ARD-Komödie

"Blütenträume": Sieben Singles prallen aufeinander

Julia (Nadeshda Brennicke), das „Küken“ des Flirtkurses „50+“, wird zum wiederholten Mal von ihren Emotionen übermannt

Foto: SWR/Bettina Müller

Julia (Nadeshda Brennicke), das „Küken“ des Flirtkurses „50+“, wird zum wiederholten Mal von ihren Emotionen übermannt

Lebensentwürfe, Freundschaften, Liebe: Die ARD-Komödie "Blütenträume"erzählt am heutigen Mittwoch von der Generation "50+".

Die eine trifft immer nur die falschen Männer, der andere keine Frauen, die er nicht bezahlen muss. Eine hegt grundsätzliches Misstrauen, ein anderer hält sich für Gottes Geschenk an die Weiblichkeit. Diese vier und die anderen Teilnehmer des Volkshochschul-Flirtkurses "50+" haben samt und sonders ziemliche Beziehungsmacken. Seien sie nun geschieden, verwitwet oder sonst etwas. Eines aber sind sie garantiert nicht, das stellt Friedrich (Falk Rockstroh) so wortreich wie unmissverständlich klar: Senioren. "Diese Bezeichnung möchte ich entschieden infrage stellen. Hier befinden sich hauptsächlich Menschen in der spätberuflichen Phase", deklamiert er und scheint höchst zufrieden mit sich zu sein ob dieser Feststellung.

Wer mit dem Gefühl der Fremdscham nur schwer umgehen kann, dem sei an dieser Stelle von "Blütenträume" ein Stück weit abgeraten. Zumindest aber sollte er in diesem Fall etwas Geduld für die "Blütenträume" aufbringen. Denn die völlig unterschiedlichen Vorstellungen von Leben, Liebe und dem Umgang miteinander, die die sieben Charaktere haben, prallen von Anfang an mit Wucht aufeinander: Der selbst ernannte Lebemann Friedrich, die Intellektuelle Britta (Proschat Madani), die trauernde Frieda (Corinna Kirchhoff) und das "Küken" Julia (Nadeshda Brennicke), das hofft, von der Lebenserfahrung der Älteren zu profitieren; der hippieeske Ulf (Rufus Beck), die betont lebenslustige Gila (Teresa Harder) und der verunsicherte Automechaniker Heinz (Max Herbrechter), sie kriegen sich mit schöner Regelmäßigkeit in die Haare.

Die sieben Singles kommunizieren offensiv, jeder aus seiner Situation heraus und zunächst in nahezu vollständiger Ignoranz für die Diskrepanzen zwischen sich und den anderen. Kursleiter Jan (Alexander Khuon) schließlich kippt durch seine Versuche, alles ganz und gar unter das Zeichen der erfolgreichen Selbstvermarktung zu stellen, eher noch Öl ins Feuer. Schnell verzweifelt er an den Kursteilnehmern, die nichts von seinen "Verkaufstechniken" halten. Von Sitzung zu Sitzung wird die Stimmung nicht besser, sondern gereizter. Tanzübungen und Speeddating-Rollenspiele sind die probaten Mittel zum Erreichen des Ziels, einen Partner fürs Leben oder zumindest für die nächste Nacht zu finden, findet Jan – der im Übrigen weniger erfolgreich in Liebesdingen ist, als man das möglicherweise von jemandem erwarten würde, der anderen die hohe Kunst des Flirtens beibringen möchte. Die Kursteilnehmer wiederum fühlen sich vom "Grünschnabel" und seinen Methoden nicht nur bevormundet, sondern ganz und gar nicht ernst genommen.

Das Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit – einmal abgesehen von Julia. Jedenfalls kommt es schließlich zum großen Krach, das Rudel Beziehungsgestörter rebelliert und beschließt, erst einmal gemeinsam zu feiern. Mit zunehmendem Alkoholkonsum steigt allerdings nicht nur die Freude über das erfolgreiche Abservieren des ungeliebten Kursleiters. Im Wein liegt nun einmal Wahrheit, und bis dato sorgsam gehütete Geheimnisse kommen ans Licht. Man streitet, versöhnt sich und schmiedet schließlich weit reichende Pläne.

Die Schauspieler haben sichtlich Spaß daran, im Ensemble und den Zwischenszenen, die etwas mehr Licht auf die Hintergründe werfen, Gas zu geben, ihre zugespitzten Charaktere auszuspielen. Zumal diese, je länger der Film dauert, umso menschlicher, umso weniger karikiert erscheinen. "Blütenträume" beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Regisseur Paul Harather, der auch für die Umsetzung des Stücks in ein Drehbuch verantwortlich ist, lässt Brennicke, Khuon, Beck und den anderen den nötigen Raum zum Agieren. Und auch, wenn "Blütenträume" speziell in der ersten Hälfte oft klamaukig ist, wird man von dieser zum Ende hin bittersüßen Komödie gut unterhalten – und mehr.

Bloß in die Themenwoche Heimat der ARD, zu der "Blütenträume" gehört, will die reichlich verzwickte Beziehungskiste nicht so recht hineinpassen. Der Film diskutiert Lebensentwürfe, Freundschaften, Liebe, Leidenschaft, das Älterwerden und den Umgang damit. Mit einem wie auch immer gearteten Konzept von Heimat hat das wenig zu tun.

"Blütenträume", Mi, 20.15 Uhr, ARD

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