Konzertkritik

Sophia Kennedy mit Gespür für Drama in der Elbphilharmonie

Die Wahlhamburgerin Sophia Kennedy hat ein Faible für verwegen-versponnene Texte (Archivbild).

Die Wahlhamburgerin Sophia Kennedy hat ein Faible für verwegen-versponnene Texte (Archivbild).

Foto: imago/Votos-Roland Owsnitzki

Die Wahlhamburgerin spielte feine Pop-Opern mit Tausendsassa Mense Reents – und Melodien im Frank-Sinatra-Format.

Hamburg.  Diesen Song habe die Elbphilharmonie für sie geschrieben, scherzt Sophia Kennedy, bevor sie das wuchtig-romantische „Build Me A House“ anstimmt und von ihrer Sehnsucht nach dem Wasser singt. Gemeint ist dabei aber nicht die Elbe. Als sympathisch eingespieltes Pop-Duo treten die seit 19 Jahren in Hamburg lebende Sängerin aus Baltimore und der Hamburger Tausendsassa Mense Reents (Die Goldenen Zitronen) im Kleinen Saal der Elbphilharmonie auf. Reents ist viel mehr als nur ein Sidekick.

Er hat auch Kennedys hochgelobtes, schlicht „Sophia Kennedy“ betiteltes Debütalbum produziert. Im Konzert nun wechselt Kennedy im weißen Elvis-Anzug mit hübsch glitzernden Applikationen zwischen Flügel und Keyboard hin und her. Auch Reents trägt ein schwarz-goldenes Glamour-Outfit, während er den Bass zupft und allerlei elektronische Geräte bedient.

Melodien im Frank-Sinatra-Format

Es gibt also nicht nur viel zu hören, sondern auch viel zu sehen an diesem Abend. Das Duo versteht sich auf die eigene Inszenierung. Die Akustik des Saales verträgt die Dramatik der Sängerin und Komponistin allerdings nur bedingt. Manchmal klingt Sophia Kennedys Stimme – da technisch überverstärkt – geradezu schrill. Aber wenn sie sich selbst solo am Flügel begleitet, dann weiten sich ihre Melodien auf großes Frank-Sinatra-Format.

Dass Kennedy nicht nur Pop- sondern auch Theatermusikerin mit einem Gespür für Drama ist, wird schnell deutlich. Viele ihrer Songs sind charmant erzählte Miniaturen, andere wagen die große, epische Pop-Opern-Geste. Das erhebende „Something Is Coming My Way“ zum Beispiel. Oder „Foam“, ein Song, in dem sie davon singt, der Kaugummi zu sein, den ihr Gegenüber kaut.

„Dizzy Izzy“ – beeindruckend

Es gibt viele solcher verwegen-versponnener Texte in den Liedern der Sophia Kennedy. Stets folgt auf eine scheinbare Eindeutigkeit ein Bruch, weshalb ihr Pathos bei aller Romantik-Akkordwucht nie Gefahr läuft, allzu gespreizt zu klingen.

Beeindruckend etwa „Dizzy Izzy“: Da nimmt das Knistern, Knarzen und Singen der von Mense Reents hervorgezauberten Beats und Streicher noch einmal zu. Kennedy erzählt in dem Song, sie träume davon, dass ein Helikopter sie zum Termin beim Psychologen abholt.

Konzertbühne der richtige Ort für Kennedy

Es geht durchaus ernst, aber eben auch mal tanzbar zu, etwa in dem vom Calypso inspirierten „Kimono Hill“. Schön melancholisch: „3,05“, eine eingängige Pop-Nummer. „Es könnte sein, dass etwas mit mir nicht stimmt“, singt Sophia Kennedy da. „Vielleicht aber auch mit dir.“

Typisch lakonischer Sophia-Kennedy-Humor. Die Musikerin, die eigentlich nach Hamburg kam, um Film an der Kunsthochschule zu studieren, kokettiert mit ihrer Lust am Experiment. An der Hochschule drehte sie unter anderem einen Film über eine Pfirsichsekte, die die Weltherrschaft an sich reißen wollte.

An diesem Abend besteht kein Zweifel daran, dass die Konzertbühne auf jeden Fall der richtige Ort für Sophia Kennedy ist.