Ausstellung

Krisenfeste Kunstwerke braucht die Welt

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Ghulijanyan Satenik ist mit „Kampf“ vertreten.

Ghulijanyan Satenik ist mit „Kampf“ vertreten.

Foto:  Ghulijanyan Satenik

Im Kunsthaus Hamburg läuft bis Ende Februar die extrem zeitgeistige Ausstellung „Stay. Strong. Resilient“.

Hamburg. Resilienz. Psychische Widerstandsfähigkeit. Oder auch die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Sie ist per definitionem weiblich. Und schwer angesagt in diesen, unseren Krisenzeiten. Denn wer träumte nicht davon, aus der pandemischen Lage einigermaßen unbeschadet herauszukommen? Eine Illusion indes, aber die Hoffnung stirbt… Sie wissen schon.

Ausstellung: Ist Resilienz Symptom oder Heilung?

Die Pandemie habe „bestehende Ungleichheiten und damit verbundene Herausforderungen auf unterschiedlichen gesellschafts- und geopolitischen Ebenen drastisch vor Augen geführt“, sagen Ann-Kathrin Hubrich und Ina Jessen. Ihre aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Hamburg geht dem Phänomen der Resilienz auf den Grund, fragt nach ihren Ursprüngen, Auswirkungen und Potenzialen. Sie stellt zur Diskussion, ob sie eine Möglichkeit ist, gesellschaftliche Ungleichheiten zu reduzieren. Oder ob sie nicht nur den Status Quo manifestiert. „Ist Resilienz letztlich Symptom oder Heilung?“, fragen die Kuratorinnen und lassen die Kunst Antworten suchen.

Die Ergebnisse – in Form von Bildern, Skulpturen, Installationen, Fotografien oder Videoarbeiten – präsentiert die Jahresausstellung des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Hamburg unter dem Titel „Stay. Strong. Resilient“. „Listening to earth“, der Schriftzug auf einer Fotografie von Ellen Sturm-Loeding, ist ganz sicher eine sinnvolle Reaktion auf die Corona-Pandemie. Und auch ein großer, pink-roter Teppich, der still von einer Brücke über einem Bach hängt, gibt zu denken: Soll er ein Warnsignal sein, wie wir mit der Natur umspringen?

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Sollte Resilienz einer neuen Beweglichkeit weichen?

Vom Ringen um- und gegeneinander berichten die Bilder der armenischen Künstlerin Satenik Ghulijanyan. In „Kampf“ etwa steht eine Gruppe rotuniformierter Menschen einer gelben nackten Frau gegenüber und scheint sie an Haaren und Armen wegzureißen. Zu deuten als Sinnbild für persönliche und kollektive Verletzlichkeit, gesellschaftliches Auseinanderdriften bis hin zu genderspezifischen Benachteiligungen. Eine eindringliche, organische Arbeit liefert Simone Fezer mit ihrer riesengroßen Stoff-Installation, deren Oberflächenstruktur spontan an Baumrinde erinnert. Der Baum als Symbol des Lebens, der absoluten Widerstandsfähigkeit, der aber doch ständiger Bedrohung durch Umweltverschmutzung und Flächenrodung ausgesetzt ist. Ökologische Machtstrukturen, auch sie wurden durch Covid-19 wie durch ein Brennglas offengelegt.

Die extrem zeitgeistige Ausstellung lässt einen auch ganz persönlich die stets angestrebte Resilienz hinterfragen. Sollte sie nicht vielmehr einer neuen Beweglichkeit weichen?

„Stay. Strong. Resilient“ bis 27.2. , Kunsthaus Hamburg (U Steinstraße), Klosterwall 15, Di-So 11.00-18.00, Eintritt 5,-/3,- (erm.)