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"Die Höhle der Löwen“: Das wurde aus den Gewinnern

| Lesedauer: 7 Minuten
Sandra Schröpfer
Daniel Duarte (l.) und Heiko Butz vertreiben unter der Marke Koawach Trinkschokolade mit Guaraná, einer koffeinhaltigen Pflanze. Dieses Jahr machen sie voraussichtlich mehr als drei Millionen Euro Umsatz.

Daniel Duarte (l.) und Heiko Butz vertreiben unter der Marke Koawach Trinkschokolade mit Guaraná, einer koffeinhaltigen Pflanze. Dieses Jahr machen sie voraussichtlich mehr als drei Millionen Euro Umsatz.

Foto: Koawach

Am Dienstag startet die neue Staffel der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“. Doch was wurde eigentlich aus den Start-ups von 2015?

Berlin/Köln.  Ob Gewürzmischungen, Pflanzen mit Bedienungsanleitung oder Ärmelspanner, die das Bügeln vereinfachen: An diesem Dienstag versuchen Start-up-Unternehmer bei „Die Höhle der Löwen“ auf Vox wieder Investoren von ihren Geschäftsideen zu überzeugen. Die erfolgreiche TV-Sendung (etwa 2 Millionen Zuschauer pro Sendung) startet in die dritte Runde.

Doch was wurde eigentlich aus den Geschäftsideen von 2015? Kamen die von den Investoren versprochenen Deals wirklich zustande? Wie geht es den Nachwuchs-Unternehmern der vergangenen Staffel heute? So laufen die Geschäfte der Start-ups heute:

Koawach: Geplatzter Deal und doch erfolgreich

„Löwe“ Jochen Schweizer versprach Heiko Butz und Daniel Duarte, die unter der Marke Koawach koffeinhaltige Trinkschokolade herstellen, in der Sendung ein Investment in Höhe von 120.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile. Tatsächlich kam es danach jedoch zu keinem Deal zwischen den beiden Gründern aus Berlin und dem Investor. In vertiefenden Gesprächen hätten beide Seiten übereinstimmend festgestellt, dass ein Investment doch nicht passend sei, sagt Koawach-Mitgründer Daniel Duarte unserer Redaktion. „Wir stehen aber noch heute in gutem Kontakt zu Schweizers Unternehmen.“

Profitiert haben die Start-up-Unternehmer von der „Höhle der Löwen“ aber auch ohne Investment. Verzeichneten sie im ersten Jahr nach Firmengründung nur knapp 1000 Online-Bestellungen ihres Produktes, waren es allein vom Zeitpunkt der Ausstrahlung der Sendung Mitte Oktober 2015 bis zum Jahresende 30.000 Bestellungen. „Wir kamen mit der Produktion überhaupt nicht nach und mussten unser Schichtsystem anpassen“, sagt Duarte. 2015 machte das Unternehmen nach eigenen Angaben 1,28 Millionen Euro Umsatz. „Dieses Jahr erwarten wir mehr als das Dreifache“, so der 27-Jährige.

Ihre Koawach-Trinkschokolade gibt es inzwischen deutschlandweit in knapp 3000 Supermärkten und Cafés zu kaufen, zudem auch in Österreich und in der Schweiz. „Als nächstes ist eine Expansion in die Niederlande oder nach Großbritannien geplant.“ Verhandlungen mit potenziellen Investoren laufen.

Heimatgut: Deutsche Wirsingchips auch in Japan

Auch für die Erfinder von Heimatgut, die mit nachhaltigen Wirsingchips vor die „Löwen“ traten, platzte der in der Sendung angekündigte Deal. In die Idee der zwei Hamburger Aryan Moghaddam und Maurice Fischer wollte ebenfalls Jochen Schweizer 125.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile investieren. Doch auch hier ging man nach vielen Gesprächen einvernehmlich auseinander, sagt Jungunternehmer Aryan Moghaddam. „Die 125.000 Euro hätten für unser Vorhaben nicht gereicht.“

Der TV-Auftritt war für die Norddeutschen dennoch ein „Sprungbrett nach oben“, so der 28-Jährige. „In den Tagen nach der Sendungen riefen uns die großen Supermarktketten an und waren heiß auf unsere Produkte.“ Und auch bereits während der Ausstrahlung ging es im Online-Shop von Heimatgut heiß her: „Wir hatten vorher mehrere Tausend Euro investiert, damit der Server auch bei vielen Zugriffen stabil läuft.“ Doch bei bis zu 15.000 Aufrufen gleichzeitig stürzte die Seite trotzdem ab. Als sie wieder lief, waren die Bestellungen für die beiden Gründer kaum handhabbar. „Wir waren bis Dezember ausverkauft.“ Nach knapp 700.000 Euro Umsatz im vergangenen Jahr erwarten Moghaddam und Fischer dieses Jahr zwei Millionen Euro. Ihre Chips, aus denen mittlerweile 15 Sorten geworden sind, gibt es inzwischen auch in Japan und in Schweden zu kaufen.

Einhorn: Kein Deal, Rechtsstreit und doch bekannt

Das Berliner Start-up Einhorn, das fair und nachhaltig produzierte Kondome herstellt, konnte in der „Höhle der Löwen“ die Investoren zwar nicht überzeugen. Dennoch brachte die Sendung den Gründern Waldemar Zeiler und Philip Siefer vor allem eins – Bekanntheit. „Die Leute erkennen uns auf der Straße und wollen auch mal ein Selfie machen“, sagt Zeiler. Doch gerieten die Unternehmer auch aus noch anderen Gründen in die Schlagzeilen. Ein Konkurrent brachte sie im vergangenen Jahr mit Unterlassungsklagen vor Gericht. Sie hatten unter anderem falsche Werbeversprechen auf ihre Kondompackungen gedruckt. Das sah auch das Landgericht Düsseldorf so und erließ eine einstweilige Verfügung.

Die „Einhörner“ ließen sich davon jedoch nicht unterkriegen und nutzten den Trubel für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Mit humorvollen Straßenkampagnen rückten sie ihre Marke in positives Licht. „Unsere Produkte kennt man nun auf der ganzen Welt“, so Zeiler. Voraussichtlich im kommenden Jahr soll es für das Unternehmen auch an den US-amerikanischen Markt gehen.

Von Floerke: Zwei von drei „Löwen“ inzwischen ausgestiegen

Für das Modelabel Von Floerke aus Bonn, das Krawatten, Fliegen und Einstecktücher verkauft, kam es nach der „Höhle der Löwen“ zum Deal mit den Investoren. Judith Williams, Frank Thelen und Vural Öger versprachen Gründer Daniel Schirrmacher während der Sendung 100.000 Euro – und legten Berichten zufolge später noch nach. Ein knappes Jahr nach Ausstrahlung der „Löwen“-Folge gibt es die Produkte des Jungunternehmers heute deutschlandweit in 2000 Filialen von Modehäusern wie Breuninger oder SinnLeffers zu kaufen, wie der 24-Jährige kürzlich im Gespräch mit dem Magazin „Gründerszene“ sagte. Der Online-Umsatz sei seitdem von 5000 auf 100.000 Euro monatlich gestiegen.

Doch von den drei Investoren ist demnach heute nur noch Frank Thelen mit an Bord. Vural Öger verkaufte seine Anteile Anfang des Jahres, offenbar nachdem Schirrmacher den Investor darum gebeten hatte. „Der Grund war, dass praktisch keine Zusammenarbeit vorhanden war. Ich hab vielleicht einmal mit ihm telefoniert“, sagte der 24-Jährige zu „Gründerszene“. Und auch Judith Williams ist laut „Gründerszene“ inzwischen ausgestiegen. „Weil mich der Gründer darum gebeten hatte. Das war so gesehen ein Good-Will-Exit. Sprich: Geld habe ich damit nicht verdient“, sagte die Investorin kürzlich in einem Interview mit dem Magazin.

Little Lunch: Investment nach der Show noch erhöht

Den Brüdern Daniel und Denis Gibisch, die Gründer der Bio-Suppen-Marke Little Lunch, blieben bis heute zwei von drei Gründern erhalten. Die Juroren Frank Thelen, Judith Williams und Vural Öger stellten den Augsburgern in der Sendung vor knapp einem Jahr ein Investment in Höhe von 100.000 Euro für 30 Prozent der Anteile in Aussicht. Doch Reiseunternehmer Öger stieg in den Gesprächen nach der Sendung aus der Runde aus, wie ein Sprecher von Little Lunch unserer Redaktion sagte. Die Zusammenarbeit mit Williams und Thelen sei für das Gründerduo passender gewesen. Statt 100.000 Euro bekamen die Brüder sogar 150.000 Euro.

Die Augsburger, die vor einem Jahr noch zu zweit ihre Bio-Suppen im Glas anrührten, haben inzwischen ein Team aus 15 Mitarbeitern aufgebaut. Ihre Suppen vertreiben sie nun deutschlandweit bei 7000 Einzelhändlern. Die Erfolgs-Geschichte der zwei Brüder zeigt Vox in der Auftaktfolge der dritten Staffel von der „Höhle der Löwen“ am Dienstag, 23. August, um 20.15 Uhr.

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