„Let’s Dance“

Joachim Llambi sieht bei Michael Wendler einen „Totentanz“

Zum neunten Mal lässt RTL die Promis tanzen. Ein vernichtendes Urteil gab’s für Michael Wendler. Doch gehen musste jemand anderes.

Berlin.  Gott sei Dank, der Freitagabend hat wieder einen Sinn! Nach Monaten, in denen wir die Leere zum Start ins Wochenende mit so Absurditäten füllen mussten wie, sagen wir mal, Freunde treffen, können wir uns nun wieder auf wirklich Wichtiges konzentrieren: den Kampf um den Titel „Dancing Star 2016“.

14 Prominente und solche, die es mal werden wollen, schickt RTL in der neunten Ausgabe von „Let’s Dance“ aufs Parkett – wie immer sorgfältig ausgewählt, um das komplette Spektrum von Brechstange bis Könner feilbieten zu können. Tatsächlich bot die erste Show beide Extreme: Bewegungslegastheniker beim Stehtanz ebenso wie herausragende Performances. Ein Kandidat schaffte gar Unfassbares: Juror Joachim Llambi, der Lobhudelei sonst eher unverdächtig, zückte die zehn Punkte.

Die Highlights im Überblick:

Die fragwürdigste Aufmachung: Noch bevor überhaupt losgetanzt wurde, sorgte das Erscheinungsbild von Moderator Daniel Hartwich für Irritationen. Zahlt RTL so schlecht, dass ein Friseurbesuch nicht mehr drin ist oder ist die Austin-Powers-Gedächtnis-Frise etwa Absicht? „Ist es noch eine Frisur oder schon ein Scheitelhaufen?“, fragte sich Hartwich immerhin selbst und erklärte, er habe sich das Haar nur deshalb über die Ohren wachsen lassen, damit er Llambi nicht mehr so gut höre. Und wir fürchteten schon, er züchte eine neue Perücke für Donald Trump.

Die realistischste Selbsteinschätzung I: Nun kommt es mitunter vor, dass bei „Let’s Dance“ Menschen mitmachen, die nicht in erster Linie um ihrer selbst willen bekannt sind. Nur geben das die wenigsten zu. Erfrischend ehrlich war da doch die Antwort von Alessandra Meyer-Wölden auf die Frage, woher man sie kenne: „Hauptsächlich als Ex von Oliver Pocher.“ Und nebensächlich als Ex von Tommy Haas und Boris Becker.

Die realistischste Selbsteinschätzung II: „Mein Ziel ist das Finale!“, sprach der Wendler und schien das tatsächlich ernst zu meinen. Ob dem selbsternannten Erfinder des Popschlagers und – Achtung – Lyriker jemand gesagt hat, dass „Let’s Dance“ nicht aus dreizehn Folgen Discofox besteht? Wieder zurechtgerückt wurde sein Weltbild nach seinem Cha Cha Cha zu Andrea Bergs „Du hast mich 1000 Mal belogen“. „Michael, ich muss dir ganz ehrlich sagen: Du warst 1000 Mal außer Takt“, urteilte Llambi, der damit aber erst warm gelaufen war: „Das ist nichts, gar nichts. Vom Bauchnabel bis zur Leiste ist das Totentanz.“

Die Männer-Freundschaft des Abends: Ähnlich nette Worte hatte der Juror für Moderator Niels Ruf übrig, der einst mit einer Comedy-Show beim Musiksender Viva bekannt geworden war. Ihm missfiel offenbar, dass Ruf den nötigen Ernst vor der Sache vermissen ließ. Erst schenkte Ruf Llambi einen selbst getöpferten Nachttopf, dann widmete er seinen Wiener Walzer Atze Schröder und unterbrach Llambis Urteil für einen weiteren Scherz. „Du hast keinen Respekt“, giftete der Juror, „du hörst nicht zu, hältst hier Volksreden, bist aber beim Tanzen total überfordert.“ Wenn das nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist.

Die Verwechslung des Abends: Wie jetzt? Der Bachelor macht schon wieder bei „Let’s Dance“ mit? Ach nee, ist ja gar nicht Paul Janke, sondern Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink. Er habe „eine gute deutsche Betonhüfte“, sagte er selbst von sich, zeigte beim Quickstepp dann aber, dass er vielleicht wie der Ex-Bachelor aussieht, aber weitaus besser tanzt. „Du bist gefährlich. Da wird noch etwas kommen“, war sich Jurorin Motsi Mabuse denn auch sicher.

Die besten Tänzerinnen: Überraschend gut schlug sich die 22-jährige Victoria Swarovski. Ja, die Swarovski. Also die Tochter. Ihr Cha Cha Cha zu „I don’t like it, I love it“ nötigte Llambi gar das Wort „Respekt“ ab. Noch mehr Nettigkeiten verteilte er allerdings an Schauspielerin Jana Pallaske (“Fack ju Göhte“, „Inglorious Basterds“). Zumindest klang der Anfang so: „Jana, das war sehr geil.“ Und weiter: „Du hast es geschafft, die Akzentuierung in eine Selbstverständlichkeit zu bringen.“ Äh, ja.

Die Bestleistung des Abends: Doch all das war nichts im Vergleich zum Cha Cha Cha, den GZSZ-Schauspieler Eric Stehfest zusammen mit Profitänzerin Oana Nechiti hinlegte. Vom Publikum gab’s stehenden Applaus, von der Jury nichts als Lob. „Diese Stimmung zwischen euch, diese Kraft! Hier sieht man, was Spannung ist!“, war Mabuse begeistert. Und selbst Llambi hatte nichts auszusetzen: „Die Pallaske hat die Latte da oben hingehangen, die hat er ohne Anlauf überquert.“ Folgerichtig gab’s herausragende 29 Punkte, darunter volle zehn vom sonst eher knauserigen Llambi.

Der Verlierer des Abends: Einen trifft es in jeder Show. Zum Leidwesen von Joachim Llambi allerdings nicht Niels Ruf, sondern Sport-Moderator Ulli Potofski. Der hatte zwar Titelverteidigerin Kathrin Menzinger an seiner Seite, doch die hatte ihm während der Proben nicht umsonst die Grazie eines Traktors bescheinigt. Nur fünf Punkte für seinen hüftsteifen Cha Cha Cha zu „Daddy Cool“ – da konnten ihn auch die Zuschaueranrufe nicht mehr retten.