Elbphilharmonie

Star-Gitarrist Pepe Romero und Orchester fehlt die Zündung

Der spanische Gitarrist Pepe Romero.

Der spanische Gitarrist Pepe Romero.

Foto: dpa Picture-Alliance / Horst Ossinger

Zwischen dem Virtuosen und dem Real Orquesta Sinfónica de Sevilla unter John Axelrod gab es wenig Interaktion – aber großen Applaus.

Hamburg.  Er ist der Grandseigneur der Gitarre, der Spanier Pepe Romero. Als der 75-Jährige beim Elbphilharmonie-Konzert mit dem Real Orquesta Sinfónica de Sevilla unter John Axelrod in die Saiten griff, dachte jedoch niemand an irgendein Alter. Man war fasziniert von der Bandbreite an Dynamik, vom rauschenden Forte der Gitarren-Akkorde, von den silbrig glänzenden Pianissimo-Tönen, vom Herauskitzeln und der farblichen Gestaltung der Linien in verwobenen Strukturen. Kleine Gitarre und großes Orchester – man muss nicht lange überlegen, wer hier in Sachen Lautstärke den Kürzeren zieht. Komponisten fanden dafür unterschiedliche Lösungen. Pepe Romero präsentierte zwei an diesem Abend.

Beim „Concierto en Flamenco“ legte Komponist Federico Moreno Torroba den Flamenco hauptsächlich in die langen Solo-Abschnitte der Gitarre. Es gibt wenig Interaktion mit dem Orchester. Im schillernden post-impressionistischen Stil begleiten meist liegende Streicherklänge die Gitarre, folkloristisches Flair mit Kastagnetten oder Snare-Drum inklusive. So richtig zündete diese Komposition nicht, trotz Pepe Romeros Virtuosität. Joaquín Rodrigo hat mit seinem legendären „Concierto de Aranjuez“ gezeigt, dass die Kombination Gitarre-Sinfonieorchester mit Interaktion der Partner funktionieren kann.

Man meint, die Hitze der spanischen Sonne zu hören

Noch dazu gibt es spannende Klangfarben, wenn Holz- oder Blechbläser mit frechen Rhythmen oder witziger Staccato-Artikulation mit der Gitarre wetteifern, die Streicher den Bogen über die Saiten springen lassen, oder das Cello ein Solo beisteuert. Populär ist dieses Konzert wegen des zweiten Adagio-Satzes mit den herrlichen Soli von Gitarre, Horn, Fagott oder Englisch Horn. Man meint in dieser schwül und drückend wirkenden Atmosphäre die Hitze der spanischen Sonne in den Gärten von Aranjuez zu hören, dort, im Süden Madrids, wo die Könige ihre Sommerresidenz hatten.

Pepe Romero und das Real Qrquestra aus Sevilla ließen die Musik hier fast zum Stillstand kommen, ohne die Spannung abreißen zu lassen. Dafür gab es dann stehende Ovationen, eine Zugabe, an die sich noch eine kleine Plauderei von dem Moderator des Konzerts Michael Becker, Pepe Romero und Dirigent John Axelrod anschloss. Faszination Klassik nennt der Konzertveranstalter Goette diese moderierten Konzerte. Das ist meist weniger tiefschürfend als boulevardesk.

Pepe Romeros Sohn baute seine Gitarre

Pepe Romeros Gitarre wurde von seinem Sohn vermutlich aus dem Holz einer Kirchentür gebaut, so genau wusste es der Künstler nicht mehr, und John Axelrod trinkt gern einen guten Wein. Nach dem Konzert natürlich. Während des Konzerts profilierte Axelrod die reinen Orchesterwerke – die ebenfalls populär-folkloristischen „Arlesienne“-Suiten 1 und 2 von George Bizet als Auftakt und Schluss des Abends – fantasievoll mit exzellent balanciertem Klang, bei dem besonders der Saxophonist und der Flötist mit ihren Soli begeisterten.