Satire-Show

Böhmermann zeigt sich halbnackt im Bett mit Merkel und Vera

Jan Böhmermann meldete sich mit dem „Neo Magazin Royale“ am Donnerstagabend zurück aus der Sommerpause.

Jan Böhmermann meldete sich mit dem „Neo Magazin Royale“ am Donnerstagabend zurück aus der Sommerpause.

Foto: Ben Knabe / dpa

Jan Böhmermann ist ausgeruht aus der Sommerpause zurück. Im „Neo Magazin Royale“ zeigte er sich gewohnt bissig – und so gut wie nackt.

Köln.  Jan Böhmermann ist aus der Sommerpause zurück und hat in seinem „Neo Magazin Royale“ ausgeteilt, wie es sonst nur Rapper in ihren Texten tun. Das lag vor allem daran, dass Böhmermann nach dem Erfolg von „Ich hab’ Polizei“ wieder in die Rolle des Rappers schlüpfte und die gesamte Sendung über immer wieder Anspielungen auf die deutsche Rap-Szene platzierte.

Aber auch wer sich mit Rap-Musik nicht auskennt, dürfte mindestens ein prominentes Feindbild gefunden haben. Böhmermann arbeitete sein persönliches Sommerloch vor allem musikalisch auf. So rappte der ZDF-Moderator als „blasser dünner Junge“ noch einmal über die Enthüllungen bei „Schwiegertochter gesucht“ auf RTL. Über Vera in Veen hieß es: „Ist nicht bös’ gemeint...Die dicke Vera sitzt in Potsdamm, guckt doof und weint“.

Doch Vera blieb nicht das einzige Opfer. In Anlehnung an das Kanye-West-Video „Famous“ war Böhmermann im eigenen Musikvideo halbnackt im Bett mit „Bild“-Verleger Kai Diekmann, Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel zu sehen. Doch Böhmermanns Bett scheint so groß wie sein Mut und seine Klappe zu sein. Und so war darin noch Platz für Günther Jauch, Stefan Raab, Regierungssprecher Steffen Seibert, Kanzleramtschef Peter Altmaier und Charlotte Roche.*

Bosbach nennt gute Gründe für Talkshow-Auftritte

Ob dem Studiogast und Politiker Wolfgang Bosbach (CDU) diese Anspielungen gefiel, ist zweifelhaft. Schließlich ist Bosbach einer der meistgefragten Gäste in den politischen Talkshows der Nation und hat mit fast allen gezeigten Personen immer wieder zu tun. Böhmermann war froh, ihn in der Sendung zu haben, schließlich „ist er sonst kaum in Talkshows“, scherzte der Moderator. Und so fragte er „das alte Schlachtross der CDU“ auch nach seiner Lieblings-Talkshow. Eindeutig Maybrit Illner, lautete die Einschätzung Bosbachs, denn dort gebe es das leckerste Essen nach der Sendung. „Das ist großzügig, das ist lecker“, so der gebürtige Bergisch-Gladbacher. Es wurde deutlich, dass Bosbach weder qualitativ noch quantitativ ein Kostverächter ist, wenn es um Talkshows geht. Zur Belohnung durfte Bosbach dann sein Image als Rebell festigen und eine eigene Rockerkutte herstellen, auf die auch ein Logo seiner Lieblings-Talkshow gebügelt wurde.

Doch nicht nur wegen der Rocker-Kutte wurde der Ton der Sendung immer wieder etwas rauer. Das lag vor allem an den Anspielungen auf die deutsche Rap-Szene. Gleich mehrfach griff Böhmermann den aktuellen Rapper-Streit zwischen den Künstlern KC Rebell und Xatar auf. Der Bonner Rapper Xatar wurde nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung polizeilich gesucht und stellte sich schließlich.

Böhmermann kann sich Spitze auf Erdogan nicht verkneifen

Ein Fall für die Witzepolizei waren dann teilweise Böhmermanns Pointen. So sei der Rapper in eine „Xatar-Falle“ der Polizei geraten. Später sagte Böhmermann: „Die Polizei musste gar nichts tun, nur eine Polizeiwache aufschließen und schon ist er reingelaufen“. Wesentlich kredibiler – so wie es in der Rapszene gerne gesehen ist – klang da die Musik von Dendemann, der ein Cover des Beginner-Hits „Ahnma“ präsentierte.

Den wohl stärksten Diss, wie Streit-Gesuche im Rap genannt werden, schickte Jan Böhmermann aber an den türkischen Präsidenten Recep Rayyip Erdogan. Er wolle nicht viel dazu sagen. „Sie können nicht verlangen, dass ich verlogen und sackdoof...“, begann Böhmermann einen Satz, der deutlich an sein Schmähgedicht über Erdogan angelehnt war. Doch statt weiterzureden gab es nur ein Lächeln, bedeutungsschwere Musik und eine hochgezogene Augenbraue.

Kommt der nächste #Varoufake?

Insgesamt lebte Böhmermanns Sendung nach der Sommerpause von vielen Andeutungen und kurzen Abrissen der Geschehnisse des Sommerloches. Doch vielleicht arbeitet er auch nur wieder an einem großen Ding. In einem kurzen Ausschnitt war beispielsweise Sigmar Gabriel zu sehen, wie er Neonazis eine Hand mit vier ausgestreckten Fingern entgegenhielt. In Berichten war aber immer nur ein Mittelfinger zu sehen. Bahnt sich da etwa ein neues #Varoufake an? Läuft es wieder so wie bei dem gefälschten Video des ehemaligen griechischen Finanzministers Yannis Varoufakis?

*In einer früheren Version des Textes hatten wir Maybrit Illner anstelle von Charlotte Roche genannt.