Konzertkritik

Liebeslieder und Klangbrei in der Elbphilharmonie

Father John Misty alias Josj Tillman bei einem Auftritt in Kopenhagen im vergangenen November.

Father John Misty alias Josj Tillman bei einem Auftritt in Kopenhagen im vergangenen November.

Foto: Gonzales Photo – Kasper Maansson / picture alliance / Photoshot

Father John Misty kam mit 22 Musikern in den Großen Saal, Nuancen gingen da bisweilen unter. Der Drummer trug zum Sound-Fiasko bei.

Hamburg..  Auf die Bühne des Nochtspeichers hätte seine Band nicht gepasst. 2015 ist Father John Misty in dem kleinen Kiezclub aufgetreten und nur ein paar Eingeweihte konnten mit dem Namen etwas anfangen. In dieser Woche gastierte der amerikanische Sänger, mit bürgerlichem Name Josh Tillman, in der seit Wochen ausverkauften Elbphilharmonie. Tillman hatte groß aufgefahren: 22 Musiker begleiteten ihn, zwölf Streicher und vier Bläser, um den vollen orchestralen Klang seiner Kompositionen auch live umzusetzen.

Doch die Akustik der Elbphilharmonie wurde auf eine harte Probe gestellt. In weiten Teilen bekam das Klangbild nur die Note mangelhaft, die Schönheit der Songs geriet zu einem Klangbrei, Nuancen waren schon gar nicht zu hören. Schuld an diesem Sound-Fiasko trug allerdings auch Tillmans Schlagzeuger, der viel zu laut und auch viel zu einfallslos trommelte. Vielleicht hätte ihm jemand sagen sollen, dass man auch mit Besen vorzüglichen Rhythmus hinbekommen kann.

Dennoch hatte das Konzert einige tolle Momente. Tillman gehört zu den ausdrucksstärksten Sängern des zeitgenössischen Pop. Seine Stimme schafft es von den dunklen Registern bis ins Falsett, sie besitzt eine kristallene Klarheit und Kraft. Auch mit seinem Hang zum Pathos kann er auf eine Stufe mit dem großen Scott Walker gestellt werden. Magisch wurde es in der Elbphilharmonie zur Hälfte des fast zweistündigen Konzertes, als Tillman „I Went To The Store One Day“ vom Album „I Love You, Honeybear“ anstimmte. Nur von den Streichern und seiner akustischen Gitarre begleitet, störten keine Nebengeräusche dieses dunkle Liebeslied.

Am Ende sind die Soundprobleme fast vergessen

Mit seinen langen Haaren, dem Vollbart und der Sonnenbrille erinnert Tillman immer etwas an den späten Jim Morrison. Gegen Ende des Konzerts bei Songs wie „Pure Comedy“, „Holy Shit“ und „Honeybear“ zeigte der Kalifornier, dass er auch einen Sinn für dramatische Gesten besitzt – genau wie der früh verstorbene Sänger der Doors. Auch in Hinblick auf ihre feinsinnige und abgründige Poesie ähneln sich Morrison und Tillman.

Den grandiose Höhepunkt des Abends sparte Tillman sich für die Zugabe auf: Wieder nur von den Streichern begleitet, sang er das zwölf Minuten lange „Leaving LA“ vom Album „Pure Comedy“. Diese 30 Strophen sind eine ergreifende Selbstreflexion. Gebannt lauschte das Auditorium Josh Tillman, um ihn anschließend euphorisch zu feiern. Die Soundprobleme waren in diesem Moment (fast) vergessen.