Steve Coogan

Star-Schauspieler rechnet mit britischen Medien ab

Die "News of the World" ließ Hacker sein Handy manipulieren. Schauspieler Steve Coogan plädierte beim Kongress der Medien-Ombudsleute in Hamburg für mehr Fairness.

Hamburg. In Deutschland haben sich Prominente angewöhnt, ihre Anwälte mit allen juristischen Waffen aufzubieten, sollte nur eine kleine negative Meldung in Print, Funk oder Fernsehen über sie erscheinen. Über solche Befindlichkeiten kann der überaus prominente britische Schauspieler, Drehbuchautor und Comedian Steve Coogan nur lachen. Um an private Informationen über ihn zu gelangen, wurde sein Handy gehackt.

Besonders viel gab es eigentlich nicht zu berichten: eine Scheidung, ein kurzer Aufenthalt in einer Reha-Einrichtung, seine Vorliebe für Ferraris – Schauspielerleben halt. Die Boulevardzeitung "News of the World" aber hatte sogar das Handy eines Mordopfers gehackt, um an Informationen zu gelangen: Milly Dowler.

Und da sah Coogan auch seine Chance, sich effektiv gegen diese Methoden der Recherche zu wehren. "Da stand ich in der öffentlichen Meinung plötzlich auf der richtigen Seite", sagte Coogan beim Kongress der Medien-Ombudsleute in Hamburg (ONO).

Als Promi-Opfer der britischen Presse habe er sich kaum wehren können. Sogar seine PR-Berater riet ihm ab, gegen die "News of the World" vorzugehen, die dem Medienmogul Rupert Murdoch gehörte. Erst als das Handy des toten Mädchens manipuliert wurde, entstand der Medienskandal, der schließlich dazu führte, dass die Zeitung geschlossen wurde.

"Erst dachte man, na ja, da ist ein Schuft, ein Journalist, der sich falsch verhalten hat", so Coogan vor rund 40 internationalen Reportern und Experten in Hamburg. "Aber das hatte System. Die Polizei und die Boulevardpresse und die regierenden Politiker und die Presse hatten es sich in ihrer Beziehung behaglich eingerichtet."

Coogan lobte ausdrücklich den "Guardian", den "Independent" und die "Financial Times", die "Daily Mail" beispielsweise verdammte er. Der Name des Boulevardblattes "Sun" kam nicht mal über seine Lippen.

In Großbritannien, so Coogan, habe sich die Einstellung gegenüber möglicher Falschberichterstattung geändert. Er kämpft dafür, dass Korrekturen an selber Stelle und in selber Größe in den Zeitungen veröffentlicht werden müssen. "Früher sagte man: So ist das nun mal mit den Medien. Warum kaufen die Leute die Zeitungen? Es liegt am Wetter."

Dabei sagt er offen: "Ein Telefon zu hacken – das kann für Journalisten auch legitim sein, wenn man Dinge von großem öffentlichen Interesse berichten will." Trotz der Erfolge im Kampf gegen rücksichtslose Boulevardberichterstattung hat Coogan seinen Frieden mit den Medien noch nicht gemacht.

Nach dem gigantischen Erfolg seines Films "Philomena" (als Schauspieler und Drehbuchschreiber) war er bei einer Audienz im Vatikan bei Papst Franziskus. In Großbritannien ignorierten die Boulevardzeitungen den Termin weitgehend. Nur die "Daily Mail" rief immerhin an: "Sie fragten, ob ich beim Papst alle meine Sünden gebeichtet hätte. Ich sagte, so viel Zeit war nicht."

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