TV-Klassiker

Warum „Verstehen Sie Spaß?“ die letzte Show ihrer Art ist

| Lesedauer: 3 Minuten
Jonas Erlenkämper
Boris und Lilly Becker posieren in Kostümen bei einem angeblichen Werbeshooting für Tiefkühlfisch – letztendlich werden sie aber nur veralbert für „Verstehen Sie Spaß?“.

Boris und Lilly Becker posieren in Kostümen bei einem angeblichen Werbeshooting für Tiefkühlfisch – letztendlich werden sie aber nur veralbert für „Verstehen Sie Spaß?“.

Foto: Wolfgang Chodan / dpa

„Verstehen Sie Spaß“ ist die letzte große Samstagabend-Show des deutschen Fernsehens. Das hat viel mit Moderator Guido Cantz zu tun.

Köln.  Die Sache mit Boris Becker war eine Punktlandung. Deutschlands ewige Tennislegende lebt in London, hat ständig Termine – gar nicht leicht, diesem Mann einen Streich zu spielen. Trotzdem haben sie ihn drangekriegt, mit Hilfe seiner Frau Lilly, und ihn gefragt: „Verstehen Sie Spaß?“ Boris Becker, das ist eine Erkenntnis der neuen Ausgabe, kann über sich selbst lachen.

Er ist es gewohnt, in der Öffentlichkeit als Witzfigur herhalten zu müssen. In dieser ARD-Show aber ist die Welt noch in Ordnung, die Redaktion sorgt über den Zusammenschnitt der Einspielfilme dafür, dass sich kein Gast blamiert. „Letztlich ist die Show auch eine gute Plattform für die Promis“, sagt Moderator Guido Cantz. „Sie sitzen samstagabends vor einem Millionenpublikum bei uns auf dem Sofa und können eine neue Seite von sich präsentieren.“

Das Konzept funktioniert seit 36 Jahren

Cantz’ Sendung ist ein Phänomen. Sie läuft seit 36 Jahren; nachdem „Wetten dass..?“ und „Schlag den Raab“ eingestellt wurden, ist „Verstehen Sie Spaß?“ die letzte große Samstagabendshow des deutschen Fernsehens. Zwar wird sie inzwischen nur noch viermal im Jahr und davon sogar nur noch zweimal live gesendet. Doch die Quoten sind stabil. Sogar das ganz junge Publikum kennt „Verstehen Sie Spaß?“, obwohl es kaum noch fernsieht. Die kurzen Clips mit der versteckten Kamera sind internettauglich, der Youtube-Kanal verzeichnet 274 Millionen Abrufe – „für eine ARD-Show eine unglaubliche Zahl“, sagt Cantz.

Der Erfolg hat viel mit dem Moderator zu tun. Der 44-Jährige aus Köln-Porz achtet penibel darauf, dass die Oma seine Witze genauso versteht wie der Enkel. So ist „Verstehen Sie Spaß?“ eine Sendung des größten gemeinsamen Nenners. Kein Kreativprogramm, sondern eines mit Lagerfeuerqualität. „Wenn man auf der Bühne steht, muss man sein Publikum kennen. Bei uns schauen viele Kinder zu“, sagt Cantz. „Danach richte ich mich.“ Mit dem Humor eines Jan Böhmermann kann er nichts anfangen. Die Affäre um dessen Erdogan-Schmähgedicht habe ihn „total abgenervt“. „Das sind die Leute, die sich über ihr Publikum stellen.“

Cantz übernahm Moderation von Frank Elstner

Er ist jetzt seriös. Dabei galt der Mann mit dem blondierten Schopf lange als Klassenclown der Comedyszene. Eine Rolle, die er von klein auf gelernt hat. Schon als Kind habe er versucht, seine Umgebung zum Lachen zu bringen. „Bei mir kamen ein paar Gründe zusammen, die ein Kompensationsverhalten nötig machten: Ich bin mit fünf eingeschult worden und war deshalb immer der Jüngste in der Klasse. Außerdem hatte ich rot-blonde Haare.“ Vor 25 Jahren trat er – damals noch BWL-Student – das erste Mal im Kölner Karneval auf. Die Leidenschaft dafür hat er von seinem Vater geerbt, der als Sänger im Stuttgarter Karneval aktiv war. Von seiner Mutter, die aus Essen-Stadtwald stammt, habe er das Talent zum Vielreden.

Vor sechs Jahren hat Cantz die Moderation von Frank Elstner übernommen und „Verstehen Sie Spaß?“ seitdem behutsam modernisiert. Heute Abend hat er sich neben Becker Wetterexperte Sven Plöger, Comedian Christian Tramitz, Sänger Mark Forster und Kabarettistin Monika Gruber eingeladen. Kein Hollywoodadel, aber sympathische Vertreter der deutschen TV-Branche. Familienfernsehen par excellence. Reicht manchmal schon für einen gemütlichen Fernsehabend.

• Samstag, 30. Juli, 20.15 Uhr, ARD: „Verstehen Sie Spaß?“

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