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Künast schimpft bei Maischberger über die Zucker-Industrie

Renate Künast hat beim Thema Zucker eine klare Haltung. Zucker führe zu Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes, sagt die ehemalige Verbraucherschutzministerin bei Sandra Maischberger.

Renate Künast hat beim Thema Zucker eine klare Haltung. Zucker führe zu Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes, sagt die ehemalige Verbraucherschutzministerin bei Sandra Maischberger.

Foto: imago stock&people / imago/Eibner

Zucker steht seit Jahren in der Kritik. Sandra Maischberger und ihre Gäste diskutierten: Macht uns die Industrie absichtlich abhängig?

Berlin.  Er steckt in vielen Produkten, er steht im Verdacht dick und krank zu machen und er hat gehöriges Suchtpotential: Zucker gilt vielen Verbraucherschützern als Volksdroge, ja, gar als neuer Tabak. Die Weltgesundheitsorganisation warnt seit Jahren vor den Folgen des omnipräsenten Süßungsmittels. Und doch tut sich sowohl bei der Industrie, als auch bei den Verbrauchern wenig: Im Durchschnitt nahmen die Deutschen zuletzt 35 Kilo Zucker im Jahr zu sich.

Doch woran liegt das? Ist die Zuckerlobby zu stark? Ist die Politik zu schwach? Ist der Verbraucher zu nachlässig? Diesen Fragen ging am Mittwochabend auch Sandra Maischberger nach. „Süße Droge Zucker: Macht die Lebensmittelindustrie uns süchtig?“, fasste die Redaktion das Thema zusammen. Diskutiert wurde es von Renate Künast (Grüne), der Journalistin Susanne Holst, der Moderatorin Katja Burkard und dem Sportler Matthias Steiner. Außerdem in der Runde: Verbraucherschützer Armin Valet, der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop und der Sprecher der Lebensmittelindustrie, Christoph Minhoff.

Die Zucker-Verteidiger

Die Rolle des Zucker-Verteidigers kam per Amt Christoph Minhoff zu. Dazu verfolgte der Sprecher der Lebensmittelindustrie eine ausgeklügelte Strategie. „Der Zuckerkonsum hat sich seit den 70er Jahren nicht verändert“, behauptete Minhoff einerseits. Allerdings bewegten sich die Menschen dieser Tage weniger, weshalb Fettleibigkeit ein Thema sein könne. Zugleich betonte Minhoff, dass zuckerreiche Produkte nun mal von den Kunden nachgefragt würden. „Wer am Kunden vorbei produziert, verliert.“ In der Diskussion ginge es letztlich nur darum, einen einzelnen Stoff für alle möglichen Probleme verantwortlich zu machen, befand der Industrievertreter.

Unterstützt wurde Minhoff von Uwe Knop. „Zucker macht weder krank noch dick noch süchtig“, sagte der Ernährungswissenschaftler. Auch gebe es keine Hinweise darauf, was gesunde Ernährung sein könnte. Dennoch werde die Debatte hitzig und höchst ideologisch geführt. „Die Kinder werden ernährungsideologisch verdorben“, kritisierte Knop.

Die Mythen der Industrie

Renate Künast sah das ganz anders. „Das gehört zu den Mythen der Lebensmittelindustrie“, sagte die frühere Verbraucherschutzministerin mit Blick auf Minhoffs Behauptung zu einem stagnierenden Zuckerkonsum. Die Lebensmittelindustrie übe massiven Druck aus, um die aktuell laxe Gesetzgebung zu erhalten. Dabei führe Zucker zu Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes und damit letztlich auch zu Kosten für die Allgemeinheit. „Sie machen die Profite, die Krankenkassen müssen die Kosten tragen“, sagte Künast an Minhoff gewandt.

Ähnlich äußerte sich Verbraucherschützer Valet. „Zucker ist ein Geschmacksträger, damit kann man auch schlechtere Qualität übertünchen“, erklärte er die Attraktivität des Süßungsmittels für die Industrie. Mittlerweile verwendeten die Hersteller alternativen Zucker wie etwa Fruchtsäfte, um einen geringeren Zuckergehalt auf die Verpackungen schreiben zu können. „Die Praxis ist irreführend aber legal.“

Zustimmung erhielten Künast und Valet von Susanne Holst. „Zucker hilft unserem Hirn zu denken“, stellte die Ärztin und Tagesschau-Moderatorin fest. Allerdings reiche dazu auch der Zucker, der in unverarbeiteten Lebensmitteln vorhanden sei. Konventioneller Zucker habe dagegen einen Zusammenhang mit Diabetes. Außerdem führten hohe Zuckeranteile in Lebensmitteln dazu, dass die Verbraucher und insbesondere die Kinder abhängig gemacht würden und eine immer stärkere Dosierung bräuchten.

Drei Tage Entzugserscheinungen

Diese Abhängigkeit konnte Katja Burkard nur bestätigen. „Ich hatte drei Tage Entzugserscheinungen, danach fühlte ich mich besser“, beschrieb die Moderatorin die zwei Wochen, in denen sie auf Zucker komplett verzichtete. Ganz sei ihr die Abstinenz aber nicht gelungen: Selbst wenn man darauf achte, komme man nicht drumherum, Zucker zu sich zu nehmen.

„Zucker ist nicht essenziell“, befand auch Matthias Steiner. Der frühere Gewichtheber und Olympiasieger hat Diabetes und muss daher stärker darauf achten, was er zu sich nimmt. Auch er kritisierte die Industrie für den umfassenden Einsatz des Süßungsmittels und irreführenden Angaben auf den Packungen. Zugleich forderte er aber auch, dass die Verbraucher selbst stärker darauf achten müssten, was sie zu sich nehmen. Am Ende, befand Steiner, dürfe aber eines nicht verloren gehen: „Man muss Spaß am Essen haben.“

• Zur Ausgabe von „Maischberger“ in der ARD-Mediathek