Laeiszhalle

Joy Denalane: Große Songs im kleinen Arrangement

Die Berliner Soulsängerin Joy Denalane (hier bei einem Auftritt auf dem Reeperbahn Festival).

Die Berliner Soulsängerin Joy Denalane (hier bei einem Auftritt auf dem Reeperbahn Festival).

Foto: picture alliance/dpa

Die Soulsängerin verzaubert ihr Hamburger Publikum vom verspäteten Anfang an. Ein Abend fern von jeder banalen Alltäglichkeit.

Hamburg.  Mit einer Viertelstunde Verspätung geht es los. „Es liegt nicht an uns“, sagt Violinist Miki Kekenj entschuldigend, der von Braunschweig aus das Mikis Takeover! Ensemble unterhält. Probleme mit Karten und Sitzplätzen in der gut gefüllten Laeiszhalle hätten zur Verzögerung geführt.

Nach einer aufwärmenden Elegie ist das schnell vergessen und das Publikum bestens eingestimmt, bevor Joy Denalane schließlich ihre Stimme erhebt. Im schwarzen Anzug nimmt sie auf einem Schemel Platz. Die Stimme der Berlinerin ist noch immer ein Ereignis. Warmer Soul, der den Zuhörer auf einem weichen Kissen bettet und den sie mit einem sehr überzeugenden Lächeln singt. Sofort ist der Saal verzaubert.

Joy Denalanes Songs sind von geradezu klassischer Qualität

Die Songs sind natürlich für eine große Band mit Backgroundsängerinnen geschrieben, aber in den Arrangements von Miki Kekenj kommen sie erstaunlich zart daher. Und das steht ihnen gut. In ihrem akkuraten Zusammenspiel gestalten Marlies Klumpenaar (Klarinette), Markus Beul (Cello), Max Dommers (Kontrabass) und Maryana Brodskaya (Piano) einen sanften Chanson- und Kaffeehaussound aus dem weiche Piano-Flächen und eine sehnsuchtsvoll jauchzende Klarinette hervorstechen. Häufig bedienen sich die Musiker bei klassischen Vorbildern. So gleitet mal Beethovens „Mondscheinsonate“ in einen Song über, mal sind Melodien von Mahler zu hören, mal von Puccini.

Am Ende passt es aber sehr gut, denn Joy Denalanes Songs, etwa auf ihrem aktuellen Solo-Album „Gleisdreieck“, sind einfach von geradezu klassischer Qualität. Mit Texten, die direkt dem Leben abgeschaut sind und doch wohltuend fern bleiben von jeder banalen Alltäglichkeit.

Denalane ist Frau, Schwester, Homie für die Laeiszhalle

Das erhabene „Himmel berühren“ erklingt, in dem sie vom Wunder der Morgenstimmung singt, „Jeder Tag wird mir neu zu Füßen gelegt“. Wenn sie zu den melancholischen Liebesabschiedsballaden „Hologramm“ oder „Ich bereue nichts“ anhebt, scheint es, als finde sie sehr schnell Verbündete im Saal. Die zarten Instrumentierungen bringen die Songs gut zur Geltung. Kurz vor der Pause animiert Denalane mit „Alles leuchtet“ und seinem Sing-Along-Refrain den Saal sogar zum Mitsingen.

Miki Kekenj, der sich dieses Klassik-trifft Soul-Konzept ausgedacht hat, liebt es, zwischen den Songs zu plaudern. Über Ängste vorm Singen, über Lieblingssongs, von denen er an diesem Abend einige zum Besten gibt. Denalane steigt bereitwillig darauf ein. „Ich fühle mich wohl. Ich mag Euch.“

Am Ende spielt sie ihren frühen Hit „Was auch immer“ vom Debütalbum „Mamani“ 2002. Darin singt sie, dass sie Frau, Schwester, Homie zugleich sei für jemanden. Und irgendwie ist sie das an diesem Abend auch für die versammelten Zuhörer in der Laeiszhalle.