ZDF-Serie

Betrunkener „Herzensbrecher“ – Dieser Pfarrer ist anders

Zum Auftakt der vierten „Herzensbrecher“-Staffel kämpft der alleinerziehende Pfarrer-Papa Andreas Tabarius (Simon Böer, r.) an vielen Fronten – und kümmert sich liebevoll um den Nachwuchs (Lukas Karlsch, Gerrit Klein, Max Krauthausen und Tom Hoßbach v.l.).

Zum Auftakt der vierten „Herzensbrecher“-Staffel kämpft der alleinerziehende Pfarrer-Papa Andreas Tabarius (Simon Böer, r.) an vielen Fronten – und kümmert sich liebevoll um den Nachwuchs (Lukas Karlsch, Gerrit Klein, Max Krauthausen und Tom Hoßbach v.l.).

Foto: Kai Schulz / ZDF und Kai Schulz

Der beliebte Pfarrer Tabarius trinkt Bier und Korn, fährt betrunken Auto – und startet als „Herzensbrecher“ im ZDF in Staffel vier.

Berlin.  Der Pfarrer steht unter Druck. Er hat sowieso schon genug um die Ohren, und dann schaut auch noch dieser Personaldezernent von der Landeskirche nach dem Rechten. Der Kontrolleur ist gar nicht zufrieden: „Der Schaukasten ist nicht auf dem aktuellen Stand. Das Gemeindebüro: chaotisch“, zählt er auf – und will den netten Geistlichen Andreas Tabarius absägen. Auch das noch.

Zum Auftakt der vierten „Herzensbrecher“-Staffel kämpft der alleinerziehende Pfarrer-Papa (Simon Böer) an vielen Fronten. Gleich zu Beginn muss er sich vor Gericht wegen einer Trunkenheitsfahrt verantworten. Dieser Pfarrer ist unkonventionell, das zeigt sich auch darin, dass er nicht ins Glas spuckt. In der Kneipe bestellt er Kölsch und Korn, er trägt Dreitagebart und Lederjacke – jung und cool.

Guter Pfarrer, guter Vater und Herzensbrecher

Und ist trotzdem ein guter Vater und Pfarrer. Der Witwer kümmert sich um seine vier eigenen und den Pflegesohn, hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Gemeindemitglieder, und ein Frauentyp beziehungsweise „Herzensbrecher“ ist er auch noch. Das ist die Grundkonstellation dieser Serie, die dem ZDF am Samstagabend seit drei Jahren ordentliche, wenn auch zuletzt rückläufige Quoten beschert.

Die Serie hatte keinen leichten Start. Der Mainzer Sender brachte sie als Nachfolgerin der beiden Dauerbrenner „Der Landarzt“ und „Forsthaus Falkenau“ ins Programm. Es war der Versuch, das Publikum zu verjüngen, ohne die an Familienserien gewohnten Stammzuschauer zu verschrecken. Angesiedelt sind die „Herzensbrecher“-Geschichtchen in einer Kirchengemeinde in Bonn. Von der Stadt sieht der Zuschauer zwar außer ein paar Schnittbildern nicht viel, die Serie könnte auch in jeder anderen halbwegs idyllischen Stadt spielen. Viele Figuren haben eine leichte rheinische Sprachfärbung – so auch Hauptdarsteller Böer (41), ein gebürtiger Bonner.

Brav, aber sympathisch

Wer die „Herzensbrecher“ noch nie gesehen hat, ist überrascht, wie flott die Serie wirkt. Die Söhne mit ihren Justin-Bieber-Frisuren sind arg brav, aber sympathisch. Die Dialoge sind pfiffig, das ganze Ensemble macht Spaß. Nur manchmal gibt es Momente, in denen das Pathos überhandnimmt. Etwa wenn die Söhne in die Presbyteriumssitzung platzen, in der über die Verfehlungen des Pfarrers diskutiert wird. „Unser Vater“, appelliert der Älteste, „lebt seine Werte. Er lebt für die Familie, die Gemeinde und für den Glauben.“

Am Ende wird natürlich alles gut. Sogar die demütigende Gerichtsverhandlung vom Anfang erweist sich als Wink des Schicksals: Es gibt ein Wiedersehen mit der netten Richterin.

Fazit: Die verjüngte Variante der klassischen ZDF-Familienserie. Diese Männer-WG macht Spaß.

• Sendetermin: Samstag, 1. Oktober, 19.25 Uhr, ZDF