Aktenzeichen-Sendung

Mordversuch an Offenbacher schockiert „XY“-Zuschauer

ZDF-Moderator Rudi Cerne führte am Mittwochabend durch  „Aktenzeichen XY...ungelöst“. Die Sendung überstrahlte die TV-Konkurrenz

ZDF-Moderator Rudi Cerne führte am Mittwochabend durch „Aktenzeichen XY...ungelöst“. Die Sendung überstrahlte die TV-Konkurrenz

Foto: Andreas Gebert / dpa

Schicksal eines Querschnittsgelähmten bei „Aktenzeichen XY“ löst Welle der Solidarität im Netz aus. Zeuge in Hamburger Fall gefunden?

Hamburg/Offenbach.  Nach Ausstrahlung der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ am Mittwochabend hat vor allem das Schicksal des Hessen Mark Herbert eine Welle der Solidarität im Netz ausgelöst. Der Fall des heute 23-jährigen Fußballfans aus Offenbach, der vor drei Jahren Opfer eines hinterhältigen Angriffs wurde und seitdem vom Hals abwärts gelähmt ist, bewegte viele Zuschauer. Denn das Brisante an dem Fall: der mutmaßliche Täter ist der Polizei durch übereinstimmende Zeugenaussagen bekannt. Doch die Hinweisgeber wollen anonym bleiben.

„Der Fall mit dem jungen Mann hat mich sehr berührt“, schreibt eine Facebook-Nutzerin auf der „XY“-Seite. Ein anderer meint: „Unbegreiflich, was für Aggressionen und was für eine Brutalität Menschen gegenüber anderen aufbringen können. Der Fall mit dem jungen Offenbacher war sehr emotional.“ Und ein weiterer fragt: „Wo leben wir denn, dass man den Täter kennt und man ihn nicht dafür belangen kann?“

Kripo Offenbach steckt in einem Dilemma

Die Kripo Offenbach steckt nach eigenen Angaben in einem Dilemma. Der Polizei fehlen objektive Beweismittel, ohne die der Tatverdächtige dem Mordversuch nicht überführt werden kann. „Wir glauben den Täter zu kennen und haben mehrere anonyme Hinweise erhalten. Doch wir brauchen auch gerichtsverwertbare Zeugenaussagen“, sagte der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Stefan Racic in der Sendung. Seine Hoffung sei, dass eine möglichst hohe Belohnung die Zeugen zum Umdenken bewege und das Schweigen weiterer Zeugen breche. Bereits vor der Sendung war eine Belohnung in Höhe von 13.000 Euro ausgesetzt worden - eine schon recht stattliche Summe.

Nach Ausstrahlung des Falls meldeten sich spontan weitere Zuschauer, die die Belohnung um noch mehrere tausend Euro erhöhen zu wollen, wie das ZDF mitteilte. Auch bei Facebook schreibt ein Nutzer: „Ich würde es begrüßen, wenn die Familie (oder die Polizei) ein Spendenkonto einrichtet/veröffentlicht. Ich wäre der Erste, der zur Erhöhung der Belohnung einzahlen würde.“

Zeuge im Hamburger Fall gefunden?

Zutiefst berührt zeigten sich die Zuschauer dem ZDF zufolge auch von dem Fall einer chinesischen Touristin, die Ende 2013 unweit des Hamburger Hauptbahnhofs hinterrücks angegriffen und mit Tritten und Schlägen ins Gesicht schwerst verletzt worden war. Durch den TV-Aufruf meldete sich möglicherweise ein Zeuge des Angriffs.

Ein 16-Jähriger habe nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags am Mittwochabend angerufen und erklärt, er habe das Verbrechen im November 2013 beobachtet, teilte die Redaktion auf ihrer Internetseite mit. Von der Befragung des jungen Mannes erhoffe sich die Kripo nun wichtige Hinweise auf den Täter.

Auch im Fall der verschwundenen Mutter und Tochter aus Drage in Niedersachsen haben die Ermittler zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Rund 20 neuen Spuren könnten die Ermittler nun nachgehen, teilte Polizeisprecher Detlev Kaldinski am Donnerstag mit. „Es sind einige interessante Spuren dabei, wir gehen allen Hinweisen auf den Grund“, sagte Kaldinski in Buchholz. Eine „heiße Spur“ habe die Sonderkommission aber weiterhin nicht. Bislang seien noch keine konkreten Hinweise eingegangen, die neue Suchaktionen zur Folge haben könnten. Schon während der Sendung hatten Zuschauer bei der zuständigen Polizeiinspektion des Landkreises Harburg angerufen

„Aktenzeichen XY... ungelöst“ war am Mittwochabend übrigens eindeutig der Quotensieger im TV. 4,93 Millionen Zuschauer entschieden sich ab 20.15 Uhr für das Kriminalmagazin im ZDF. Der Marktanteil betrug 19,6 Prozent.