geht der Preis gleich an drei Nachrichtenleute und ihre Redaktionen: Marietta Slomka (47), Caren Miosga (47) und Peter Kloeppel (58). Die Goldene Kamera will damit auch ein Zeichen setzen in Zeiten alternativer Fakten.

Gremium sieht Gelassenheit und Verlässlichkeit

Alle drei Preisträger stehen für das jeweilige Nachrichten-Flaggschiff ihres Senders: Caren Miosga moderiert seit zehn Jahren die „Tagesthemen“ der ARD, Marietta Slomka ist seit 2001 eines der Gesichter des „heute-journals“ im ZDF. Kloeppel ist sogar schon seit 1992 Chefmoderator für „RTL aktuell“. Das Gremium lobt die „große Gelassenheit“ und „nie nachlassende Verlässlichkeit“ der Berichterstattung. „Guter Journalismus“, so heißt es, „ist Teil der Lösung.“

Der Frankfurter Peter Kloeppel musste in den frühen Zeiten des Privatfernsehens beweisen, dass nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender seriöse Nachrichten hinbekommen. Mission erfüllt: 3,07 Millionen Zuschauer schalten im Durchschnitt um 18.45 Uhr ein. 2002 gab es sogar den Grimme-Preis für die Berichte zum 11. September. Die heutige Flut an geteilten Videos im Internet stellt auch sein Team vor neue Herausforderungen. Kloeppel reagierte mit einer eigenen Redaktionseinheit, die Videos unbekannter Quellen auf Authentizität prüft, wie er dieser Zeitung erzählt.

RTL befragt Bürger zum eigenen Programm

„Grundsätzlich gilt: Wenn wir Zweifel nicht ausräumen können, senden wir auch nicht.“ Entscheidend bei seiner Arbeit sei für ihn der Kontakt zu den Zuschauern. Dafür geht Kloeppel ungewöhnliche Wege: Seit Kurzem mietet RTL in verschiedenen Städten im Land für eine Woche eine Wohnung an und schickt Reporter dorthin. Die sehen dann vor Ort mit Bewohnern der Stadt Sendungen und hören sich Lob und Kritik an. „Wichtig ist uns, dass die Nachrichten einen Bezug zum Leben unserer Zuschauer haben und sie etwas lernen können“, so Kloeppel.

Feedback wertet auch das „Tagesthemen“-Team aus, das 2016 durchschnittlich 2,62 Millionen Menschen erreichte. Bei polarisierenden Themen kämen zwar oft polemische Rückmeldungen, so Caren Miosga. Aber auch die würden beantwortet – „wenn sie die Form wahren“. Die meiste Kritik sei allerdings konstruktiv. Dass in letzter Zeit so kritisch über die Arbeitsweise der Medien gesprochen wird, sieht sie nicht negativ. „Selbstreflexion kann nie schaden“, erklärt sie. „Nur so bleiben wir glaubwürdig.“ Auch aus den Fehlern der anderen habe man Konsequenzen gezogen: „Nachdem sich nach der US-Wahl die amerikanischen Medien eingestanden, die Leute nicht gehört zu haben, entwickelten wir ein eigenes ‚Tagesschau‘-Format: ‚Was Deutschland bewegt‘“, sagt sie. „Reporter sind im ganzen Land unterwegs, sprechen mit den Leuten und fragen, wie es ihnen geht.“

Flut der Informationen gestiegen, Toleranz für Fehler gesunken

Wie ihre Kollegen ist auch Marietta Slomka, die mit dem „heute-journal“ durchschnittlich 3,85 Millionen Zuschauer hat, der Meinung: Gründliche Recherche ist das tägliche Brot der Redaktion. „Bei uns seit bald 40 Jahren.“ Dazu brauche es keine Fake-News­-Schwemme. „Allerdings“, gibt sie zu, „ist die Flut der Informationen gestiegen und die Geschwindigkeit, in der wir sie verarbeiten müssen. Zugleich ist die Fehlertoleranz gesunken. Damit müssen wir klarkommen – das ist unser Job.“

Die Goldene Kamera ist eine Veranstaltung der Funke Mediengruppe, zu der auch diese Redaktion gehört.