Hasskommentare

Dunja Hayali wird für Reaktion auf Hass-Brief gelobt

Die Moderatorin Dunja Hayali setzt sich immer wieder gegen Hass im Netz ein. Mit einem veröffentlichten Leserbrief zog sie viel Aufmerksamkeit an.

Die Moderatorin Dunja Hayali setzt sich immer wieder gegen Hass im Netz ein. Mit einem veröffentlichten Leserbrief zog sie viel Aufmerksamkeit an.

Foto: Müller-Stauffenberg / imago

ZDF-Moderatorin Hayali veröffentlichte im Netz einen Leserbrief und strich alle Fehler an. Erst wollte sie den Absender kontaktieren.

Berlin.  Mit ihrem bei Facebook veröffentlichten Leserbrief hat ZDF-Moderatorin Dunja Hayali erneut eine Diskussion losgetreten. Am Freitagnachmittag hatten den Beitrag, in dem Hayali 54 Rechtschreibfehler mit dem Rotstift markierte, rund 7000 Nutzer geteilt. Fast 6200 Menschen kommentierten den Post, überwiegend positiv und anerkennend.

Die Moderatorin selbst hätte es falsch gefunden, den Hassbrief einfach stillschweigend hinzunehmen. „Viele bekommen gar nicht mit, wie verbreitet dieser Hass inzwischen ist“, sagte die 41-jährige ZDF-Moderatorin der Deutschen Presse-Agentur. Das sei einer der Gründe gewesen, den Brief, den sie anonym erhalten hatte, am Donnerstag auf Facebook zu veröffentlichen. „Am Anfang habe ich daran gedacht, den Briefschreiber zu ermitteln, aber es gibt keinen Absender, gar nichts“, so Hayali. „Die Alternative war deshalb, nichts zu machen oder mit Humor zu reagieren.“

Der Briefschreiber, der sich selbst als „gesetzestreuer, hochqualifizierter Bürger“ bezeichnet, hatte die Moderatorin mit etlichen Beleidigungen bedacht, zum Teil mit eindeutig ausländerfeindlichem Tenor. „Ich hoffe, es gibt eines Tages eine Volksbefragung und wir können das ganze faule Ausländerpack wie Dich los werden“, schreibt der anonyme Verfasser, der mit Lawrence von Arabien unterschreibt. Die Passage gehört zu den harmloseren.

Stellvertretende SPD-Vorsitzende unterstützt Hayali

Den Einfall, die Rechtschreib- und Kommafehler des Absenders mit Rotstift zu markieren, hatte die Journalistin schon beim ersten Lesen: „Ich hatte Probleme, den Brief zu verstehen und musste mich da richtig durchwühlen. Da ist mir die Idee gekommen, die Fehler anzustreichen.“

Auch Politiker haben den Post aufgegriffen. Fassungslosigkeit rief der Brief beispielsweise bei der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Aydan Özuguz hervor. „Was ist in diesem Leben schief gelaufen“, fragte sich die Politikerin mit Blick auf den Verfasser des Leserbriefs bei Facebook. Anonyme Nutzer warfen ihr daraufhin vor, sich über die Rechtschreibschwäche eines Mitbürgers lustig zu machen. Ihre Antwort: Sie mache sich ganz sicher über nichts lustig. „Diese Art von Brief empfinde ich nicht als eine übliche Meinungsäußerung.“

Beleidigende Post ist die ZDF-Moderatorin Hayali gewohnt: „Ich bekomme schon einige solcher Zuschriften, nicht nur einmal in der Woche“, sagte Hayali. „Aber ich bekomme auch viel unfassbar positive Briefe.“ Auf alle Zuschriften zu reagieren, sei unmöglich. „Ich mache das, wenn ich merke, dass Interesse am Austausch besteht.“

Journalistenverband und Zeitungsverleger stellen sich hinter Hayali

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, hält Hayalis Reaktion für passend: „Ich finde, das ist der richtige Weg, das so zu veröffentlichen und nicht auf die Beschimpfungen und Beleidigungen einzugehen. Zugespitzte Zuschriften an Medien habe es immer gegeben. „Aber da hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert bis hin zu Kampagnen, sich auf einzelne Journalisten einzuschießen. Das finden wir schwerpunktmäßig im Internet und auch anonym“, sagte Überall. „Es ist die große Frage, wie wollen wir damit umgehen?“

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) reagierte ebenfalls mit Humor. „Wir hätten da auch noch was..“, heißt es auf dem offiziellen Twitter-Account. Eingebunden ist eine Karikatur, die einen Mann vor einem Computer zeigt: „Achtung. Hasskommentare mit mehr als zwei Rechtschreibfehlern werden umgehend gelöscht!“

Hayali hatte Anfang des Jahres die „Goldene Kamera“ in der Kategorie „Beste Information“ gewonnen. Mit ihrer Dankesrede bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ rührte sie viele Zuschauer und setzte ein Zeichen gegen den Hass im Netz. „In einem Land, in dem die Meinungsfreiheit so ein hohes Gut ist, darf und muss jeder seine Sorgen und seine Ängste äußern, ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden“, sagte sie. „Aber wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt nochmal ein Rassist. Fertig. Und das müssen Sie auch ertragen können.“ (mit Material von dpa)