Telenovela

Das macht die ARD-Serie „Rote Rosen“ so erfolgreich

In der 13. Staffel „Rote Rosen“ steht Cheryl Shepard im Mittelpunkt.

In der 13. Staffel „Rote Rosen“ steht Cheryl Shepard im Mittelpunkt.

Foto: ARD/Nicole Manthey

„Rote Rosen“ zählt zu den wohl erfolgreichsten Serien im deutschen Fernsehen. Nur was macht die Telenovela eigentlich so besonders?

Lüneburg.  Seit fast zehn Jahren ist die Serie „Rote Rosen“ fester Bestandteil im ARD-Nachmittagsprogramm. Die Quoten steigen beständig. Am Donnerstag startet deshalb bereits die 13. Staffel der Telenovela. Dieses Mal in den Hauptrollen: Cheryl Shepard und Mickey Hardt. Nur was ist es, das die Zuschauer immer wieder einschalten lässt? Acht Gründe, warum die Sendung so erfolgreich ist:

Andere Zielgruppe

„Rote Rosen“ richtet sich vor allem an die ältere Generation und nicht an Jugendliche oder sehr junge Erwachsene wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) oder „Alles was zählt“. Allerdings schaltet auch immer mehr jüngeres Publikum ein. Vor allem die, die sich bei den anderen Soaps nicht mehr so abgeholt fühlen. Oftmals ein Grund dafür: Die Darsteller werden immer jünger, man selbst aber älter. Vor allem die Ende 20- oder Anfang 30-Jährigen finden Gefallen an der Serie, denn sie haben genug von der hippen Coolness eines fiktiven GZSZ-Kiezes.

Ältere Darsteller

Der Fokus bei „Rote Rosen“ ist ein anderer. Im Mittelpunkt steht immer eine Frau Ende 40. Angesichts des anhaltenden Schönheits- und Jugendwahns ist das eher ungewöhnlich – damit aber auch ein absolutes Erfolgsrezept. Während sich in anderen Serien alles um das erste Mal oder die erste Liebe dreht, sehen sich die Zuschauer bei „Rote Rosen“ durchaus mal mit einer Midlife-Crisis oder der Suche nach einer neuen Liebe nach einer Scheidung konfrontiert. Allerdings finden auch die Sorgen der jüngeren Generation Beachtung, denn keine Hauptfigur erscheint ohne Familienanhang.

Kleinstadtidyll statt Großstadtflair

Es ist außerdem alles nicht so hip wie im GZSZ-Kosmos. Während die RTL-Serie auf Berlin als Spielstätte und somit auf cooles Großstadtflair setzt, spielt „Rote Rosen“ im beschaulichen Lüneburg. Dadurch spricht die Telenovela vor allem die Menschen an, die eben nicht in Großstädten leben – oder eben die, die sich nach Kleinstadtidyll sehnen. Außerdem fällt vielen die Identifikation mit den ganz „normalen Leuten“ in Lüneburg viel leichter.

Wechselnder Cast

Typisch für eine Telenovela steht bei „Rote Rosen“ eine Hauptfigur beziehungsweise ein Paar im Mittelpunkt. Nach 200 Folgen ist die Geschichte auserzählt und der Abschied von den liebgewonnen Charakteren steht an. Das bringt Abwechslung, Spannung und immer neuen Input in die tägliche Serie. Allerdings wird auch für einen Hauch Beständigkeit gesorgt: Ein Teil der Darsteller bleibt konstant erhalten.

„Altersgerechte“ Aufbereitung

Ebenfalls ein nicht unwichtiger Faktor für den Erfolg: Es werden aktuelle kulturelle und gesellschaftliche Themen und Phänomene aufgegriffen. Natürlich geschieht das bei GZSZ und Co. ebenfalls, aber auf ganz andere Art und Weise. Bei „Rote Rosen“ ist die Aufbereitung „altersgerecht“. Klingt blöd, ist es aber nicht. Wenn Erika Rose, gespielt von Madeleine Lierck-Wien, zur Stricknadel greift, um „Urban Knitting“ zu betreiben, oder Herr Lüder (Claus Dieter Clausnitzer) in einen Container klettert, um weggeworfene Lebensmittel zu retten – Stichwort „Foodsharing“ und „Containern“ –, dann ist das einfach näher an der Generation 45+.

Bodenständigkeit

Bei „Rote Rosen“ ist sowieso alles etwas mehr auf dem Teppich geblieben. Die Serie ist bodenständig, auch wenn sich ein großer Teil im Fünf-Sterne-Hotel „Drei Könige“ abspielt. Die Klamotten sind nicht ganz so trendy, genauso wenig die Wohnungseinrichtungen oder Drinks. Statt hippen Latte Macchiato gibt es Darjeeling oder simplen Kaffee. Das heißt aber nicht, dass man moderne Entwicklungen – vor allem in Sachen Gastronomie – einfach ignoriert. Da wird auch schon mal ein Smoothie gemixt oder die Wurstbude wird zum Deli.

Happy-End-Garantie

Natürlich herrscht bei „Rote Rosen“ aber nicht immer Eitelsonnenschein. Es spielen sich durchaus Dramen ab – aber meist nicht in einem so abgedrehten Ausmaß wie bei GZSZ, wo eine Entführung gerne mal über ein dreiviertel Jahr hingezogen wird oder ein Protagonist durch eine Intrige fast in einem malaysischen Knast versauert wäre. Aber am Ende bleibt immer die Gewissheit, dass alles gut wird – zumindest im Liebesleben der Hauptdarsteller. Das ist für die Zuschauer ein beruhigender Gedanke, vor allem in der sonst oft so grausamen Realität.

Ausgewogener Schauspieler-Mix

Zu guter Letzt ist es aber bestimmt auch die Mischung der Darsteller, die „Rote Rosen“ so erfolgreich macht. Bekannte Schauspieler und eher unbekannte Darsteller wechseln sich ab. So spielte bereits Udo Jürgens Tochter Jenny Jürgens eine Hauptrolle. Eine Staffel später wurde dann mit Anne Moll auf eine Schauspielerin gesetzt, die den meisten gänzlich unbekannt gewesen sein dürfte. Und nun wurde mit Cheryl Shepard, die durch die Arzt-Serie „In aller Freundschaft“ berühmt wurde, wieder eine sehr bekannte Haupt-„Rose“ gefunden.

Win-win-Situation

Die Erfolgsgeschichte der Serie setzt sich allerdings auch in der Stadt Lüneburg fort. Zahlreiche Touristen strömen seit dem Start der Telenovela in die Stadt, um im Hotel „Drei Könige“, das eigentlich „Bergström“ heißt, zu übernachten oder bei einer „Rote Rosen“-Tour die Schauplätze der Serie gezeigt zu bekommen. Eine echte Win-win-Situation.