Ausstellung Hamburg

Legendäre Modefotos und die Neugier auf das Leben

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Der Hamburger Fotograf Franz Christian Gundlach verstarb im vergangen Jahr und hinterließ eine beeindruckende Sammlung (Archivbild).

Der Hamburger Fotograf Franz Christian Gundlach verstarb im vergangen Jahr und hinterließ eine beeindruckende Sammlung (Archivbild).

Foto: picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa | Daniel Reinhardt

„Wild at Heart“: In einer Elbvilla werden Werke aus der kostbaren Sammlung des Hamburger Fotografen F. C. Gundlach ausgestellt.

Hamburg.  „The whole world’s wild at heart and weird on top.“ Die ganze Welt ist wild im Herzen und schräg dazu. Dieser aus David Lynchs Kultfilm „Wild at Heart“ entnommene Satz steht Pate für eine sehr besondere Ausstellung, die heute eröffnet wird: Darin begegnen die legendären Modefotografien des im vergangenen Jahr gestorbenen F. C. Gundlach Werken bekannter Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, ebenfalls aus der Sammlung. Denn der Hamburger Fotograf, der der Stadt eine großartige Triennale der Photographie bescherte (die gerade in zwölf Museen zu erleben ist), war auch leidenschaftlicher Sammler.

Schauplatz ist eine ansonsten leer stehende Villa an der Elbchaussee, die der Unternehmer Philipp Freiherr von Bechtholsheim zur Verfügung gestellt hat, inklusive famosem Elbblick, versteht sich. Im Untergeschoss werden die großformatigen Werke F. C. Gundlachs vor historisch holzvertäfelten Wänden präsentiert.

Ausstellung in Hamburg zeigt Werke Gundlachs

Zu sehen ist ein Querschnitt seines Schaffens zwischen 1950 und 1970: Aufnahmen wie beispielsweise jene von Grace Coddington vor dem farbenfrohen Backdrop eines Roy-Lichtenstein-Lookalikes stehen neben einer reportageartigen Szene in einer Hafenkneipe und einer Fotoreihe mit argentinischen Gauchos, aufgenommen für die Firma Falke Fashion.

In den oberen Räumen sind Werke anderer Künstlerinnen und Künstler zu sehen, darunter Nan Goldin, Martin Kippenberger, Kristian Schuller und Armin Morbach – Letzterer war ein enger Freund Gundlachs. Gegliedert ist dieser Teil der Schau in drei Kapitel, die prägend sind für die Sammlung: Da wäre das „Künstlerporträt“: In Edgar Leciejewskis Serie „Zwölf“ symbolisiert die Kleidung den künstlerischen Arbeitsmodus der Porträtierten. Mit derselben ist dann auch der Rahmen bespannt.

Bekleidung als Medium

Unter der Überschrift „Das entgrenzte Modebild“ wird Bekleidung nicht als exklusives Bildthema behandelt; sie dient vielmehr als Medium, um in alle nur erdenklichen Richtungen über Mode hinauszuweisen. So ist die junge Frau in „The Bartered Bride #5“ auffällig mit hohen Pumps und Glitzerkleid aufgetakelt. Das Thema von Pepa Hristovas Aufnahme ist aber nicht das Outfit selbst, sondern ihr Zweck, nämlich einen besseren Preis auf einem bulgarischen Brautmarkt in den Jahren 2014/15 zu erzielen.

„Bodies in Transition“ widmet sich einem für die Sammlung Gundlach zen­tralen Thema: Mit großem Einfühlungsvermögen setzen sich die hier gezeigten fotografischen Positionen mit dem Thema intergeschlechtlicher Übergänge ausein­ander. In seiner dokumentarischen Por­trätserie „trans*“ etwa begleitet Walter Schels junge Menschen auf ihrem Weg der Geschlechtsangleichung.

Ausstellung in Hamburg: Neugier als Motiv für das Sammeln

Warum F. C. Gundlach all diese Fotografen gesammelt hat, und warum sich diese Fotografen um F. C. Gundlach gesammelt haben? „Die Erklärung liegt in seiner Neugier auf das Leben und seinem weiten Blick auf die Kunstform Fotografie“, sagt Sebastian Lux, Geschäftsführer der Stiftung F. C. Gundlach, der diese Ausstellung kuratiert hat.

„Wild at Heart“ bis 9.8., Elbchaussee 159a (Busse 112, 215 Hohenzollernring), Sa 14.00– 18.00 und nach Vereinbarung, Eintritt frei