Arte-Film

Josef Hader zeigt in „Der Tote am Teich“ seine Schrulligkeit

Josef Hader – Österreichs Kabarettjuwel – gibt den frühpensionierten Polizisten Sepp Ahorner.

Josef Hader – Österreichs Kabarettjuwel – gibt den frühpensionierten Polizisten Sepp Ahorner.

Foto: Lotus Film GmbH

Klein und fein aus Österreich: Josef Hader mimt in „Der Tote am Teich“ den Ex-Polizisten. Auch auf dem Land kann es brutal zugehen.

Linz.  „Den Tod kann man sich nicht aussuchen“, krächzt die alte Frau, als sie vom erschlagenen Urlauber auf dem zugefrorenen Dorfsee hört und bügelt erstmal weiter. „Das Leben auch nicht“, seufzt der Sohn am Esstisch kaum hörbar. In diesem tragikomischen Moment schwingt schon die Grundmelodie des österreichischen Heimatkrimis „Der Tote am Teich“ mit, der sich bei allem Ernst in der Sache sympathische Schrulligkeiten gönnt und den Arte zur besten Sendezeit serviert.

Heimatkrimis, wie sie die öffentlich-rechtlichen Sender zuhauf präsentieren, sind je nach regionaler Einfärbung gerne derb gestrickt, die Story ist simpel, der Humor wird mit dem Hammer ins Drehbuch gedroschen. Wie es leiser und feiner geht, zeigt Grimme-Preisträger Nikolaus Leyt­ner, der aus Susanne Freunds Drehbuch ein kleines Dorfdrama mit herrlichem Typenarsenal gemacht hat.

Ein Urlauber wird erschlagen

Josef Hader, Österreichs Kabarettjuwel, gibt den frühpensionierten Polizisten Sepp Ahorner, der deprimiert durch den ewigen Schnee eines verschlafenen Kaffs im Mühlviertel schlurft. Frau und Sohn starben bei einem Unfall, nun ist er den Launen seiner grantelnden Mutter (hinreißend: Erni Mangold) ausgeliefert, bei der er mehr schlecht als recht sein Leben fristet. Hader, der ja auch auf der Bühne seinen messerscharfen Ösi-Witz in Schwermut verpackt, ist der melancholisch gestimmte Idealtyp für das verschleppte Tempo, in dem Leytner die Geschichte entwickelt. Große Aufregung ist nicht Leytners Ding, er beobachtet lieber präzise die kleinen oberösterreichischen Provinzabgründe und schafft das passende Ambiente.

Die Leiche eines Urlaubers hat der Ahorner gefunden, ein Linzer Geschäftsmann, erschlagen und, wie sich später herausstellt, vorher auch vergiftet – mit der Bohne des „Wunderbaums“, der hier in jedem Garten steht. Ein Doppelmord gewissermaßen. Ein bisschen mag er selbst ermitteln, er hat ja sonst nichts zu tun, zumal die Spur in die eigene Familie zu seinen drei Cousinen führt, die den Fremden offenbar kannten.

Maria Hofstätter bietet Hader Paroli

Aber den eigentlichen Job übernimmt Frau Majorin Grete Öller (Maria Hof­stätter) aus Linz mit ihrer Assistentin (Miriam Fussenegger), die man in ihrem jugendlichen Enthusiasmus noch ein Stückerl herunterbremsen muss. Maria Hofstätter bietet Hader als qualmende, trinkfeste Ermittlerin wunderbar Paroli und mischt mit sanftem, aber bestimmtem Ton die verstockte Dorfgemeinschaft auf. Einen Haufen rustikaler Figuren rund um den brummigen Wirt schickt Nikolaus Leytner ins Rennen und nebenbei Öllers Kater „Gandhi“, dessen Name Ahorners Mutter die Bemerkung entlockt: „Dafür sieht er aber ganz gut aus.“

Keine Frage, fürs Österreichische samt seiner Eigenwilligkeiten und vor allem seiner Tonart muss man schon eine gewisse Sympathie hegen, sonst wird das hier nichts mit der Gegenliebe. Untertitel helfen bei diesem Sprachkurs.

Fazit: Entspannter Ösi-Krimi mit großartigen Hauptdarstellern und abgründigen Zutaten. Ein Vergnügen vor allem für Kenner.

• „Der Tote am Teich“, Arte, Freitag, 29. April, 20.15 Uhr