Weihnachtsmärchen

Die kleine Meerjungfrau schwimmt im Plastikmüll

Treffen an der gelben Tonne: die kleine Meerjungfrau Sirena (Alexandra Kurzeja) und Rumpleröschen (Christian Berg).

Treffen an der gelben Tonne: die kleine Meerjungfrau Sirena (Alexandra Kurzeja) und Rumpleröschen (Christian Berg).

Foto: G2 Baraniak

In der Komödie Winterhuder Fährhaus wird das bekannte Märchen zum Blubber-Vergnügen samt Umweltbotschaft und Müllballett.

Hamburg. Der rote Vorhang geht auf – und man ist mittendrin in einer zauberhaften Unterwasserwelt mit schimmernden Quallen, goldenen Seegurken und roten Anemonen. Rechts und links sind funkelnde Fischernetze aufgespannt. Erst beim zweiten Blick entpuppt sich alles als Plastikmüll – die Anemonen sind abgeschnittene Joghurtfläschchen, die Quallenarme bestehen aus durchsichtigen Plastiktüten, in den Netzen hängen Trinkflaschen, Margarinedeckel und Milchtüten.

Klare Umweltbotschaft

Allein die grandios-originelle Ausstattung von Ulrike Engelbrecht sind einen Besuch des Weihnachtsmärchens „Die kleine Meerjungfrau – Das große Blubbern“ in der Komödie Winterhuder Fährhaus wert. Schnell wird deutlich, dass die Liebesgeschichte nach Hans-Christian Andersen nicht nur berühren soll, sondern wie immer bei den Stücken von Regisseur und Schauspieler Christian Berg auch eine klare Botschaft birgt. Sie kommt schon bei den kleinsten Besuchern ab vier Jahren an: Plastik verseucht die Meere.

Hamburgs schönste Weihnachtsmärchen

So fragt sich die bezaubernde Meerprinzessin Sirena (Alexandra Kurzeja in einer Paraderolle), wo all die toten Blumen herkommen, die rund um ihr Schloss wabern und das Lebenselixier der Meerhexe Scheusalia (schön fies und schrill: Dimitrios Vassiliadis) sind. Die Hexe liebt Abfall und möchte statt Sirena den Prinzen heiraten, um mit ihm über die Erde und die vermüllten Ozeane zu herrschen.

Tetrapacks tanzen Ballett

Sie hat sogar ein Müllballett, das synchron als Tetrapakete über die Bühne tanzt. Scheusalia schafft es zunächst, Sirena ihre schöne Stimme zu rauben. Zum Glück hat die Meerjungfrau gute Freunde wie den Rochen Jochen (herrlich rosa mit Torben Padanyi), die Schildkröte Turtula, das Einhorn Pummelchen und den guten Fee Rumpelröschen – den Christian Berg selbst spielt und der in jedem seiner Familienmusicals auftaucht.

Mit Tutu und Fliegermütze bekleidet, fordert er die kleinen und großen Zuschauer zum Mitsingen – Fans kennen das „Klingelingeling-Lied“ – und Mitmachen auf, sodass alle im Raum das Gefühl bekommen, beim Happy End mitgeholfen zu haben. Dazwischen gibt es jede Menge Kostümwechsel – jeder Schauspieler spielt zwei bis drei unterschiedliche Rollen, es gibt viele Lachnummern und Ohrwurm-Lieder von Jan Christof Scheibe.

Skurriles Blubber-Vergnügen

Die große Stärke von Christian Berg ist, dass er die kleinen Besucher direkt anspricht, sie auf seine musikalische Reise mitnimmt und mit ein paar aktuellen Gags auch die Eltern ins Boot holt. Ein wunderbares, skurriles Blubber-Vergnügen für die ganze Familie. tes

Laufzeit bis 29.12., Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstr. 13, Karten ab 14,40 Euro unter Tel. 480 680 80, Online-Tickets unter www.komoedie-hamburg.de