St. Pauli

Große Show im Tivoli: Auch ein Geschenk zu Littmanns 67.

Neuer Look: Kabarettist Wolfgang Trepper (2. v. r.) als singender Moderator. umgeben von den Tänzern Emerson da Silva, Giovanni de Domenico und Pascal Schmidt:

Neuer Look: Kabarettist Wolfgang Trepper (2. v. r.) als singender Moderator. umgeben von den Tänzern Emerson da Silva, Giovanni de Domenico und Pascal Schmidt:

Foto: Morris Mac Matzen / TIVOLI

Das Winterspektakel „Pompös 2019“ bietet im Schmidts Tivoli brachiale Comedy von Wolfgang Trepper, tolle Artistik, Gesang und Tanz.

Hamburg. Die Verpackung macht ja auch in der (Vor-)Weihnachtszeit einiges bei Geschenken aus. Umso gelungener, wenn der Inhalt noch Überraschungen bietet. „Pompös“ heißt das große Winterspektakel, das bis Anfang Januar zum vierten Mal im Schmidts Tivoli spielt. Im neuen Look und frei von jeglichem Weihnachts-Kitsch.

Für beides steht Wolfgang Trepper: Der Hausgrantler hat sich – ohne es anzustreben – auf Drängen des Schmidt-Chefs Corny Littmann vom Rausschmeißer vergangener Shows zum „Pompös“-Präsentator entwickelt. Dem neuen Motto „Schwarz und Weiß“ gemäß bei der Premiere anfangs im Smoking, im weißem Hemd mit schwarzer Fliege und Zylinder. „Ich sehe aus wie der Harald Juhnke von Mümmelmannsberg“, kommentiert der Wahlhamburger aus Langenhorn selbstironisch seine Verwandlung. Nur seine typischen roten Schuhe sind geblieben.

Trepper über Andrea Nahles: „Charisma-Kloake“

Kabarettist Trepper hat als Moderator des Abends erwartungsgemäß den größten Wortanteil. Er holt das Publikum, ob nun aus Barmbek, Recklinghausen oder vom Darß („Du wirst heute Abend sehr enttäuscht nach Hause fahren“), auf seine nassforsche Art ab. Regt sich etwa über Väter im SUV auf. Böses schwant ihm, wenn die Bundeskanzler in Zukunft mit Vornamen nur noch „Justin“ oder „Kevin“ heißen.

Am besten ist Trepper immer dann, wenn er Tiefpunkte des Privatfernsehens wie „Zwischen Tüll und Tränen“ (Vox) zu richtig spöttischen Nummern ausschmückt – meist brachial, manchmal oberflächlich, wenn er im zweiten Teil der Show zum vorgezogenen Polit-Jahresrückblick ansetzt: „AKK“ ,das klingt für Trepper eher nach „einer Terror-Vereinigung aus dem Irak“ statt nach der CDU-Vorsitzenden, und für die SPD mit der „Charisma-Kloake“ Andrea Nahles und dem „großen Gipfel-Organisator“ Scholz sowie deren Doppelspitzen-Wahl hat Trepper nur Hohn und Spott übrig: „Wie bei den Grünen: ein Mann und eine Frau – die aber darf niemand kennen ...“

Pranay Werner, cooler Diabolo-Artist aus Hessen

Das Schöne, zuweilen noch Gewöhnungsbedürftige: Indem Regisseur Nik Breidenbach, mit Choreografin Silvia Varelli für das Show-Konzept verantwortlich, Moderator Trepper und die weiteren Künstler auch in Gesangs- und Tanznummern einbindet, wird „Pompös 2019“ trotz des Mottos zusehends bunter. Ausstattung und Kostüme (Martin Herrmann, Frank Kuder,. Norman Heidrich) sind opulenter denn je bei dieser Mischung aus Comedy, Artistik und Livemusik vom versierten Original-Tivoli-Orchester unter Leitung Markus Voigts.

Einen singenden Turner und Handstandakrobaten wie den Schweizer Lucas Fischer sowie einen derart coolen, dennoch temperamentvollen Diabolo-Artisten wie Pranay Werner gab es in Hamburg noch nicht zu sehen. Der aus Hessen kommende Werner hat nie eine Zirkusschule besucht, gewann aber beim Internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo einen Spezialpreis. Gegen derlei Kunst wirkt ein Klavier-Comedian wie der ewige Verlierer-Typ Jens Heinrich Claassen trotz eines anrührenden Songs im zweiten Teil banal-bieder.

Les trois Pompadours, nun ergänzt um drei Tänzer

Zum Glück aber gibt es Les trois Pompadours: Die drei singenden und tanzenden Schauspielerinnen Diana Böge, Yvonne Disqué und Dörthe Thiel, bereits seit 2016 Teil von „Pompös“, spielen etwa beim Lied „Theater“ jede für sich mit einem langen Vorhang als Schärpe, und sie lassen es auch zwischen den Stuhlreihen im Publikum knistern. Erstmals ergänzt um die gut gebauten Tänzer Emerson da Silva, Giovanni de Domenco und Pascal Schmidt. So ist in dieser Show für jede(n) etwas dabei – je nach sexueller Präferenz..

Apropos: Wie sagte doch Wolfgang Trepper: „Corny Littmann steht auf Männer, ich stehe auf Frauen, viele Frauen stehen auf Corny Littmann – und ich stehe nachher an der Theke.“ Dort konnte Trepper am Donnerstagabend noch auf den 67. Geburtstag des Schmidt-Chefs anstoßen. Littmann wollte nicht, dass sein Ehrentag zuvor im Saal thematisiert wird. Insofern war die Show für ihn ein Geburtstagsgeschenk.

„Pompös 2019“ wieder Sa 23.11., 15.00 und 20.00, bis 5.1.2020, Mo, Di, Do je 19.30, Mi/So 19.00, Fr 20.00, Sa 15.00 + 20.00, Schmidts Tivoli (U St. Pauli), Spielbudenplatz 27/28, Karten zu 31,70 bis 99,90 unter T. 31 77 88 99; www.tivoli.de