Erdogan-Affäre

Böhmermann will angeblich keine eigenen Witze mehr machen

Ob er Kanzlerin Merkel nach der Erdogan-Affäre noch möge, wurde Jan Böhmermann gefragt. Antwort: „Ich spreche hiermit der Bundeskanzlerin Angela Merkel mein vollstes Vertrauen aus.“

Ob er Kanzlerin Merkel nach der Erdogan-Affäre noch möge, wurde Jan Böhmermann gefragt. Antwort: „Ich spreche hiermit der Bundeskanzlerin Angela Merkel mein vollstes Vertrauen aus.“

Foto: STAR-MEDIA / imago stock&people

Jan Böhmermann kündigt an, sich im „Neo Magazin Royale“ mit eigenen Witzen erstmal komplett zurückzuhalten – die Zuschauer sollen ran.

Berlin.  Jan Böhmermann will in der nächsten Sendung seiner Satire-Show komplett auf eigene Witze verzichten. „Weil es ein bisschen schwierig ist, Witze zu machen zurzeit. Ich weiß nicht, was ich noch sagen darf. Kommt da die Polizei? Wird da ermittelt?“, sagte der TV-Satiriker am Mittwoch in einem Video auf Facebook. Die Witze für das nächste „Neo Magazin Royale“ auf ZDFneo am Donnerstag, 12. Mai, sollen stattdessen komplett von den Zuschauern kommen.

„Der erste Standup nach der Pause wird nur mit Witzen aus dem Publikum, also von euch bestritten“, erklärte der Moderator. „Das Stichwort ist Crowdsourcing.“ Details, wie das funktionieren soll, werde er noch bekanntgeben. So viel steht schon fest: „Die Witze müssen politisch korrekt sein“, sagte Böhmermann. Und: „Ihr müsst vorher einen Juristen fragen.“

Fans hatten auf Facebook die Gelegenheit, Böhmermann live Fragen beantworten zu lassen. Ob ihn die Affäre um sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stark belaste, fragte einer. „Als Spaßvogel so ‘ne Nummer abzuziehen, war natürlich mega“, antwortete Böhmermann. „Aber die persönlichen Konsequenzen, die jetzt nicht sehr überraschend kamen, aber die tatsächlich da waren, die sind dann tatsächlich so unangenehm, dass es an die Nerven geht, klar.“ Warum er es trotz der erwarteten Reaktionen durchgezogen habe, wollte ein anderer wissen. Darauf der 35-Jährige: „Weil es mein Job ist. (...) Es geht tatsächlich darum: pushing the boundaries (etwa: die Grenzen auszuloten).“

Über Applaus aus der rechten Ecke sagte Böhmermann: „Man kann sich nicht aussuchen, wer klatscht und wer lacht.“ Ob Satire alles dürfe? „Ja, natürlich darf Satire alles. Und was genau Satire darf, entscheidet die Bundeskanzlerin.“ Und auf die Frage, ob er Merkel denn noch möge, antwortete der Satiriker: „Ich spreche hiermit der Bundeskanzlerin Angela Merkel mein vollstes Vertrauen aus.“

Gysi erster Gast nach Erdogan-Affäre

Der Linke-Politiker Gregor Gysi (68) wird Gast in der Show am 12. Mai sein. Das sagte ein Sprecher Gysis am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Böhmermann hatte den Auftritt eines Politikers vorher in einem Facebook-Video angekündigt: Zu Gast sei „ein kleiner, lustiger, deutscher Politiker, in dessen Gegenwart man nicht das Wort Stasi sagen darf“.

Gysi, der bis vergangenen Herbst Oppositionsführer im Bundestag war, hat sich vor Gericht mehrfach erfolgreich gegen Vorwürfe einer Zusammenarbeit mit dem DDR-Geheimdienst Staatssicherheit gewehrt. (dpa)