Roman

Perfekter Partner für jede Lebenslage gesucht

"Das Girlfriend Experiment" von Catherine Lacey.

"Das Girlfriend Experiment" von Catherine Lacey.

Foto: Aufbau Verlag

"Das Girlfriend Experiment" – ein lesenswerter Roman von Catherine Lacey über ein soziales Beziehungsexperiment.

Hamburg. Wie wäre es, für jede Lebens- und Stimmungslage einen passenden Partner zu haben? Mary, Hauptfigur in Catherine Laceys zweitem, viel beachtetem Roman „Das Girlfriend Experiment“ erlebt eine solche Konstellation. Sie nimmt an einem sozialen Experiment teil und ist im Dienste der Wissenschaft eine Zeit lang für die mitfühlenden Momente in einer Beziehung zu einem Star-Schauspieler zuständig.

Der Roman der US-Amerikanerin ist eine atemlose, schnelle, sehr heutige Lektüre. Er führt mitten hinein in aktuelle Lifestyle-Ratgeber und moderne Beziehungspsychologie – wenn auch etwas anders als üblich. Heldin des Buches ist die eigensinnige Mary. Von chronischen Schmerzen geplagt, ist sie unfähig, ihrer Arbeit in einem Reisebüro nachzugehen und einen normalen Alltag zu leben. In ihrer Lebensuntüchtigkeit und Bindungslosigkeit ist sie eine sehr zeitgemäße, trotzdem sympathische Figur.

Romanfigur wird Teil des Girlfriend Experiments

Ihre esoterisch bewanderte Freundin Chandra versucht zu helfen, die „Pneuma-Adaptive Kinästhesie“ soll Marys Aura wieder ins Lot bringen. Und das lässt sich sogar gut an, was auch am ziemlich sympathischen Physiotherapeuten Ed liegt.

Die Sache hat nur einen Haken, sie ist ausgesprochen teuer und Mary wegen akuter Reisesucht bereits ordentlich verschuldet. Also wird sie, mit Sensoren und üppigem Gehalt versehen, Teil des Girlfriend-Experiments um einen charismatischen Schauspieler. Andere Teilnehmerinnen verkörpern die intellektuelle, die mütterliche und die wütende Part­nerin.

Der Kern einer funktionierenden Beziehung

Die Aufgabe erweist sich alles andere als klein, zumal Mary irgendwann dem Schauspieler ihre Liebe gestehen soll. Einem Mann, der sich bis dahin längst als ganz gewöhnlicher Chauvi entpuppt hat. Erbarmungslos und trotzdem ohne Klischees blättert Catherine Lacey die Psychologie dieses Mannes auf, der am Ende auf die üblichen Machtspiele mit Frauen setzt.

Dass die Methoden der Wissenschaft auf dem Feld der Verbesserung menschlicher Beziehung begrenzt sind, daran lässt dieser dystopische Roman keinen Zweifel. Zumindest aber ergibt diese psychologische Reise für Mary (und die Leser) insofern Sinn, als klar wird, was eigentlich der Kern einer funktionierenden Beziehung sein könnte. Und der ist natürlich ein zutiefst menschlicher.