Konzertkritik

Thees Uhlmann feiert Comeback mit treuen Fans und Anekdoten

Thees Uhlmann: Nach seinem Auftritt beim Reeperbahn Festival 2019 vor wenigen Tagen, sang der Ex-Reeperbahn-Bewohner nun in der Großen Freiheit 36.

Thees Uhlmann: Nach seinem Auftritt beim Reeperbahn Festival 2019 vor wenigen Tagen, sang der Ex-Reeperbahn-Bewohner nun in der Großen Freiheit 36.

Foto: Marcelo Hernandez

Nach fünf Jahren steht der Ex-Reeperbahn-Bewohner wieder auf der Bühne. Uhlmann im Freudentaumel in der Großen Freiheit 36.

Hamburg. Lange mussten Thees-Uhlmann-Fans auf neuen musikalischen Input des im niedersächsischen Hemmoor geborenen Mitgestalters der Hamburger Schule warten. Fünf Jahre um genau zu sein. So lange hat es gedauert, bis der einstige Frontmann der Deutschpop-Band Tomte und erfolgreicher Solokünstler sich nach einem literarischen Exkurs wieder seiner Hauptprofession widmet. Mit „Junkies und Scientologen“ veröffentlichte der Wahlberliner im September sein drittes Soloalbum.

Der Treue seiner Anhänger scheint Uhlmanns musikalische Abwesenheit keinen Abbruch getan zu haben. Und so warten am Freitagabend bereits zweieinhalb Stunden vor Konzertbeginn die ersten Fans vor dem Eingang der Großen Freiheit 36.

Thees Uhlmann im Freudentaumel

„Ich habe fünf Jahre nicht gesungen“, sind dann auch die ersten Zeilen, mit denen der Mitgründer des Indie-Labels Grand Hotel van Cleef den Abend vor ausverkaufter Kulisse einläutet. Es ist der erste Song seiner neuen Platte, den die Menge bereits textsicher mitgrölt. Und so wird schnell klar, dass es an diesem Abend nicht der großen Hits aus der Vergangenheit bedarf, um die Stimmung anzuheizen. Von den ersten Takten an ist das Publikum elektrisiert. Und Thees Uhlmann im Freudentaumel.

„Nicht euer Ernst“, brüllt er in den tosenden Auftakt-Applaus, bevor er sich im steten Wechsel durch neue und alte Songs singt – natürlich nicht ohne zwischendurch die eine oder andere Anekdote einzustreuen. So erfahren die Konzertbesucher von einer prägenden Begegnung mit den Toten Hosen in London, einer amüsanten Fährfahrt von Uhlmanns Mutter inmitten von Wacken-Festival-Rückkehrern oder die Geschichte des Mädchens von Kasse 2.

Viele Zuschauer teilen Uhlmanns Liebe zum FC St. Pauli

Aber auch das Publikum, das zusammen mit Thees Uhlmann älter geworden ist und größtenteils aus Enddreißigern bis Endvierzigern besteht, lässt sich anhand der über den Abend verteilten Reaktionen ganz gut charakterisieren. So teilt der Großteil Uhlmanns Liebe zum FC St. Pauli und kommt laut einer Kurzumfrage vom Dorf. Die Probleme scheinen heute andere zu sein wie sich am besonders lauten Mitsingen bei Zeilen wie „Ich hab’ ein Kind zu erziehen“ oder „Um über die Runden zu kommen, muss jeder etwas tun“ zeigt.

Doch auch die Melancholie und die Aufbruchsstimmung vergangener Jahre sind noch zu spüren, denn „Vom Delta bis zu der Quelle lieben wir das Universelle“, schallt es ebenfalls laut in die Nacht. Für Nostalgiker verzichten Thees Uhlmann und seine sechsköpfige Band auch nicht auf Tomte-All-Time-Favourites wie „Ich sang die ganze Zeit von dir“ oder „Schreit den Namen meiner Mutter“.

Thees Uhlmann verausgabt sich zweieinhalb Stunden

Wie sehr Uhlmann wieder Bock hat, auf der Bühne zu stehen, beweist er mit einer unglaublichen Energie. Er springt und stampft und dirigiert immer wieder die Menge, die auch ohne Aufforderung permanent im Takt klatscht. Die Energieübertragung ist gewaltig. Dafür braucht der Sänger nur sich und seine eingespielte Band. Das Bühnenbild ist so schlicht wie Uhlmanns Outfit aus blauer Hose, schwarzem Shirt und Jeanshemd.

Knapp zweieinhalb Stunden verausgabt sich der Ex-Reeperbahn-Bewohner an Mikrofon, Gitarre und Mundharmonika. „Ich soll schön grüßen, aber Caspar hat heut leider keine Zeit zu rappen“, entschuldigt er sich zwischendurch, um sich sodann auch noch selbst an dessen Part in „& Jay-Z singt uns ein Lied“ zu versuchen.

Uhlmann: „Ihr seid die Große Freiheit!“

Das Publikum fordert am Ende zwei Zugaben, die Uhlmann und seine Mitmusiker freudestrahlend gewähren: „Es bedeutet mir viel, dass ihr bei uns geblieben seid!“ Schließlich heißt es „Die Nacht war kurz (Ich stehe früh auf)", bevor sich der norddeutsche Hymnen-Schreiber mit den Worten: „Ihr seid die Große Freiheit!“, verabschiedet.

Die Reaktionen machen deutlich, dass wohl niemand etwas gegen eine dritte Zugabe gehabt hätte. Was für ein Comeback.