„Best of Poetry Slam“

Geballtes Repertoire an Wortgewandtheit im Stadtpark

Der Poetry-Slammer Nektarios Vlachopoulos konnte bei dem Event in Hamburg nicht überzeugen (Archivbild)

Der Poetry-Slammer Nektarios Vlachopoulos konnte bei dem Event in Hamburg nicht überzeugen (Archivbild)

Foto: picture alliance/dpa

Beim Open-Air-Event standen vier der besten Poeten des Landes auf der Bühne. Am Ende siegte Comedy vor wortgewaltiger Lyrik.

Hamburg. Sonnenschein bei 27 Grad, die Picknickdecken sind ausgebreitet, ein kühles Bier in der Hand: die perfekten Voraussetzungen für einen poetischen Abend der Extraklasse. Beim „Best of Poetry Slam“ standen am Freitagabend vier der besten Poeten des Landes auf der Stadtparkbühne – mit im Gepäck ihr geballtes Repertoire an Wortgewandtheit und Witz.

Feature Artist David Friedrich eröffnete die Show mit einer gerappten Neuauflage von Hildegard Knefs „Aber schön war es doch“ und stimmte die rund 2600 Gäste auf den Abend ein. Nachdem Moderator Jason Bartsch die Publikumsjury ausgewählt hatte, startete der erste Wettbewerber ins Rennen. Nektarios Vlachopoulos gab ganz nach dem Motto „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“ seine Erfahrungen als Mitglied des Ü30-Clubs in der jugendlichen Partyszene zum Besten. Das kam bei der Jury aber wohl nicht so gut an, wie beim Rest des Publikums und wurde mit dem schlechtesten Ergebnis bewertet.

Mona Harry zog die Hamburger in ihren Bann

Als Nächstes reimte Mona Harry einen Text über das, was wir als „Norddeutschen Sommer“ kennen und zog die Hamburger direkt in ihren Bann. Mit ihrer – übrigens frei vorgetragenen(!) - tiefgründigen Lyrik über die heutigen Schönheitsideale und wie man als junge Frau mit diesen zu kämpfen hat, ergatterte sie prompt die zweithöchste Wertung des Abends.

„Manche sind Model bei Victoria’s Secret. Mein Name ist Victoria und ich kenne eine Siegrid.“ Spätestens mit dieser Zeile hatte Victoria Helene Bergemann – kurz VHB – die Lacher auf ihrer Seite. Auch die Jury konnte sie mit ihrer witzig pointierten Prosa beeindrucken und gewann die erste Runde.

Musikalisches Intermezzo der besonderen Art

Jan Philipp Zymny dagegen, der insgeheim als Favorit des Abends galt, konnte mit seinem Dialog „Die letzte Gneidemühle in Hattingen“ nicht überzeugen. Der Bochumer hätte den klar auf den Ruhrpott bezogenen Text wohl besser vor heimischem Publikum vorgetragen, die den Hintergrund des Bergbaus verstanden hätten. Daher war es kein Wunder, dass es auf ein rein weibliches Finale hinauslief.

Bevor aber die zweite Runde startete, bei der anstatt die Jury nun das Publikum mit der Lautstärke des Applauses über den Gewinner entschied, sorgte Jason Bartsch für ein musikalisches Intermezzo der besonderen Art. Seine zwei Songs „Hund“ und „Katze“ gaben einen Einblick in die Gedankenwelt der wohl beliebtesten Haustiere – zum Bellen, äh Brüllen komisch. Im Finale zwischen VHB und Mona Harry siegte am Ende Comedy vor wortgewaltiger Lyrik und VHB holte sich den Titel des Abends.