Filmreihe

ARD-Trilogie: Pannen der NSU-Ermittler machen fassungslos

Altes Team: Der Thüringer LKA-Zielfahnder Paul Winter (Florian Lukas, r.) ermittelt seit Jahren mit Walter Ahler (Sylvester Groth, l.) zu den NSU-Morden.

Altes Team: Der Thüringer LKA-Zielfahnder Paul Winter (Florian Lukas, r.) ermittelt seit Jahren mit Walter Ahler (Sylvester Groth, l.) zu den NSU-Morden.

Foto: St. Erhard/Wiedemann & Berg / dpa

Der würdige Abschluss der NSU-Trilogie in der ARD zeigt, wie gezielt Verfassungsschützer die Suche nach dem Mördertrio behindert haben.

Berlin.  Als das Trio 2011 aufflog, hatte es mehr als ein Jahrzehnt seinen rechten Terror verbreitet. Menschen getötet. Blumenhändler, Internetcafébetreiber, Kioskbesitzer. Gemeinsames Merkmal der Opfer: ausländische Wurzeln. Eine deutsche Polizistin erschossen sie ebenfalls. Wie konnten der selbst ernannte „Nationalsozialistische Untergrund“ so lange unentdeckt bleiben? Diese Frage beschäftigt Deutschland seit Jahren – jetzt ist sie Spielfilmthema. Im Finale der ARD-Trilogie „Mitten in Deutschland“ geht es um die Versuche der Ermittler, das Neonazi-Trio zu fangen – und um jede Menge unglaublicher Pannen, die einen Erfolg verhindern.

Am Beginn steht ein rasanter Banküberfall

Erzählt wird aus Sicht des Thüringer LKA-Fahnders Paul Winter (Florian Lukas), der dem NSU-Trio schon seit seinem Verschwinden Ende der 90er-Jahre auf der Spur ist. Geschickt verknüpft das Drehbuch Gegenwart und Vergangenheit. An Winters Seite ermittelt eine junge Kommissarsanwärterin (Liv Lisa Fries), Tochter seines früheren Partners Walter Ahler (Sylvester Groth). Winter erzählt ihr während ihrer gemeinsamen Ermittlungen, wie er und ihr Vater einst bei der Suche nach den untergetauchten Rechtsextremisten systematisch vom Verfassungsschutz ausgebremst worden sind.

Dieser dritte Film der Reihe entspricht als Polit-Thriller am ehesten einem TV-Krimimuster; dazu passend steigt er gleich mit einem rasant geschnittenen Banküberfall ein. Wie das erste Stück über die Täter ist auch das Ermittlerporträt eine Mischung aus Fakten und Fiktion. Mitunter erinnert die Handlung an Hollywoodfilme, in denen skandalöse CIA-Machenschaften angeprangert werden. Die drei Produktionen sind unabhängig voneinander entstanden, aber doch miteinander verknüpft.

Beamte nennen sich „Dienstleister der Demokratie“

Regisseur Florian Cossen verwendet für seine Rückblenden Ausschnitte des ersten Teils „Die Täter“ von Christian Schwochow. Beate Zschäpe (Anna Maria Mühe) bleibt hier aber Nebenfigur. Auch weitere wichtige Rollen sind namhaft besetzt. Ulrich Noethen zum Beispiel hat einige fast skurril anmutende Auftritte als selbstgefälliger Leiter des Thüringer Landesamts für Verfassungsschutz. Angesichts der Eigenmächtigkeiten der Behörde klingt es wie Hohn, wenn er sich als „Dienstleister der Demokratie“ bezeichnet.

Leider kommt die ARD-Trilogie beim Fernsehpublikum nicht wie erhofft an. Den zweiten Teil der Reihe mit dem Titel „Die Opfer“ sahen nur 2,34 Millionen Zuschauer. Schon der erste lag am vergangenen Mittwoch mit 2,89 Millionen Zuschauern deutlich hinter der Konkurrenz. Unabhängig von der Zuschauergunst ist das Finale nun aber nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Stimmung die perfekte Ergänzung. „Die Täter“ schildert, wie sich junge Menschen immer mehr radikalisieren; „Die Opfer“ empörte mit seiner Darstellung von Polizisten, die immer wieder die Falschen verdächtigten. Eine Empörung, die dieser dritte Teil weiter vertieft.

Fazit: „Die Ermittler“ macht den Zuschauer im Grunde vor allem eines: fassungslos.

• Mittwoch, 6. April, 20.15 Uhr, ARD: „Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch“