Hamburg

Krimioper am Hafen mit Arien, Schlagern und Seemannsliedern

„Tod im Terminal“ wurde am am Freitag im Opernloft uraufgeführt. Die Polizistinnen Kettner (Daniela Kettner, l.) und Richter (Marie Sophie Richter) suchen an Bord nach einer verschwundenen Französin namens Manon.

„Tod im Terminal“ wurde am am Freitag im Opernloft uraufgeführt. Die Polizistinnen Kettner (Daniela Kettner, l.) und Richter (Marie Sophie Richter) suchen an Bord nach einer verschwundenen Französin namens Manon.

Foto: Opernloft

„Tod im Terminal“ im Opernloft an der Elbe ist für Opern-Einsteiger ein kurzweiliger Spaß – mit Hamburger Evergreens.

Hamburg.  Langsam schiebt sich ein großes Schiff die Elbe stromabwärts. Die Umrisse sind in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen. Ein paar Köpfe wenden sich nach rechts weg vom Bühnengeschehen und verfolgen den auslaufenden Dampfer. Wer eine Aufführung im Opernloft besucht, hat den Elbblick inklusive, wenn die hohen Fensterfronten nicht von Vorhängen zugezogen sind. Bei „Tod im Terminal“, das am Freitag uraufgeführt wurde, wird die Stätte, an der das Opernloft ein neues Domizil gefunden hat, in das Spiel mit einbezogen.

Bis 2002 legten vom Terminal in Altona die Fähren nach England ab. In der Krimioper von Susann Oberacker ist ein Luxusliner, der von Hamburg nach Schottland, England und Frankreich fährt, der Ort des Geschehens. Hans Winkler hat dafür eine Reling mit Niedergängen, Kajüten und einer großen Projektionsfläche im Hintergrund gebaut, auf der die jeweilige Stimmung transportiert wird: Regen im Hafen, Mondschein auf hoher See, das nächtlich funkelnde Paris mit einem angestrahlten Eiffelturm.

„Tod im Terminal“ hangelt sich durch die Tragödien der Opernwelt

Oberacker, Dramaturgin im weiblichen Leitungsteam der Privatbühne, hat eine Rahmenhandlung mit den Polizistinnen Kettner (Daniela Kettner) und Richter (Marie Sophie Richter) geschrieben, in der sie an Bord nach einer verschwundenen Französin namens Manon suchen. Opernfreunde wissen, dass es sich bei dem jungen Mädchen um eine Titelfigur von Jules Massenet handelt. Die vermeintliche Entführung ist nicht der einzige Fall für die beiden Ermittlerinnen. Auch eine gewisse Lucia di Lammermoor soll im Wahn ihren Bräutigam mit einem Messer gemeuchelt haben. Untersuchen müssen sie auch den Fall des schottischen Adligen Duncan, der mit einem Macbeth auf dem Weg nach Schottland ist, das Schiff aber nun ermordet im Sarg verlassen wird.

„Tod im Terminal“ hangelt sich durch die großen Tragödien der Opernwelt. Kettner und Richter singen zum Geschehen eine Reihe von Arien aus den Stücken von Verdi, Johann Strauss und natürlich immer wieder Massenet. Ihren Auftrag, Manon Lescaut zu finden, verlieren sie dabei nie aus den Augen, was sie sogar nach Paris bringt.

Für Opern-Einsteiger ein kurzweiliger Spaß

In das maritime Spiel, von Mares-Preisträgerin Nina Pichler inszeniert, sind nicht nur Opern-Hits, sondern auch Schlager und Seemannslieder eingebaut. Rod Stewarts „Sailing“ gehört genauso dazu wie der „Drunken Sailor“ oder Lale Andersens Hit „Ein Schiff wird kommen“. Der Abend ist für Opern-Einsteiger ein kurzweiliger Spaß, denn die beiden singenden Polizistinnen überzeugen mit Stimme und Charme. Auch wenn die Handlung etwas überkonstruiert wirkt, stimmt die Jonglage mit Arien, Shantys und Hamburger Evergreens. Am Ende gibt es viel Beifall für die drei Sängerinnen und die dreiköpfige Band.

Tod im Terminal, nächste Vorstellungen 25./26.1., jeweils 19.30, Opernloft (Bus 111, Fähre 62), Van-der-Smissen-Straße 4, Karten 18,- bis 42,-; www.opernloft.de