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„Deutschland 83“: Warum Jonas Nay kein Star sein will

Jonas Nay, Hauptdarsteller der neuen achtteiligen Spionage-Serie "Deutschland 83".

Foto: Georg Wendt / dpa

Jonas Nay, Hauptdarsteller der neuen achtteiligen Spionage-Serie "Deutschland 83". Foto: Georg Wendt / dpa

Jonas Nay ist ein gefeierter TV-Darsteller und das Gesicht der RTL-Serie „Deutschland 83“. Starkult ist dem Schauspieler völlig fremd.

Berlin..  Im Fernsehen blitzt sein Gesicht jetzt ständig auf. Der brave Junge aus dem Osten, der plötzlich zum Spion wird – Jonas Nay ist in den Werbetrailern das Gesicht zur Serie „Deutschland 83“. Von fast jeder Litfaßsäule zwischen Hamburg und Berlin schaut er auf die potenziellen Zuschauer herab. Es ist sein Blick, der so warm wie eiskalt sein kann, der schon bei den Kritikern bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Jonas Nay ist ein Star, längst nicht nur ein Nachwuchsstar. Preisgekrönt und als Hoffnungsträger der neuen deutschen TV-Serie gefeiert. Das Faszinierende: Bei allem ist Jonas Nay ein Unbekannter.

Starker Auftritt in „Homevideo“

Auf der Fernsehfilmpremiere zu „Deutschland 83“, der ab Donnerstag auf RTL zu sehen sein wird, gingen nicht nur viele Zuschauer, sondern auch die Kameras über ihn hinweg. Nay macht das nichts. Er sucht ja auch nicht das Scheinwerferlicht. Er benimmt sich nicht wie einer, von dem etwas abhängt. Dabei ist es genau so: Dieser Mehrteiler ist sein Baby. Auch wenn er das weglächeln will und das „tolle Team“ lobt, wenn er sich bei Fragen, die auf seine starke darstellerische Präsenz anspielen, wegducken will. Ganz untypisch für einen Star, dieser Drang, bloß nicht aufzufallen. Ob er auf der Straße erkannt wird? „Nein, ich glaube nicht“, sagt er. Und wie er das sagt, klingt es fast euphorisch.

Jonas Nay (25) hat bereits starke Auftritte hinter sich. Zum Bespiel im Cyber-Mobbing-Drama „Homevideo“, ein Film, der den Deutschen Fernsehpreis und den Grimmepreis erhielt. „Bemerkenswert“, „realitätsnah“, „intensiv“, das waren die Attribute, mit denen man den jungen Darsteller lobte.

Nay studiert Klavier und schreibt die Songs

Mit „Tannbach“ ging es für Nay auf Zeitreise in die deutsche Nachkriegsgeschichte. Gerade drehte er die Siegfried-Lenz-Verfilmung „Schweigeminute“. Vor allem ist Nay mit „Deutschland 83“ der Hoffnungsträger für die Serie, die bei der USA-Vorstellung in einem Atemzug mit „Homeland“ genannt wurde.

Nay ist ein Perfektionist. Das sagt er natürlich nicht selbst von sich. Aber sein Schauspielerkollege Tobias Moretti sagt es. „Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht“, lobt ihn Moretti und spielt auch auf die kleine Narbe an der Stirn an. Ein Markenzeichen jetzt, dieses Zeichen der Verletzbarkeit, das ihm bei einem Autounfall zugefügt wurde, als er noch ein kleiner Junge war.

Aus dieser Zeit plaudert Nay am liebsten. Wie er schon damals Musik gemacht hat. In die Schauspielerei sei er „reingeschlittert“, aber in die Musik sei er hineingewachsen. „Wenn mich einer fragt, was ich gelernt habe, würde ich sagen: Setzt mich ans Klavier, das kann ich!“ Nay studiert an der Musikhochschule Klavier, er spielt Gitarre, Schlagzeug und zieht mit seiner Band Northern Lights herum, für die er auch die Songs schreibt.

Der Perfektionist im Schauspieler zeigt sich auch darin, dass Nay, der Zivildienstleistender in einem Behindertenheim war, lernen wollte, wie man mit dem Gewehr umgeht. Schieß- und Militärtraining gehörten zur Rollenvorbereitung. Zudem ließ er sich von einem Berater aus Nato-Kreisen zeigen, wie ein Soldat tickt. „Deutschland 83“ hat auch auf sein reales Leben Auswirkung gehabt: „Untypischerweise bin ich mit der Musik der 80er-Jahre aufgewachsen. Das war die Musik meines Vaters. Billy Joel, Elton John, Police oder Genesis. Das habe ich als 12 oder 13 Jahre alter Stöpsel gehört und selber gesungen.“ Die Vorstellung, dass Deutschland mal geteilt war? Für ihn „total absurd“.

Sein Herz schlägt für das Leben an der Küste

Wenn er über seine Heimat in Schleswig-Holstein spricht, klingt das wie ein Werbespot für das Leben an der Küste. Berlin, das ist für ihn Job. Ein halbes Jahr hat er dort während der Dreharbeiten für „Deutschland 83“ gewohnt. Lübeck ist für Nay eine Oase der Ruhe. „Ich bin ein sehr ruhebedürftiger Mensch, bei dem Hickhack, den das Business mit sich bringt. Das Meer! Das beruhigt und erdet unheimlich. Mir tut das einfach extrem gut. Ich werde richtig hibbelig, wenn ich das Wasser nicht um mich herum habe.“

Es überrascht, dass Nay, der für die tiefen, ernsten Rollen gebucht wird, über ein komödiantisches Talent verfügt, wie in vielen Szenen von „Deutschland 83“ zu sehen ist. Humor sei ihm wichtig, sagt er. „Ich war ja in New York und hab da Premiere gefeiert, und da haben selbst die Amerikaner über diesen Zwinkerhumor Ost-West innerhalb von Deutschland echt herzlich gelacht.“

Die Serie „Deutschland 83“ läuft ab dem 26. November um 20.15 Uhr auf RTL.

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