Konzertkritik

Söhne Hamburgs in der Barclaycard Arena: Mehr geht nicht!

Die Söhne Hamburgs: Rolf Claussen (l.), Joja Wendt (M.) und Stefan Gwildis bei einem Weihnachtskonzert in der Barclaycard-Arena (Archivbild).

Die Söhne Hamburgs: Rolf Claussen (l.), Joja Wendt (M.) und Stefan Gwildis bei einem Weihnachtskonzert in der Barclaycard-Arena (Archivbild).

Foto: Isabel Schiffler / picture alliance / Jazzarchiv

Stefan Gwildis, Joja Wendt und Rolf Claussen feiern mit 5000 Leuten Weihnachten – und machen ihr Publikum zum riesigen Chor.

Hamburg. Die Söhne Hamburgs sagen, dass sie am liebsten in Sälen spielen, in die maximal 1000 Menschen passen. Trotzdem gehen Stefan Gwildis, Joja Wendt und Rolf Claussen immer mal wieder in große Hallen – und das ist sehr gut so. Denn auch wenn die Musiker sympathischerweise den möglichst direkten Kontakt zu ihren Fans mögen, ist es halt auch mal toll, die Söhne mit 5000 anderen zu feiern – so wie am frühen Sonntagabend in der Barclaycard Arena.

Um Punkt 18 Uhr geht das Licht aus, und die Söhne Hamburgs kommen in dem VW Bully vor die Bühne gefahren, der auch das Cover ihrer neuen CD „Wieder zu Haus“ ziert. Auf der großen Bühne wartet das Jazz-Kombinat, davor stehen Gwildis, Wendt und Claussen, als würden sie ein spontanes Konzert in der Mönckebergstraße geben. Stefan Gwildis hat sogar die Sulo-Mülltonne mitgebracht, die er so gern als Schlagzeug benutzt.

Und dann geht es nach einem kurzen Intro („Fürchtet euch nicht“) los – mit „Pianomann“, bei dem Joja Wendt singt wie noch nie, die Nummer ist live doppelt so gut wie auf der CD. Die ersten 20 Minuten spielen die drei in einem Tempo, als müssten sie gleich wieder raus aus der Arena – erst dann steigt unter großem Jubel das große Orchester mit seinem Big-Band-Sound ein. „Wir starten die Maschinen“, singt Joja Wendt folgerichtig und begeistert dann mit dem, was er am besten kann: einem Solo am Flügel.

Söhne Hamburgs bringen ihre Töchter mit

Rolf Claussen besingt „Die Schaffnerin“, eine Liebeserklärung, die er in der zweiten Hälfte noch mit seiner vom Publikum frenetisch gefeierten Hymne auf den „Elbtunnel“ toppen wird. Alles neue Lieder, die die meisten im Saal zum ersten Mal hören dürften und die sie abfeiern, als wären es Söhne-Hamburg-Klassiker. Was für ein Sound, trotz (oder gerade wegen) der Arena? Und dann spielen die drei den „Tanz der Zuckerfee“ von Tschaikowski, Wendt am Klavier, Gwildis an den Drums und Claussen an der Gitarre.

Es ist die Mischung aus Altem und Neuem, aus Laut und Leise, die die Söhne Hamburgs so erfolgreich gemacht hat – und, das wird oft vergessen, es sind ihre komischen Talente. Ob sie nun zu dritt Flügel spielen oder sich in Stand-up-Moderationen verlieren, ob Rolf Claussen wegen seiner vermeintlich achten Ehe geärgert wird, Stefan Gwildis sich über seltsame Reime beschwert oder Joja Wendt im Publikum jemanden sucht, der mit den Söhnen Musik macht – unterhaltsam ist es immer.

Und damit es am ersten Advent vorweihnachtlich wird, haben die drei Söhne nicht nur ihr böses Xmas-Medley („Lars kriegt nichts“ statt „Last Christmas“), sondern auch drei Töchter mitgebracht, die Klassiker wie „All I Want for Christmas“ singen – viel mehr geht nicht. Oder doch?

Stefan Gwildis (grandios seine Ballade „Wieder zu Haus“, der Titelsong des neuen Albums) kommt nach vorn, um mit wirklich allen Gästen „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ in der neuen Söhne-Version zu singen – und ist selbst kaum noch zu hören. Das Publikum übernimmt auch bei den folgenden Seemannsliedern, singt später „Moin, Moin, Moin, Moin“, als stünde hier heute Abend ein Chorwettbewerb an.

Wie gesagt, Konzerte mit 5000 Leuten haben auch ihre Vorteile. Zumindest, wenn sie so gut singen können wie die Fans der Söhne Hamburgs: „Ihr seid sehr, sehr musikalisch“, lobte Joja Wendt, um dann mit allen „We will rock you“ und „Der deutsche Mann tanzt im Sitzen" anzustimmen, quasi gleichzeitig. Mehr geht wirklich nicht!