Buchkritik

„Killer’s Choice“ – Louis Begleys nächster Kriminalroman

Der US-amerikanische Autor Louis Begley (Archivfoto).

Der US-amerikanische Autor Louis Begley (Archivfoto).

Foto: dpa

Der amerikanische Erfolgsautor legt sein drittes Buch über den Ex-Marine Jack Dana vor.„Killer’s Choice“ heißt das neue Werk.

Hamburg.  Jack Dana ist ein ehemaliger Marine-Infanterist, ein Mann, der es gewohnt war, über Leichen zu gehen, Tote pflasterten seinen Weg bei Einsätzen in Afghanistan. Lange Jahre ist das her. Jetzt ist Jack Dana ein wohlanständiger Bürger, der im New Yorker Central Park die Notdurft seines Hundes politisch korrekt in einem Gassi-Beutel verstaut und vorschriftsmäßig entsorgt. Und er schreibt höchst erfolgreich Romane, die ihn zu einem reichen Mann haben werden lassen.

Held vor schwieriger Wahl

Doch Jack Dana hat ein nicht unbeträchtliches Problem: Zwar hat er sich seines Erzfeindes Abner Brown entledigt, doch hat der Dahingeschiedene offenbar Gefolgsleute, die nun wiederum Dana nach dem Leben trachten. Der alte Afghanistanrecke muss sich entscheiden: Taucht er ab oder stellt er sich dem Kampf. Jack Dana hat die Wahl.

„Killer’s Choice“ heißt der aktuelle Roman des in New York lebenden Autors Louis Begley, der 1991 mit seinem Debüt „Lügen in Zeiten des Krieges“ literarischen Weltruhm erlangte. Vor einigen Jahren hat sich nun auch Begley dem Schreiben von Kriminalromanen zugewandt, „Killer’s Choice“ ist der letzte Teil seiner Jack-Dana-Trilogie. Ein literarisch durchaus ambivalentes Unter­fangen.

Etwas Schlimmes wird passieren, möglicherweise

Als der Held Jack Dana eines Tages in seiner Wohnung einen Anruf erhält und dann am Telefon mit anhören muss, wie ein alter Freund und dessen Frau zuerst gefoltert und später getötet werden, ist ihm eines schnell klar: Dieser Mord sollte ihm als Warnung gelten, er, Jack Dana, soll das nächste Opfer sein. Fortan leben Dana und sein chinesischer Koch, ein ehemaliger Polizist aus Hongkong, in einer Atmosphäre ständiger Bedrohung, den angebotenen Polizeischutz lehnt der einstige Marineinfanterist jedoch rigoros ab.

Und so haben auch die Leserinnen und Leser die dezent schwelende Erwartungshaltung, das wohl etwas Schlimmes passieren werde, möglicherweise jedenfalls. Doch Begley lässt sich Zeit mit seiner Geschichte, wobei es ihm durchaus gelingt, die latente Spannung trotz einiger dramaturgischer Durchhänger zu halten.

Routiniert erzählt

Das alles ist routiniert erzählt, wenngleich eine seltsame Distanz zu den Figuren bleibt, zu einer wie auch immer gearteten Identifikation taugen sie nicht. Wobei dem sich formvollendet durch die Handlung tastenden Chinesen Feng noch am ehesten ein gewisses Potenzial an Nähe innewohnt. Vielleicht auch deshalb, weil er für einige mit feinem Humor ausstaffierte Szenen verantwortlich zeichnet.

Als dann schließlich doch noch etwas fürwahr Dramatisches passiert und Jack Dana in höchste Lebensgefahr gerät, skizziert Begley diesen Showdown mit einem erstaunlichen Maß an detaillierter und expliziter Brutalität, die wahrlich nichts für zartbesaitete Charaktere ist. Denn Jack Danas Gegenspieler ist ein, wie Dana es zutreffend bezeichnet, „Monster“ von Mensch, eine kranke Seele, die nichts anderes als vernichten will. Zwar flaut die Erregung zum Schluss des Romans hin wieder ab, aber diese wenigen eruptiven Seiten haben es in sich.

Warum diese Freude am grausigen Detail? Schwer zu sagen, dramaturgisch erforderlich ist sie nicht. So ist Louis Beg­ley mit „Killer’s Choice“ ein Thriller mit einigem Licht und etlichem Schatten gelungen.