Reformation

Historisches Drama „Die Ketzerbraut“ – Liebe, Triebe, Hiebe

Foto: Dusan Martincek

Die Renaissance in der Sat.1-Version: Das Drama „Die Ketzerbraut“ vom „Wanderhure“-Regisseur Hansjörg Thurn endet nicht unentschieden.

Essen.  „Kettet ihn an, damit er sein Weib verfaulen sieht“, kreischt der Pfarrer über den Hof, und man ahnt schon, dass das mit der kirchlichen Barmherzigkeit im Jahre 1517 nicht immer hinhaut. Folterknechte fuchteln fröhlich mit glühenden Eisen herum, und wer nicht gerade im Verlies gepiesackt wird, der baumelt als Ausstellungsstück irgendwo öffentlich im Käfig rum. Ja, die Stimmung ist aufgeheizt in diesem gottesfürchtigen München, immerhin nagelt ein Typ namens Luther nachts seine Frechheiten an die Haustüren.

Der allerdings schafft es bei Sat.1 selbst im 500. Reformationsjahr nur in eine Nebenrolle als lebender Thesen-Automat, um etwas ähnliches wie einen historischen Rahmen zu schaffen. Schließlich geht es zu allererst um „Die Ketzerbraut“ in Form der bildhübschen Kaufmannstochter Veva (Ruby O. Fee). Die hat nun zwei Filmstunden lang Zeit, ihren gemeuchelten Vater zu rächen, etwa 27 Gefahren zu meistern und dem netten Nachbar-Ketzer und Frauenmaler Ernst Rickling (Christoph Letkowski) in die Arme zu fallen.

Komplizin mit Turbo-Dauerwelle

Die Renaissance ist angerichtet, so wie Iny Lorentz alias Elmar Wohlrath/Iny Klocke es gerne mundgerecht auf Tausenden von Buchseiten hinfriemeln. Kurzfassung: Liebe, Triebe, Hiebe. „Wanderhure“-Regisseur Hansjörg Thurn hat Erfahrung darin, wie man versehentlich übrig gebliebene Feinheiten im Namen des Privatfernsehens mit dem Breitschwert platthaut, damit steht dem Vergnügen nichts mehr im Wege.

Natürlich gehört zu einem zünftigen Historienspektakel das nötige Personal, und da ist man jenseits von marodierenden Haderlumpen und kecken Recken nicht kleinlich. Allen voran die Ränkeschmied-Abteilung. Paulus Manker dreht als Pfarrer Johann von Perlach mit rollenden Augen und hysterischem Gebrüll derart auf, dass man vermuten muss, bei den Dreharbeiten sei mit neuen Drogen experimentiert worden.

Finstere Intrigen

Als Komplizin mit feuerroter Turbo-Dauerwelle bewirbt sich Elena Uhlig als Sado-Wuchtbrumme mit wogendem Busen und bösem Gezische für nächtliche Werbespots für 0190er-Nummern. Wenn diese Walpurga von Gigging nicht gerade auf dem Lotter-Tisch irgendeinen armen Tropf zureitet oder ihr Mittagessen durch den Saal spuckt, heckt sie mit dem Pfaffen finstere Intrigen aus, um diesen vermaledeiten Luther (Adrian Topol) auszuschalten. So muss Vevas Papa dran glauben, damit man’s den Ketzern in die Schuhe schieben kann.

Aber auf der Gegenseite steht ja nicht nur dieses aufmüpfige Fräulein, das eine Massenschändung wegsteckt wie eine Erkältung, sondern auch ihr Lover Ernst, der als eine Art Dorf-Zorro nachts herumschleicht und Gerechtigkeit herstellt.

Die Welt verändern

So viel darf man verraten: Es geht nicht unentschieden aus. Im Hintergrund zetert das Lumpenproletariat noch ein bisschen als Staffage herum, ab und an steht mal einer in Flammen, ein paar Geißler peitschen sich blutig, und eine zungenlose Sarazenin entpuppt sich als, Verzeihung, Zünglein an der Waage. „Es gilt die Welt zu verändern“, sagt Herr Luther. Der Film hätte schon gereicht.

Fazit: Man hofft auf Kermit, den Frosch, um die Bestätigung dafür zu bekommen, dass man doch in der „Muppet Show“ gelandet ist. Er taucht aber nicht auf.

• Sat.1, Dienstag, 14. Februar, 20.15 Uhr.