Kritik

Annette Friers sehr seichtes Debüt im „Hotel Heidelberg“

Foto: ARD Degeto/Bernd Spauke

In Folge drei der ARD-Reihe bandelt die Seniorchefin mit einem kauzigen Gast an. Außerdem löst Annette Frier Ulrike C. Tscharre ab.

Heidelberg.  In Wirklichkeit entpuppt sich mancher Charmeur, lernt man ihn erst besser kennen, als unausstehlich. In Liebeskomödien ist es umgekehrt: Wenn dort ein grantiger Unsympath eingeführt wird, mit dem die Hauptfigur heftig aneinandergerät, dann weiß der erfahrene Zuschauer: Das Ekel verbirgt ein Herz aus Gold. So ist es auch im dritten Teil „Tag für Tag“ der ARD-Reihe „Hotel Heidelberg “.

Als sich die Hotel-Seniorchefin Hermine (Hannelore Hoger) und der divenhafte Theaterschauspieler Richard Karrenberg (André Jung) gegenseitig zur Schnecke machen, ist klar, wohin die Reise geht: Richtung Romanze. Wenn das Drehbuch ihnen auf dem Weg dorthin wenigstens witzigere Dialoge bereitstellen würde.

So aber moniert der Mephisto-Mime in der Servicewüste Frühstückssaal ein Glibber-Ei. „Welche Auswirkungen hat das auf den Fürsten der Finsternis, wenn seine Eier nicht hart genug sind?“, kalauert die Hotel-Mama patzig. Eine gesalzene Antwort für die reuelose Grande Dame fällt dem zornigen Zausel leider nicht ein, sondern nur ein abgedroschenes: „Waren Sie schon einmal beim Psychiater?“

Hauptrolle neu besetzt

Bei aller Erwartbarkeit – eine Überraschung bietet „Hotel Heidelberg“ (Regie führte wieder Sabine Boss) dann doch. Die zweite Hauptfigur, Hermines Tochter Annette, hat eine drastische Typveränderung hingelegt, und niemand aus ihrem engsten Umfeld bemerkt es. War nämlich in den ersten beiden Teilen noch Ulrike C. Tscharre in der Rolle der Juniorchefin zu sehen, hat jetzt Annette Frier übernommen, die in den letzten Jahren alles wegspielt, was einen Sendeplatz um 20.15 Uhr bekommt.

Bei Tscharre hatte es „Terminschwierigkeiten“ gegeben, erklärt eine Produktionssprecherin. Da Frier schon anfangs für die Rolle im Gespräch gewesen sei, habe man eben noch einmal bei ihr angeklopft. Die fiktive Annette also ist jetzt erblondet, aber nach wie vor chronisch überlastet – wie auch nicht, wenn sie als Managerin eines großen Vier-Sterne-Hauses selbst an der Rezeption steht, Teller abräumt und sogar kocht.

Frier wirkt glaubhaft

Von ihrem Mann Ingolf (Christoph Maria Herbst) darf sie keine Hilfe erwarten. Der Psycho-Doktor ist eine Lusche. Statt seine schuftende Frau zu unterstützen, leidet er an mangelnder Zuwendung oder nervt mit Plattitüden. Da wünscht man sich, dass der Geist von „Stromberg“ in ihn fährt und mit Boshaftigkeit Schwung in die Schmonzette bringt. Doch so kämpft Annette allein gegen Finanznot und das Amt, das ihr den Laden wegen angeblich verkeimter Salatsprossen schließen will.

Es ist ja nicht alles verdorben im „Hotel Heidelberg“. Hoger meistert ihre Rolle mit Klasse, Frier wirkt glaubhaft, und auch eine dritte Hauptdarstellerin, die vor allem hübsch auszusehen hat, spielt ihren Part mit Bravour – die Stadt Heidelberg. Gut verträgliche Nebenbei-Kost also: Wer während eines Films gerne Socken paart, Whatsapp-Nachrichten verschickt oder auch mal mit dem Hund rausgeht, kann hier gefahrlos einchecken.

Fazit: Ein Vier-Sterne-Haus, aber nur Zwei-Sterne-Dialoge für die Fünf-Sterne-Darsteller.

ARD, 9. Dezember, 20.15 Uhr