Schauspieler

Jan Josef Liefers macht in ZDF-Krimi Schluss mit lustig

Keine Späßchen: Jan Josef Liefers als leidgeprüfter Hauptkommissar Jan Holzer.

Keine Späßchen: Jan Josef Liefers als leidgeprüfter Hauptkommissar Jan Holzer.

Foto: zdf/Gordon Timpen

Jan Josef Liefers, der Schnösel aus dem Münster-„Tatort“, zeigt als todernster Ermittler in „Mörderische Stille“ seine Bandbreite.

Wilhelmshaven.  Es piept im Fernsehlautsprecher, aber die vermutete Tonstörung ist das Teufelchen im Kopf des Polizisten: Jan Holzer leidet unter Tinnitus, und ab und zu will sein Erfinder Friedeman Fromm uns klarmachen, wie sich das wohl anfühlt. Jan Josef Liefers, dem „Tatort“-Publikum als Münsteraner Superschnösel Boerne allzu vertraut, darf fürs ZDF mit dieser Rolle für 90 Minuten in blutigem Ernst versinken.

Der Ermittler, dem der Kopf dröhnt, sitzt nicht nur regelmäßig beim Polizeipsychologen und malt rabenschwarze Bildchen, weil er einen Mann im Dienst wohl zu Unrecht erschossen hat. Er muss im Krimi „Mörderische Stille“ auch noch in finstere Untiefen hinabtauchen, um ein schreckliches Geheimnis aus dem Krieg an die Oberfläche zu zerren.

Ein Krimi ganz ohne Späße

Es ist schweres Gepäck, das „Weissensee“-Regisseur Fromm seinem melancholischen Helden auf die Schultern packt. Liefers meistert den Job indes gut und liefert, ohne einen Funken Humor zu versprühen, eine seriöse Vorstellung. Was auf Ivan Anderson als seiner deutsch-türkischen Assistentin Amal leider gar nicht zutrifft. Ihre ordinär herumdröhnende Prolo-Polizistin ist so offensichtlich auf Kontrast zum introvertierten Kollegen gebürstet, dass man sich, sobald sie auftritt, in einem Vorabendkrimi aus der Provinz wähnt. Ein bräsiger Dorfpolizist (Ole Fischer), zuständig fürs Lokalkolorit, verstärkt diesen Eindruck sogar.

Dabei hat Friedemann Fromm Großes vor, denn das ungleiche Gespann Holzer/Amal kommt einem Drama um einen schmutzigen Soldaten-Einsatz auf die Spur, als die Leiche eines ehemaligen Offiziers der Kosovo-KFOR-Truppe aus dem Wasser gezogen wird. Spuren führen zu einem früheren Mitstreiter (Achim Buch) und zu einem Segellehrer namens Kühnert (Peter Lohmeyer), der einst ebenfalls vor Ort war und die bösen Geister der Vergangenheit bei nächtlichen Ausfahrten mit dem Boot zu vertreiben versucht.

Die coole Note spielt Peter Lohmeyer

Lohmeyer gibt dem Film als wortkarger Einzelgänger die gewohnt coole Note, die stärksten Auftritte hat indes Sylvie Testud als Kühnerts gehörlose Frau, die er aus dem Kosovo nach Deutschland brachte und mit der er eine Tochter hat. Testud, die vor 20 Jahren in Caroline Links „Jenseits der Stille“ die Zuschauer hinriss, gelingen auch hier Momente von schmerzlicher Intensität, Blicke, Gesten, Bewegungen, denen man gespannt folgt. Michael Wieswegs Kamera kommt ihr wunderbar nah.

Holzer spürt, dass diese Frau der Schlüssel zur Lösung des Falls ist, gleichwohl ist er von ihrer stummen Welt so fasziniert und von ihr selbst so hingezogen, dass Gefühle seinen Verstand blockieren. In der Begegnung der beiden hat der Film die Phasen, die ihn für eine Weile über den Montagabend-Krimidurchschnitt erheben, hier zeigt Fromm Qualitäten als Regisseur.

Es ist eher die Story selbst, die mit allerlei Klischees um Schuld und Sühne letztlich im Jadebusen ziemlich vorausschaubar dahinplätschert, ehe eine Prise Dramatik die Auflösung des Falls würzt. Ob dieser Holzer nun in Serie geht? Bei der Krimi-Hysterie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gut denkbar. Wäre aber nicht nötig.

Fazit: Melancholischer Polizist, trister Fall, ordentliche Verfilmung mit einigen unübersehbaren Schwächen.

Montag (9. Januar), ZDF, 20.15 Uhr