Hamburg

Ein überirdischer Auftakt für das Überjazz Festival

Marshall Allen und das Sun Ra Arkestra.

Marshall Allen und das Sun Ra Arkestra.

Foto: Yvonne Schmedemann

Das Sun Ra Arkestra, The Comet Is Coming und Salami Rose Joe Louis überzeugen auf Kampnagel.

Hamburg.  Die Reisestrapazen sind den Musikern des Sun Ra Arkestras nicht anzumerken. Das Ensemble aus den USA ist bereits seit einem Monat auf Tournee, gastierte in Japan, Brasilien und in Europa und stand fast täglich auf der Bühne. Die Frische und der Enthusiasmus der Jazzer, die das Gegenteil von Jungspunden sind, überrascht bei diesem „Pre-Opening“-Konzert des Überjazz-Festivals auf Kampnagel.

Marshall Allen, seit dem Tode des Gründers Sun Ra vor 26 Jahren der Leiter der in glitzernden Umhängen gekleideten Truppe, ist 95 Jahre alt. Mit Verve dirigiert er sein Kollektiv bei dem Streifzug durch afroamerikanische Musikgeschichte. Das Arkestra gehört immer noch zu den wichtigsten Ensembles des Free Jazz, aber auch die Bigband-Tradition spiegelt sich in ihren Kompositionen.

Immer wieder gibt es Anklänge an die Zeit der Ballrooms in den USA, als Jazz in den 40er- und 50ern populäre Tanzmusik für Weiße und Schwarze war. Auch der Blues spielt eine wichtige Rolle in den Nummern des Arkestras – und natürlich die etwas überkandidelte Verehrung für Sonnengötter und die Sehnsucht nach Reisen durch den Kosmos. Ihren Hit „Space Is The Place“ spielte das Arkestra als sanfte Ballade.

The Comet Is Coming könnte in Wacken spielen

Das Energielevel beim Sun Ra Arkestra war schon hoch, bei The Comet Is Coming steigert es sich ins Gigantische. Shabaka Hutchins (Saxofon), gerade die Lichtgestalt der Londoner Jazz-Szene, Dan Leavers (Keyboards) und Max Hallett (Schlagzeug) entfachen auf der Bühne von k6 einen rhythmischen Orkan, der das Publikum so richtig durchschüttelt. Das Trio verbindet knallharten Funk mit elektronischen Loops und jazzigen Improvisationen. In Hinblick auf die Kraft und rohe Härte würde The Comet Is Coming sogar auf das Wacken Open Air passen.

Nicht unerwähnt bleiben darf das Quartett einer US-Sängerin, die sich den Künstlernamen Salami Rose Joe Louis gegeben hat. Sie eröffnete diesen herausragenden Abend mit einer spannenden Mischung aus Dream Pop und Free Jazz. Am Freitag und Sonnabend geht das Überjazz Festival auf vier Kampnagel-Bühnen weiter. Der Auftakt war mehr als verheißungsvoll.