ARD

Spielfilm über skrupellosen deutschen Waffenhändler

Peter Zierler (Hanno Koffler) demonstriert mexikanischen Militärs das deutsche Sturmgewehr im Auftrag der fiktiven Firma HSW

Foto: SWR/Diwa Film

Peter Zierler (Hanno Koffler) demonstriert mexikanischen Militärs das deutsche Sturmgewehr im Auftrag der fiktiven Firma HSW

"Meister des Todes" ist ein eminent politischer Spielfilm. Der ganze Film entstand unter dem Siegel der Verschwiegenheit.

Schon einmal hat Regisseur Daniel Harrich es geschafft, mit einem Filmprojekt deutlich mehr zu erreichen als nur wohlmeinende Kritiken und gute Zuschauerzahlen. Nachdem vor zwei Jahren "Der blinde Fleck", Harrichs Film über das Oktoberfestattentat samt einer begleitenden Dokumentation, anlief, wurden die Ermittlungen über den Tathergang wieder aufgenommen.

Auch das neue Projekt des 32-Jährigen hat das Potenzial zum Politikum: "Meister des Todes" ist ein Spielfilm über einen deutschen Waffenhersteller, der als skrupelloser, korrupter indus­trieller Söldner auftritt, der seine "Geräte" überall hin verkauft, so lange der Preis stimmt: Auch in Gegenden, in die nach geltendem deutschem Recht keine Waffen geliefert werden dürfen. Im Film heißt er HSW, sein Sturmgewehr heißt SG 38. Die Parallelen zu Heckler & Koch und dem Sturmgewehr G 36 sind keineswegs zufällig und mehr als bloße Spekulation von Seiten des Filmemachers: Sie basieren auf ausführlicher Recherche, die, so Harrich im begleitenden Interview mit dem Ersten, teilweise "wie in einem klassischen Agententhriller" ablief: "Geheime Treffen an Flughäfen und in Hotelhinterzimmern, Aktenübergaben und verdeckte Aussagen."

Der ganze Film entstand unter dem Siegel der Verschwiegenheit; bis zur offiziellen Ankündigung wussten nur die unmittelbar Beteiligten von dem Projekt, an dem neben Harrich auch Gert Heidenreich als Co-Autor des Drehbuchs mitwirkte. Die "FAZ" berichtete, dass das Projekt unter dem Namen "MdT – romantische Komödie aus dem Schwarzwald" geführt wurde und dass man keine Filmförderung beantragte, um nichts nach außen dringen zu lassen. Nicht nur die TV-Konkurrenz, auch die Waffenlobby sollte das brisante Material nicht vorher zu Gesicht bekommen.

Produziert wurden Film und Doku von der Firma diwafilm. Die wurde 1983 von Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich gegründet, zwei investigativen Journalisten, die für ihre Dokumentation "Der Contergan-Skandal" mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurden. Und die ihr Talent für unbequeme Recherchen ganz augenscheinlich an ihren Sohn weitergegeben haben.

Harrich ist ein sehenswerter, ein hoch spannender und gut besetzter Film gelungen, in dem Veronica Ferres als zynische Gattin des HSW-Vertriebschefs Alexander Stengele (Heiner Lauterbach) einmal nicht ihre übliche Rolle der strahlenden deutschen Haus- und Karrierefrau übernimmt, die sich gegen sämtliche Widerstände durchsetzt. Udo Wachtveitl, Axel Milberg, Herbert Knaup und allen voran Hanno Koffler vervollständigen das Ensemble.

Koffler spielt den jungen Präzisionsschützen Peter Zierler, der für HSW nach Mexiko reist, um dort die Qualitäten des firmeneigenen Sturmgewehrs möglichen Käufern vorzuführen. Er liebt seinen Job, sieht seine Firma als Zweitfamilie und benimmt sich ganz allgemein wie ein großer Junge, der mit einer Zwille auf Milchflaschen schießt und sich diebisch über das Klirren freut.

Bis er auf drastische Weise daran erinnert wird, dass Sturmgewehre nur einen einzigen Zweck haben: das Töten von Menschen. Am Rand einer Demonstration von oppositionellen mexikanischen Studenten wird eine junge Frau von einem Polizisten erschossen – mit dem Sturmgewehr SG 38. Während Zierler ob des Einbruchs der blutigen Realität in die schöne Fantasiewelt des Geschäfts zutiefst erschüttert ist, zeigen sich Stengele und der örtliche HSW-Vertreter Lechner (Wachtveitl) wenig beeindruckt. Zierler beginnt, sich trotz aller Bemühungen der HSW-Entscheider um Geschäftsführer Zöblin (Milberg) von dem Unternehmen abzuwenden, mit für ihn unabsehbaren Folgen.

Welche realen Folgen "Meister des Todes", die dazugehörige Dokumentation und das flankierende Webspecial haben werden, ist ebenfalls noch nicht absehbar. Dass sie gänzlich ohne Nachhall bleiben werden, das erscheint allerdings unwahrscheinlich.

"Meister des Todes", Mi, 20.15 Uhr, ARD;
im Anschluss die Dokumentation: "Tödliche Exporte – wie das G36 nach Mexiko kam"; Webspecial unter: daserste.de/meisterdestodes

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.