King Crimson

Ekstatische Progrock-Party im Mehr! Theater

King Crimson auf Tour 2016

King Crimson auf Tour 2016

Foto: River Concerts

Auf der 2016-er Tournee zelebriert King Crimson sein opulentes Werk – mit drei Schlagzeugern. Der Kopf des Ganzen saß im Hintergrund.

Hamburg. Die launige Ansage vor dem Konzert von King Crimson durfte das Publikum im fast vollen Mehr! Theater als Beispiel britischen Humors verstehen: Let’s have a party! Progrock und ausgelassenes Feiern, das klingt nach Gegensätzen, die einander ausschließen.

Robert Fripp, Mastermind und Konstante der Band seit ihrer Gründung 1969, der King Crimson immer dann aufgelöst oder radikal verändert hat, wenn eine künstlerische Sackgasse drohte, hat sich auch für die aktuelle Tour Unübliches ausgedacht: drei Schlagzeuger, alle im Vordergrund der Bühne.

Im Opener „Hell Hounds of Krim“, als Motto für das Drum-Trio tauglich, demonstrierten Pat Mastelotto, Jeremy Stacey und Gavin Harrison quasi im Solo für einen Schlagzeuger mit sechs Armen und sechs Beinen die Idee dahinter. Sie bilden einen rhythmischen Klangkörper, der mit verdreifachter Wucht, nuanciert arbeitsteilig oder leicht asynchron agiert – all das so präzise und vollkommen durchhörbar (der Sound war perfekt), wie es die komplexen Songs mit der oft vertrackten Rhythmik erfordern.

Robert Fripp: Als hätte er mit der Ekstase nichts zu tun

Das Programm akzentuierte stark die ersten sieben Studio-Alben, von „In The Court Of The Crimson King“ (1969) bis „Red“ (1974). Eine Auswahl von Songs wie „Cirkus“, „Lark’s Tongues In Aspic“ und „Starless“, die Tony Levin (Bass), Mel Collins (Saxofone, Querflöte) und Jakko Jakszyk (Gitarre, Gesang) Freiheiten eröffneten. Robert Fripp, der Kopf des Ganzen, saß im Hintergrund abseits, gab die Einsätze und deklinierte die wildesten Gitarrenriffs so unbewegt durch, als hätte er mit der Ekstase drumherum nichts zu tun – das Gegenteil eines Frontman.

Fast drei Stunden, 24 Songs, der erste Set so vollkommen, dass selbst die disziplinierten Musiker vom Momentum erfasst wurden und sich ab und an zulächelten. Als finale Zugabe dann die Crimson-Ikone „21st Century Schizoid Man“ mit einem Gavin-Harrison-Solo – er spielte, als hätte er mehr als zwei Arme und Beine. Ein Abend, den Prog-Fans als Party durchgehen lassen.