Castingshow

„Curvy Supermodel“: Kuschelstunde fürs Selbstwertgefühl

Die Jury der Casting-Show „Curvy Supermodel“: Modelscout Ted Linow, Plus-Size-Model Angelina Kirsch, Tänzerin Motsi Mabuse und Designer Harald Glööckler(v.l.).

Die Jury der Casting-Show „Curvy Supermodel“: Modelscout Ted Linow, Plus-Size-Model Angelina Kirsch, Tänzerin Motsi Mabuse und Designer Harald Glööckler(v.l.).

Foto: Magdalena Possert/RTL II / dpa

Klapprig, dürr, keine Kurven? RTL 2 sucht ab sofort das erste „Curvy Supermodel“. Das ist aber auch schon das einzig Neue am Format.

Berlin.  Wenn das Wörtchen ,wenn‘ nicht wär… hätte eines der legendärsten Sexsymbole des vergangenen Jahrhunderts am Mittwochabend RTL II geguckt. Und wäre mächtig stolz gewesen. Denn wie sagte Mae West, 1893 geboren, 1980 gestorben, so schön? „Zu viel des Guten kann wundervoll sein.“ Und von ‚zu viel‘ hatte der Privatsender in der ersten Folge seiner neuen Casting-Show „Curvy Supermodel“ mehr als genug zu bieten.

Denn wie der Titel des Formats verrät, haben die Klumschen Hungerhaken vorerst ausgedient. Jetzt sollen Frauen mit Hüften und Hintern auf die Cover der Modemagazine, und wer könnte diese besser auswählen als der „Robin Hood der kräftigen Damen“, Harald Glööckler? Richtig: niemand. Schließlich entwirft der 51 Jahre alte Designer Mode bis Größe 56.

Jury-Mitglied hielt Castingshows mal für Quatsch

Mit in der Jury sitzen das erfolgreiche deutsche Plus-Size-Model Angelina Kirsch, 27, Tänzerin Motsi Mabuse, 35, und Modelscout Ted Linow. Dem Endfünfziger gehört die Agentur Mega Models, die Mannequins wie Naomi Campell, Eva Herzigova sowie Cara Delevigne und damit die bekanntesten Gesichter der Branche vertritt. Für RTL II war sich Linow trotzdem nicht zu schade. Donnerwetter.

Dass er TV-Castings 2012 noch für „Quatsch“ gehalten hat, hat Linow ganz bestimmt vergessen. Macht nichts, die Mode ändert sich, die Meinungen auch, und weil die deutsche Frau heute durchschnittlich Größe 40/42 trägt, muss nun ein Model mit entsprechenden Maßen her. 5000 Bewerbungen später nichts leichter als das, könnte der Zuschauer meinen. Denn die Jury hatte beim Casting in einem Spaßbad so viel Spaß, wie Glööckler Make-up trug: eine erstaunlich große Menge.

Angelina Kirsch findet alle total „cuuute“

Es war aber auch schön! Die vielen Mädchen, alle Anfang/Mitte 20, die sich nach einem Selbstporträt erst mal für den „Moment der Wahrheit“ ausziehen durften. Denn wer in die Modelvilla einziehen möchte, muss beweisen, dass er es wirklich will und über „Grenzen gehen“ kann, jawohl. Und dazu gehört eben auch, Bademode zu präsentieren. Also: Klamotten runter, „Kiste (sprich Allerwertesten) hoch!“ Das ist das Motto von Modelmagnat Linow, der findet, dass der Körper einer Kandidatin, ein paar Pfündchen zu viel hin oder her, keinesfalls schwabbeln darf wie ein Vanillepudding. Das, also das geht gar nicht.

Da kann das Gesicht noch so „cuuuuuute“ sein, wie Plus-Size-Model Angelina Kirsch während der 130 Sendeminuten 130 Mal erwähnt. Die 27-Jährige hat – sicher wegen ihrer internationalen Karriere – eine besonders ausgeprägte Schwäche für die Verwendung englischsprachiger Adjektive. Gleiches gilt für Umarmungen, vor denen keine Kandidatin verschont bleibt.

Wenige Kandidatinnen scheinen zufrieden mit sich

„Kuscheln statt kränken“ scheint das Motto bei „Curvy Supermodel“. Wer will schon wie Heidi Klum beim bösen ProSieben-Konkurrenten „Germany’s next Topmodel“ sein? Kirsch sicher nicht. Also wird Kandidatin Michi mit dem Fiesling-Freund (Er sagt, sie gehöre zu den 40 Schönen der Nicht-Schönen) gleich noch mal gedrückt. Den Kaftan will sie danach trotzdem nicht ausziehen.

Und so läuft die Casting-Show vom Bademoden-Auftritt bis zum Gruppen-Shooting mit männlichem Model so erwartbar vor sich hin wie ein Appenzeller Bergbach. Nicht mal Motsi Mabuse war ein wenig motzi. Vielmehr fand auch die Tänzerin die „Kürven“ der Models supersupertoll. Dabei ist es – Spaß beiseite – absolut richtig, dass die Jury junge Frauen mit niedrigem Selbstwertgefühl aufbauen möchte, zumal die wenigsten Kandidatinnen rundum zufrieden scheinen (Samira, 26: „Bis auf mein Gesicht ist alles eine Baustelle!“) Aber so richtig unterhaltsam ist so ein Motivationsmarathon irgendwie nicht.

Heiße Anwärterinnen für den ersten Zickenzoff

Wenigstens gibt es Bewerberinnen, die für den ersten Zickenkrieg prädestiniert scheinen. So wie Chethrin, die schon immer Model werden wollte und sich bereits nach fünf Minuten Sendezeit fragt, wer sie noch ernsthaft auf dem Weg in den Mode-Olymp einholen könnte. Oder Polina, die beim Fotoshooting mit dem Male-Model kurzzeitig dachte, für ein Männermagazin zu posieren.

Glööckler, der die Models übrigens als Einziger siezt: „Wir suchen hier kein Playmate!“ Linow fand sie aber schon mal „heiß und geil“. Also wenn das nicht vielversprechend klingt. Sina-Laureen, 23, wasserstoffblond und mit dem bereits erwähnten Vanillepudding-Körper, musste die Show unterdessen schon wieder verlassen. Zum Glück war Freund Shane-Christopher zum Trösten da.

Genauso frisch wie eine Nivea-Dose

Und so ist am Ende bei „Curvy Supermodel“ doch (fast) alles wie bei „Germany’s next Topmodel“, wo ebenso Tränen fließen, Sexbomben mit dem „Mädchen von nebenan“ konkurrieren und Eltern ihre Töchter zum Casting chauffieren, um am Ende im Kreis zu tanzen, weil ein Modelagent ihren Nachwuchs mit einer Nivea-Dose vergleicht („genauso frisch“). Zu viel des Guten kann wundervoll sein – zumindest für die Quote.