Konzertkritik

Elbphilharmonie: Jazz für den Kopf, nicht fürs Gefühl

Yaron Herman spielte im Großen Saal der Elbphilharmonie

Yaron Herman spielte im Großen Saal der Elbphilharmonie

Foto: ACT / Julien Mignot

Im Großen Saal präsentierte Pianist Yaron Herman dem Publikum in der Elbphilharmonie eine Reihe neuer Kompositionen.

Hamburg.  Vor mehr als einem Jahr begeisterte Yaron Herman mit drei stilistisch unterschiedlichen Abenden und Besetzungen bei seinen „Reflektor“-Konzerten in der Elbphilharmonie, jetzt ist der in Paris lebende Pianist aus Israel zur Form des Klavier-Trios zurückgekehrt. Anfang des Jahres hat er das Album „Song Of The Degrees“ veröffentlicht.

Daraus präsentierte er dem Publikum in der wiederum ausverkauften Elbphilharmonie eine Reihe der neuen Kompositionen wie „Traveling Light“ und das lyrische „Our Love“. Herman ist ein virtuoser Musiker, der vertrackte Melodien auch aus der Improvisation heraus entwerfen kann. Wenn man beim Zuhören in seine Stücke eintaucht, ist es möglich, aus den Noten Bilder zu assoziieren, doch der Zugang des Hörers zu Hermans Kompositionen erfolgt mehr über den Kopf als über das Gefühl.

Furioses Duett der Rhythmusgruppe

Es gibt zwar ein paar Ecken und Kanten, doch fehlt es an extremen Ausschlägen und auch an einem gewissen Schmutz. Der Blues, so eminent wichtig für amerikanische Jazzmusiker, hat für den in Europa lebenden Klavierspieler keine besondere Bedeutung. Es gibt während der insgesamt 100 Minuten nur einen einzigen Song, in dem das Trio überhaupt swingt und sich der Jazz-Tradition nähert. In diesem Moment scheint die Band, der noch der Bassist Or Bareket und Ziv Ravitz am Schlagzeug angehören, geradezu zu explodieren. Die Rhythmusgruppe liefert sich innerhalb des Stückes ein furioses Duett, entsprechend lautstark ist der Beifall am Ende der Nummer.

Vor den beiden Zugaben darf Ziv Ravitz in einem langen Solo zeigen, welch formidabler Trommler er ist. Bereits auf den vergangenen vier Alben hat Yaron Herman ihn zu den Produktionen eingeladen, auch bei Konzerten vertraut er dem in New York lebenden Landsmann. Ravitz gilt als Taktgeber der jungen israelischen Jazz-Szene. In der Elbphilharmonie stellt er sein Können aus, ohne dabei in einen Angeber-Modus zu verfallen. Ravitz geht es nicht darum, mit Höchstgeschwindigkeit zu verblüffen, er trommelt mit Köpfchen. Das Publikum ist – wieder einmal – vom Yaron Hermans Auftritt begeistert und überschüttet diesem Jazz-Intellektuellen und seine beiden Mitstreitern mit Beifall. Hamburg und die Elbphilharmonie bleiben für die drei ein gutes Pflaster.