Konzertkritik

Elbphilharmonie: „Knust Acoustics“ verschafft Gänsehaut

Siebeth Darm organisiert die „Acoustics“-Reihe vor dem Knust, das zehntes Jubiläum in der Elbphilharmonie feierte.

Siebeth Darm organisiert die „Acoustics“-Reihe vor dem Knust, das zehntes Jubiläum in der Elbphilharmonie feierte.

Foto: Marco J. Drews

Spektakuläres Jubiläum der Konzertreihe. Statt auf dem Lattenplatz auf St. Pauli wurde im Hamburger Wahrzeichen gefeiert.

Hamburg. Heller Parkettboden statt abgerockter Holzbohlen. Theaterbrezel statt Frischluftbratwurst. Die Konzertreihe „Acoustics“ steigt eigentlich auf dem Lattenplatz vor dem Musikclub Knust auf St. Pauli. Immer mittwochs präsentieren drei Bands von Juni bis August jeweils ab 18 Uhr sachte arrangierte Varianten ihrer Songs.

Doch zum zehnten Jubiläum der Feierabendsause wollte es „Acoustics“-Initiator Siebeth Darm einmal richtig krachen lassen und ging das Wagnis ein, den Kleinen Saal der Elbphilharmonie zu buchen. Sein veranstalterischer Mut wurde belohnt: mit vollem Haus, mit aufmerksamem Publikum und mit vier tollen Auftritten. Denn ob Konzertsaal oder Club, das „Acoustics“-Prinzip bleibt dasselbe: Es geht darum, zuzuhören und neue Bands zu entdecken.

Spektakuläres, zehntes Jubiläum der Reihe „Knust Acoustics“

Im besten Sinne hemdsärmelig, als stünde er bereits draußen im Hamburger Sommer, führte Siebeth Darm durch den Abend. Mit seinem obligatorischen „Macht mal Lärm!“ bat er den ersten Künstler auf die Bühne. Der Hamburger Singersongwriter David Ost ließ zu Beginn nur seine variantenreiche Stimme erklingen, bevor sein feines Spiel auf der Akustikgitarre einsetzte.

So eine Elbphilharmonie hat durchaus Vorteile: Kein Straßenlärm, kein Gespräche im Publikum, kein Wind, der den fragilen Sound fortweht. Und als Musiker Tom Klose für ein Duett dazukam, zeigte sich die ganze Faszination des „Acoustics“-Konzepts: Eine beglückende Transparenz, die die Zwischentöne dieser Welt feiert.

Wissenswertes zur Elbphilharmonie:

  • Die Elbphilharmonie ist ein Konzerthaus, das als neues Wahrzeichen von Hamburg gilt
  • Sie wurde im Januar 2017 offiziell eröffnet
  • Das 110 Meter hohe Gebäude liegt in der HafenCity in Hamburg und soll mit seiner Form an Wellen, Segel und Eisberge erinnern
  • Wo heute die Elbphilharmonie steht, befand sich früher der Kaiserspeicher A
  • Das Konzept der Elbphilharmonie stammt von Projektentwickler Alexander Gérard und wurde bereits 2001 vorgestellt. Der Bau dauerte von 2007 bis Ende 2016
  • Die Baukosten betrugen 866 Millionen Euro

Elbphilharmonie: Gänsehaut zum großen Finale

„Ich habe schon Bands vom Glamrock bis zum Fusionjazz in meiner Reihe gehabt“, erläuterte Siebeth Darm bei der nächsten Ansage. „Aber diese Gruppe hat mich doch überrascht.“ Mit Dino Paris & der Chor der Finsternis trat eine Combo auf, die mit ihren schwarz-weiß geschminkten Gesichtern irgendwo zwischen der Band Kiss und einer Berliner Version der Addams Family lag.

Das Septett intonierte fröhliche bis bitterböse Folkrock-Oden über das Sterben, über Softeis und SUVs. Ihr Credo: „Alles ist irgendwie dialektisch.“ Stimmt. Denn die folgende Band um Andi Fins und Larissa Pesch spielte, wie um einen Antipunkt zu setzen, ultra-entspannte und hochgradig beseelende Songs zwischen Soul, Funk, Jazz und 70er-Jahre-Pop-Harmonien.

Zum Finale wiederum lauschten die gut 500 Gäste der Multibegabung Catt. An Gesang, Piano, Trompete und Posaune, zudem unterstützt von einer tollen Band, erschuf sie irisierende Popchansons – mal impulsiv improvisierend, mal zart hochfliegend. Staunen. Gänsehaut. Viel Applaus.