TV-Empfang

DVB-T2: Beim Antennen-Fernsehen wird nun fast alles anders

Ende Mai 2016 startet das neue Antennenfernsehen DVB-T2 HD in deutschen Ballungsräumen.

Ende Mai 2016 startet das neue Antennenfernsehen DVB-T2 HD in deutschen Ballungsräumen.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Am 31. Mai startet DVB-T2 HD, das neue Antennen-Fernsehen mit HD-Qualität. Wir haben zusammengefasst, was sich für TV-Nutzer ändert.

Essen.  In Millionen Haushalten in Deutschland wird Fernsehen ausschließlich per Antenne empfangen. Doch die bisherige Übertragungstechnik DVB-T steht vor dem Ende. An die Stelle rückt DVB-T 2 HD. Alle, die Fernsehen über Antenne empfangen, werden sich umstellen müssen. Was sich ändert:

Wo und wann wird DVB-T2 HD starten?

Ab 31. Mai 2016 wird DVB-T2 HD in deutschen Ballungsräumen zu empfangen sein. Nahe der Zentren dieser Pilotregionen reicht für den Empfang eine Zimmerantenne, abseits der Ballungsräume lässt sich das neue Angebot, je nach Entfernung zu den Sendern, noch mit Außen- oder Dachantennen nutzen.

Die Pilotregionen sind: Bremen/Unterweser, Hamburg/Lübeck, Kiel, Rostock, Schwerin, Hannover/Braunschweig, Magdeburg, Berlin/Potsdam, Jena, Leipzig/Halle, Düsseldorf/Rhein/Ruhr, Köln/Bonn/Aachen, Rhein/Main, Saarbrücken, Baden-Baden, Stuttgart, Nürnberg und München/Südbayern.

Was bedeutet DVB-T2 HD überhaupt?

Fernsehen wurde jahrzehntelang mit analogen Funk-Signalen gesendet, in den letzten Jahren wurde weitgehend auf digitale Sendetechnik umgestellt. DVB-T2 ist das Kürzel für die zweite Generation der digitalen Videoübertragung von erdgebundenem Antennenfernsehen und steht für „Digital Video Broadcasting – Terrestrial, 2nd generation“. HD bedeutet „High Definition“, übersetzt: Bilder in hoher Auflösung bzw. mit größter Schärfe. Beim DVB-T2 HD werden die Bilder mit 1080 Bildpunkten und mit 50 Vollbildern je Sekunde gesendet. Auf HD-fähigen Fernsehern hat man so superscharfe Aufnahmen. Bewegungen werden fließend und ohne Ruckeln und Unschärfen dargestellt.

Was ist der Unterschied von DVB-T zu DVB-T2 HD?

Das neue System ist ein Evolutionssprung in Sachen Bildqualität. Erstmals werden die Bildsignale dann auch per Antenne in HD-Qualität gesendet, sogar in super scharfem „Full HD“; das bieten selbst Kabel und Sat-TV derzeit nicht.

Wie viele TV-Programme sind beim Start von DVB-T2 HD zu empfangen?

Den Anfang machen ab 31. Mai sechs Programme: ARD (Das Erste), ZDF, RTL, ProSieben, Sat.1 und Vox. Spätestens im März 2017 soll DVB-T 2 HD in den Regelbetrieb gehen. Dann werden insgesamt 40 Programme ausgestrahlt; welche, kann wie beim Kabelfernsehen regional variieren. Über DVB-T sind derzeit je nach Region zwischen 20 und 25 Programme zu empfangen.

Wie lange kann ich noch meinen DVB-T-Empfänger nutzen?

Der Regelbetrieb von DVB-T 2 HD soll im ersten Quartal 2017 starten und soll bis 2019 schrittweise in Deutschland ausgeweitet werden, bis auch ländliche Gebiete abgedeckt sind. Das aber bedeutet: Wo ab 2017 auf DVB-T2 HD umgeschaltet wird, ist Schluss mit dem bisherigen DVB-T. Einen parallelen Betrieb gibt es nur noch in der Zeit bis zum Regelbetrieb. Und für die öffentlich-rechtlichen Programme soll es mit dem Regelbetrieb noch drei Monate Übergangsphase geben.

Braucht man für DVB-T 2 HD neue Empfänger?

Ja. DVB-T 2 HD ist ein komplett neuer Sendestandard. Geeignete Fernseher mit Empfangs-Tuner oder Set-Top-Boxen, die man mit dem Fernseher verbindet, erkennt man an einem grünen Logo mit einem stilisierten Flachbildschirm und einem weißen Punkt über dessen oberer rechten Ecke. Doch Achtung! Empfangsgeräte müssen auch den neuen Komprimierungsstandard „HEVC“ ‘verstehen’. Die Verbraucherzentrale warnt: „Die einfache Bezeichnung „DVB-T2-Tuner integriert“ oder „DVB-T HD“ reicht nicht aus“. Geräte sind bereits im Handel, aber das Angebot an Set-Top-Boxen und Fernsehern mit eingebauten DVB-T2-Tunern wird wohl erst zum Jahresende deutlich wachsen. Die Deutsche TV-Plattform listet im Internet auf, was an Geräten auf dem Markt ist. Die Geräteliste werde laufend aktualisiert, heißt es.

Bleibt Antennen-Fernsehen weiter kostenlos?

Nein. Abgesehen von den Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Programme muss man beim DVB-T-Empfang bis dato nichts extra zahlen. Doch das wird sich ändern: Die großen privaten TV-Sender werden mit DVB-T 2 HD kostenpflichtig. Ihre Sendesignale werden verschlüsselt, das sogar bereits mit dem Start des Pilotbetriebes am 31. Mai. Dann aber vorerst noch kostenfrei.

Wird es bei den Privaten auch unverschlüsselte DVB-T2 HD-Programme geben?

Klare Antwort von RTL: „Nein“. Man gehe davon aus, „dass alle unsere Free-TV-Sender in HD und damit auch verschlüsselt verbreitet werden“, teilt ein Sprecher der RTL Mediengruppe mit. Bei den anderen großen privaten Sendern dürfte es ähnlich laufen.

Wie kann ich verschlüsselte Programme privater TV-Sender empfangen?

Auch hier braucht man ein zusätzliches Gerät: ein „CI+“-Modul. Das sind Plastikkarten, die man in einen dafür vorgesehenen Kartenschacht am Empfangsgerät einschiebt. Bei entsprechender Freischaltung decodiert das Modul die verschlüsselten Sendesignale. Der Plattformbetreiber Media Broadcast meldet, dass dazu inzwischen das Unternehmen Telestar als Vertriebspartner gewonnen wurde. Beim Zentralverband Elektrotechnik (ZVEI) ist zu erfahren: „Module zur Entschlüsselung, wie auch Receiver mit eingebautem Entschlüsselungs- („CA*“) System wird es voraussichtlich ab Mai 2016 im Handel geben.“

Warum soll man für private TV-Programme via Antenne Geld zahlen?

Ein RTL-Sprecher sagt: „Grundsätzlich kann es eine Zukunft für die Terrestrik (also für „erdgebundenes Antennen-TV“; die Red.) für uns nur mit einer ökonomisch tragfähigen Plattform im neuen Standard DVB-T2 geben.“

Ab wann wird Privat-TV kostenpflichtig?

Details werden noch „kommuniziert“, sagt ein Sprecher von Media Broadcast in Köln. Das Unternehmen betreibt als Dienstleister der hiesigen TV-Sender die Sendetechnik für das digitale terrestrische Antennenfernsehen in Deutschland. Mit dem Start der Pilotphase am 31. Mai werden die Programme von RTL, Sat.1 und Co. via DVB-T 2 HD zwar bereits verschlüsselt, aber noch nicht kostenpflichtig.

Wie hoch sind die Gebühren für das Antennen-Fernsehen der privaten Sender?

Das wird erst noch bekannt gegeben, sagt ein Sprecher des Netzanbieters Media Broadcast. Es dürfte wohl auf „einen niedrigen einstelligen Eurobetrag pro Monat“ hinauslaufen. Zum Vergleich: Das „HD plus“-Angebot für Fernsehempfang per Satellit kostet derzeit pro Monat 5 Euro. Der Kabel-TV-Anbieter Unitymedia bietet allen Kabelanschluss-Kunden derzeit vier TV-“Pakete“ an, Kosten reichen pro Monat von 4.99 Euro (“TV Start“) bis 19.99 Euro (“TV Premium“).

Was ist, wenn ich für die privaten Sender nicht bezahle?

Dann wird man auf den Kanälen der privaten TV-Sender bald nur noch Bildrauschen empfangen. Bereits zum Start des Pilotbetriebs am 31. Mai werden die Signale der privaten Sender beim DVB-T2 HD verschlüsselt. Mit dem herkömmlichen DVB-T sind die Sender aber vorläufig noch via Antenne zu empfangen, allerdings nicht in HD-Qualität. Kostenpflichtig werden die Programme erst, wenn DVB-T2 HD in den Regelbetrieb geht und DVB-T abgeschaltet wird. Wer nicht zahlt, kann dann ohne Extra-Kosten nur noch die HD-Programme der öffentlich-rechtlichen Sender über Antenne empfangen.