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Das macht die neue Serie „Blindspot“ in Sat.1 so besonders

Schatzkarte auf dem Körper: Eine junge Frau (Jaimie Alexander) wacht mitten auf der Straße auf und weiß nicht, wie sie dahingekommen ist.

Schatzkarte auf dem Körper: Eine junge Frau (Jaimie Alexander) wacht mitten auf der Straße auf und weiß nicht, wie sie dahingekommen ist.

Foto: Sat.1/Warner Brothers

Aus dem Nichts taucht eine tätowierte Frau auf. Sie hat kein Gedächtnis. Die neue US-Serie „Blindspot“ hat eine einzigartige Grundidee.

Berlin.  Sie hat kein Gedächtnis und offenbar auch nichts anzuziehen. Aber dafür hat sie jede Menge Tattoos. Splitternackt und von Kopf bis Fuß tätowiert steigt eine unbekannte Schönheit (Jaimie Alexander) aus einer großen Reisetasche, die jemand am New Yorker Times Square abgestellt hat. So fängt sie an, die neue US-Serie „Blindspot“ (Sat.1, 20.15 Uhr).

Die Polizei gibt der Frau den Namen Jane Doe – ein Alias, das man im Englischen zur Bezeichnung nicht identifizierbarer Personen benutzt. Und dann übernimmt das FBI, genauer gesagt, es übernimmt Special Agent Kurt Weller (Sullivan Stapleton), dessen Name groß auf den Rücken der Unbekannten gestochen wurde. Und der merkt bald, dass jedes Tattoo ein verschlüsselter Hinweis auf ein anstehendes Verbrechen, manchmal sogar auf einen schweren Anschlag ist. Mysteriös ist das alles, und die hübsche Jane Doe macht es noch mysteriöser.

Verzweifelte Kämpferin

Nicht nur, weil herauskommt, dass jemand ihren Gedächtnisverlust durch Verabreichung von Medikamenten ganz bewusst ausgelöst hat. Schnell zeigt sich auch, dass sie ungewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Sie kann gucken wie Bambi, aber kämpfen wie Bruce Lee. Sie weiß nicht, wie Kaffee schmeckt, spricht aber sogar Dialekte aus den hintersten Winkeln Chinas. Da rätselt das FBI natürlich. Ist die Frau Opfer oder Täterin?

Die Suche nach der Antwort auf diese Frage ist der Erzählstrang, der die 23 Episoden der ersten Staffel miteinander verknüpft und sie zusammenhält. Die Folgen funktionieren aber – zumindest anfangs – auch einzeln. Denn jede Woche wird ein anderes Tattoo entschlüsselt, ein neuer Fall angegangen.

Serienfans werden an „Blacklist“ erinnert

Vieles an „Blindspot“ erinnert Serienfans an „Blacklist“. Es gibt kurze Rückblenden, Verschwörungen, überraschende Wendungen, und immer wieder verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse. Was es nicht gibt, ist ein Hauptdarsteller wie James Spader alias Raymond Reddington, der aus der Menge des stetig wachsenden Serienpersonals herausragt.

Schauspieler Stapleton, der Erfahrung als Agent aus der Serie „Strike Back“ mitbringt, legt hier seinen FBI-Agenten trotz rauer Schale und Dreitagebart ein wenig zu rechtschaffen an. Kein Fehl, kaum Tadel. Der Rest seines Teams besteht aus den üblichen Stereotypen einer auf Massentauglichkeit ausgerichteten US-Krimiserie im Jahr 2016 – von der Computerexpertin, die schon vor dem Frühstück Bomben entschärft, bis zur strengen Vorgesetzten ohne Vornamen.

In den USA kommt Serie gut an

Immerhin: Jaimie Alexander, die ihre bisher größte Rolle in den „Thor“-Kinofilmen hatte, gelingt der Spagat zwischen verzweifelter Frau ohne Gedächtnis und beinharter Kämpferin über weite Strecken ziemlich gut.

Mit hohem Tempo, das einige Logiklöcher vergessen lässt, aber leider weitgehend humorlos lösen sie gemeinsam ihre Fälle und schaffen es dabei fast immer, mit einem Cliffhanger zu enden. In den USA funktioniert das so gut, dass dort nächsten Monat bereits die zweite Staffel startet.

Fazit: Eine auf Hochglanz polierte Krimi- und Spionagereihe, die weniger von ihren originellen Fällen als von der einzigartigen Grundidee lebt.

„Blindspot“, Sat.1, Donnerstag, 8. September, 20.15 Uhr