Konzertkritik

Ist das noch Heavy Metal? Ghost unterbrechen Konzert

Ghost-Sänger Papa Nihil und vier seiner Musiker, die namenlosen Ghule

Ghost-Sänger Papa Nihil und vier seiner Musiker, die namenlosen Ghule

Foto: Mikael Eriksson

3000 verwunderte Kuttenträger reiben sich in der Sporthalle die Augen. Eine Konzertunterbrechung nach Gitarren-Duellen? Ernsthaft?

Hamburg. „Das hab ich auch noch nicht erlebt“, „Was soll denn der Scheiß“, „Das ist doch kein Metal mehr“: Der Unmut bei einigen Fans der schwedischen Okkultrocker Ghost am Montag in der Sporthalle ist nicht zu überhören im Gedränge auf den WCs und im Raucherbereich. Eine Halbzeitpause bei einem Rock-Konzert ist tatsächlich sehr ungewöhnlich, bei angestrengtem Nachdenken fällt einem vielleicht Steven Wilsons Auftritt vor einem Jahr (und am Mittwoch) im Mehr! Theater ein, da gab es sogar Programmhefte.

Was die Aufteilung in zwei Akte in der Sporthalle soll, ist jedenfalls nicht klar. Das sakrale Bühnenbild bleibt gleich, und in neue Verkleidungen und Rollen schlüpft Sänger Cardinal Copia alias Papa Nihil alias Tobias Forge auch während der Songs mehrfach.

Böller, Nebelwände, gute Songauswahl

Aber sei es drum, bis zur Pause entfesselt Papa Nihil mit seinen sechs maskierten, namenlosen „Ghulen“ eine für Sporthallenverhältnisse bombastische Rockoper mit schönen wie schaurigen Lichteffekten, Böllern, Nebelwänden und Flammen, Gitarren-Duellen und einer guten Songauswahl aus den vier seit 2010 erschienenen Alben.

„Ashes“, „Rats“ und „Absolution“, die Klassiker „Con Clavi Con Dio“, „Per Aspera Ad Inferi“ und das Fanchöre anregende „Cirice“ donnern nicht ganz klar, aber laut auf den Höllenritt zurück zu Klangvorbildern wie King Diamond, Blue Öyster Cult und KISS.

Sporthalle ist halb voll oder halb leer – je nachdem

3000 Metalheads und Kuttenträgerinnen sind gekommen. Die Sporthalle ist damit halb leer oder halb voll, jedenfalls hat sich der Zuspruch seit dem letzten Konzert 2017 im Docks verdoppelt. Das ist schön für die Band, die 2018 mit dem aktuellen Album „Prequelle“ in Deutschland, USA und Großbritannien nur knapp an der Chartsspitze vorbeischrammte.

Lieder wie „Majesty“ oder die Fanfavoriten „Year Zero“ und „He Is“ sind erhaben und aufwendig arrangiert und doch purer Pop, haben aber wie der Brecher „Mummy Dust“ eine harte Kante. Aber nach zwei Stunden Spielzeit und der üblichen Zugabe „Monstrance Clock“ fühlt man sich nicht nur durch die Pause aus dem Erlebnisfluss gerissen, auch die Atmosphäre war bei den Auftritten im Docks oder in der Markthalle mitreißender und zwingender als in den lückenhaften Reihen in der Sporthalle. Schade.