ZDF-Serie

„Kommissarin Lucas“: Ein Verbrechen hinter heiligen Mauern

Das Ermittler-Trio in „Kommissarin Lucas – Kreuzweg“: Ellen Lucas (Ulrike Kriener), Boris Noethen (Michael Roll, M.) und Tom Brauer (Lasse Myhr).

Das Ermittler-Trio in „Kommissarin Lucas – Kreuzweg“: Ellen Lucas (Ulrike Kriener), Boris Noethen (Michael Roll, M.) und Tom Brauer (Lasse Myhr).

Foto: Bernd Schuller / dpa

Wer, bitte, bringt denn einen Mönch um? „Kommissarin Lucas“ ermittelt im ZDF in ihrer gewohnt nüchternen Art rund um den Katholikentag.

Hamburg.  Kommissarin Lucas und die Bibel? Zwei Welten! Trotzdem muss sich die energische Ermittlerin der ZDF-Krimireihe aus rein beruflichen Gründen mit dem Thema Kirche und Kloster befassen. Mitten in Regensburg ist kurz vor Beginn des Deutschen Katholikentages ein Mönch ermordet worden. Doch welch infamer Zeitgenosse trachtet nach dem Leben eines Bruders vom Exercitus-Sanctus-Jesu-Orden, der doch nur das Gute im Sinn hat? Das aufzuklären, ist Ziel der Kommissarin Ellen Lucas (Ulrike Kriener), die nur an Fakten glaubt. Unterstützt wird sie in ihrem 23. Fall „Kreuzweg“ von ihren Kollegen Boris Noethen (Michael Roll) sowie Tom Brauer (Lasse Myhr).

Wer plant einen Anschlag auf den Katholikentag?

Natürlich treibt Autor Peter Probst die Zustände hinter den Klostermauern auf die Spitze, um den Kontrast zu verstärken: Die Mönche wirken teilweise mindestens wunderlich; einige sind überhaupt nicht mehr von dieser Welt. Auch die Atmosphäre ist übertrieben feindselig.

Andererseits liegt in der Konfrontation zwischen den Kriminalisten und den Klosterbrüdern der Reiz des Films, zumal Probst und Regisseur Ralf Huettner noch interessante Nebenschauplätze einfließen lassen: Der Orden betreibt eine eigene Bank und ist damit in die Schlagzeilen geraten, weil eine Geldanlage ethisch zumindest fragwürdig ist. Und dann kommt auch noch der Verdacht auf, dass ein Attentat auf den Kirchentag geplant ­ist...

Fast zwangsläufig ist der Krimi mit dem programmatischen Titel „Kreuzweg“ auch ein Film über Religion und Katholizismus. Abschreckendes Beispiel für die Abgründe, in die ein krankhafter Glaube führen kann, ist ein Ordensbruder, der derart inbrünstig um Zwiesprache mit seinem Gott fleht, dass seine Knie bereits blutig sind; aber Gott antwortet nicht. Gegenentwurf ist die sachlich kühle Kommissarin, in deren Leben Religion keine Rolle spielt.

Anke Engelke als sympathischer Gegenpart

„Kommissarin Lucas“ gehört mittlerweile seit 2003 zum festen Inventar der Samstagkrimis im ZDF. 23 Mal waren sie bereits zu sehen. Im vergangenen Jahr wurde mit dem Fall „Der Wald“, den rund 6,3 Millionen Zuschauer sahen, lediglich ein Film ausgestrahlt. Krieners Art, ihren Typus Ermittlerin mit voller Härte, Ecken und Kanten und erst auf dem zweiten Blick mit etwas Humor zu spielen, ist stilprägend.

Ein sympathischer Gegenpart ist dabei Alleskönnerin Anke Engelke als Rike Lucas, Schwester der Kommissarin. Die ist flippig und menschenfreundlich, macht ihr Heim spontan zur Herberge für Katholikentagsgäste.

Fazit: Ein ungewöhnlicher und aufwendiger Krimi, mit Aufnahmen vom tatsächlichen Katholikentag von 2014. Richtig spannend wird es allerdings erst zum ausführlichen Finale, als der junge Kollege der Kommissarin entführt wird und den Attentäter samt seiner Bombe zum Veranstaltungsort bringen soll.

• ZDF, Samstag, 20. Februar, um 20.15 Uhr.