Konzertkritik

Mit Orchestral Manoeuvres in the Dark zurück in die 80er

OMD (Orchestral Manoeuvres in the Dark ) bei einem Auftritt im November dieses Jahres.

OMD (Orchestral Manoeuvres in the Dark ) bei einem Auftritt im November dieses Jahres.

Foto: picture alliance

OMD zelebriert 40. Band-Jubiläum in der Großen Freiheit. Fans feiern Synthie-Pop-Klassiker wie "Electricity" und "Maid of Orleans".

Hamburg. Früher war zwar nicht alles besser, aber langlebiger oder wie man heute sagt: nachhaltig. Auch die Musik. Wer hätte 1979 gedacht, dass „Electricity“, die erste Single von Orchestral Manoeuvres in the Dark, kurz: OMD, 2019 noch zu den Klassikern des Synthie-Pop und New Wave zählen würde?

Tatsächlich klangen die frühen OMD-Hits ähnlich experimentell wie Kraftwerk, aber nicht so düster wie Depeche Mode und schon damals verheißungsvoll nach Zukunft. Am Sonnabend haben die Elektropioniere der späten 70er- und 80er ihr 40-jähriges Bestehen in der seit Monaten ausverkauften Großen Freiheit zelebriert.

Fans singen "Happy Birthday"

1500 Fans feierten frenetisch mit und stimmten im Mittelteil sogar ein Geburtstagsständchen („Happy Birthday To You“) für die Musiker an. Das Wiedersehen mit der britischen Band und das Wiederhören mit Hits wie "Maid of Orleans" und "Dreaming" geriet zur großen 80er-Jahre-Party - mit einem Publikum, das sich tanzend und textsicher an seine eigene Jugend erinnerte, bei gefühlt 40 Grad. Von „We Love You“ über „Sailing On The Seven Seas“ und „Tesla Girls“ bis zum Antikriegslied „Enola Gay“.

Die beiden Bandgründer Andy McCluskey („Hamburg! Immer heiß, immer laut“) und Paul Humphreys sind mit ihren Anhängern älter geworden, ohne spürbar zu altern. Jedenfalls rein musikalisch. Während der 60 Jahre alte McCluskey immer noch sehr gut bei Stimme ist und wie eh und je zu seinen eigenen Hits auf der Bühne tanzt und mit den Armen rudert, hält Humphreys (59) sich im Hintergrund - und übernimmt nur bei wenigen Songs wie "Forever Live and Die" den Gesangspart.

Weniger synthetisch als früher

Nach fast zwei Stunden steht fest: Der Sound wirkt weniger synthetisch als früher, dafür runder, fülliger und ausgereifter, fast wie ein guter Wein. Das Hit-Material wurde offenbar nicht nur für die jüngst erschienene Ohrwurm-Kollektion "Souvenir" ordentlich "remastered", sondern auch für die Bühne neu arrangiert.

Ausgerechnet die als letzte Zugabe umjubelte Debütsingle „Electricity“ ist heute aktueller denn je - und macht auf die Notwendigkeit erneuerbarer Energien anstatt fossiler Brennstoffe aufmerksam. Kostprobe: „Kohlenstoffbrennstoffe aus dem Meer - Stromverschwendung. Die Alternative ist nur eine: Solarstrom.“ Wie gesagt, 1979.