Konzertkritik

Fettes Brot in der Barclaycard Arena – und ab geht die Party

Fettes Brot bei ihrem Heimspiel am Freitag in der Hamburger Barclaycard-Arena.

Fettes Brot bei ihrem Heimspiel am Freitag in der Hamburger Barclaycard-Arena.

Foto: Thorsten Ahlf

Die Rap-Altmeister verbreiten bei ihrem fast ausverkauften Heimspiel viel gute Laune – und werden an einer Stelle plötzlich ernst.

Hamburg. Am Ende gibt es noch 20 Minuten Massen-Karaoke obendrauf. Die Jungs von Fettes Brot vorn auf der Bühne sind die Dirigenten, und rund 10.000 Sänger in der proppenvollen Barclaycard Arena singen aus vollem Hals mit. „Tausendmal berührt“ von Klaus Lage, „Die da“ von den Fantastischen Vier und natürlich „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Was für eine Party! Das muss man erst mal hinkriegen.

Die Hamburger Spaß-Rapper sind auf großer "Lovestory"-Tour. Knapp 20 Konzerte spielen sie in diesem Herbst, fast alle sind ausverkauft, sie touren quer durch die Republik. Und auch in Zürich und Wien sorgten ihre kantigen Reime bereits für tanzende Beine.

Genau wie bei ihrem Heimspiel am Freitag in der nahezu ausverkauften Hamburger Barclaycard Arena, wo bereits beim ersten Song der Tanz beginnt. Im Programm ein halbes Dutzend Titel von ihrem neuen Album „Lovestory“, das im Mai erschienen ist. Es ist bereits das neunte seit ihrem ersten Werk im April 1995 ("Auf einem Auge blöd").

Das Publikum ist mit Fettes Brot erwachsen geworden

König Boris, Dokter Renz und Björn Beton sind mittlerweile Mitte vierzig, und vielleicht halten sie auch deshalb gleich mal am Anfang des Konzerts der nächsten Generation den Spiegel vor: "Ich liebe mich" ist der passende Song für die jungen Selfie-Optimierer.

Der Großteil des Publikums ist jedoch mit den Broten, die sich 1992 in Schenefeld am Gymnasium zusammengefunden haben, erwachsen geworden. Drei Jahre zuvor war in Berlin die Mauer gefallen, ist also alles schon 'ne Weile her.

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Aber Spaß und gute Laune für einen munteren Abend verbreiten sie immer noch. Und auch die treffenden Reime kleben sie nach wie vor im gekonnten Wechselgesang ungemein taktvoll und locker aneinander. Wie in "Robot Girl" mit Zeilen wie "Verzeih mir mein Gestotter, du haust mich vom Hocker, wunderschöner Roboter". Oder in "Denxu": "Ich aus Schenefeld, du aus Halstenbek, deine Küsse auf Sylt haben nach Salz geschmeckt. Ich spür im Herzen dieses Ziehen, Mischung aus Schuld, Sehnsucht und Adrenalin."

Einmal wird es beim Konzert ernst

Der Sound in der Arena ist richtig gut. So knackig, dass man trotz dröhnender Bässe und wuchtigen Drums beinahe jedes Wort verstehen kann. Was aber im Grunde gar nicht nötig ist, die meisten Zuschauer können sowieso jede Zeile mitsingen. Lieder wie „Geile Biester“ oder „Jein“, „Emanuela“ oder „Bettina“ sind längst Evergreens.

Dabei geht es den Broten mittlerweile nicht mehr ausschließlich um Liebe und Spaß, „Hey ho“ und „Hände in die Luft“. Ein Hauch Ernsthaftigkeit darf schon sein. In ihrem Song "Du driftest nach rechts" besingen sie eine Freundin, die plötzlich von "Geflüchteten als Touristen" spricht. Die Brote sagen, sie wollten auf ihrem neuen Album auch darüber singen, wie es ist, in einem Land zu leben, in dem „bisher Unsagbares plötzlich konsensfähig“ wird.

Am Ende aber sind die Hände wieder oben. Natürlich spielen sie noch ihre Hymne "Nordisch by Nature", mit der die Brote vor einem Vierteljahrhundert ihren ersten großen kommerziellen Erfolg feierten. Also "auf die Schnelle noch 'ne Fischfrikadelle". Und ab geht die Party.