Ausstellungen in Hamburg

Stilvolle Frauen im Museum für Kunst und Gewerbe

| Lesedauer: 5 Minuten
Bloggerin Body Mary alias Maria Gonzàlez in einem Big is beautiful-Kleid von H&M, zu sehen in der Ausstellung „Dressed. 8 Frauen. 200 Jahre Mode“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Bloggerin Body Mary alias Maria Gonzàlez in einem Big is beautiful-Kleid von H&M, zu sehen in der Ausstellung „Dressed. 8 Frauen. 200 Jahre Mode“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Foto: Anne Schönharting

Im Museum geht es 2022 um 200 Jahre Mode, nachhaltige Architektur – und einen mutigen Fotografen. Zum Programm.

Hamburg. Die Kultur hat es eilig. Sie kann, so scheint es, nicht erwarten, ins nächste, vielleicht etwas vielversprechendere Jahr aufzubrechen. Stellten sonst üblicherweise die großen Hamburger Museen ihre Programmvorschau im Dezember vor, so preschte nun das Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) vor und präsentierte seine kommenden Ausstellungen für das Jahr 2022 schon im Herbst.

„Die letzten eineinhalb Jahre haben uns viele Fragen und Themen noch deutlicher vor Augen geführt“, sagt Direktorin Tulga Beyerle. „Die Zerbrechlichkeit der Gesellschaft zum Beispiel, oder die unbedingte, nicht aufschiebbare Notwendigkeit, den Klimawandel zu schaffen. Museen als Orte der Begegnung, der Inspiration und der Verhandlung sind wichtiger denn je.“

Das MK&G sieht sich als Museum der Gestaltung an einer zentralen Schnittstelle; schließlich könne, so Beyerle, Gestaltung Teil möglicher Lösungen sein und emotional wie inhaltlich vermitteln. Dass die Direktorin mit ihrem kuratorischen Team einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen will, hat sie mit Projekten wie „Social Design“, „Gegen die Unsichtbarkeit“, „Schule der Folgenlosigkeit“, „Heimaten“ und „Together“ bereits bewiesen. Mit den geplanten Ausstellungen für 2022 führt sie diese Anregungs- und Diskussionsfreude konsequent fort. Bei allem soll aber die „Freude an der Schönheit“ nicht zu kurz kommen, denn auch das mache Gestaltung schließlich erlebbar und lebensbereichernd.

Ausstellung in Hamburg: Starke Frauen und 200 Jahre Modegeschichte

Den Auftakt am 7. Januar macht die Inszenierung „Moments of Connection“ des niederländischen Künstlerduos Drift, das weltweit Innen- und Außenräume zum Schwingen bringt, etwa mit selbstleuchtenden Löwenzahnsamen oder zarten Glasröhren im Flügelschlag. Diese tiefe, spürbare Verbindung von Mensch und Natur wird in Kooperation mit der Elbphilharmonie gezeigt, die 2022 ihren fünften Geburtstag feiert.

Ästhetisch geht es weiter mit der Ausstellung „Dressed. 8 Frauen. 200 Jahre Mode“ (ab 25. Februar). Anhand von rund 150 signifikanten Kleidungsstücken und Accessoires tauchen Besucherinnen und Besucher in das Leben acht starker und stilbewusster Frauen ein. Ob Haute Couture, Alltags-, Protest- oder Avantgarde-Mode – die persönlichen Garderoben von Angelica Blechschmidt oder Elke Dröscher stehen nicht nur für einen Teil der Mode-, sondern auch der Emanzipations- und Zeitgeschichte.,

Apropos Avantgarde: Der bekennende homosexuelle Fotograf Herbert List erkannte schon in den 1930er- und 1940er-Jahren, wie sehr Bilder Geschlechterstereotypen und damit verbundene Machtverhältnisse prägen und reproduzieren. Als Beitrag zur 8. Triennale der Photographie, die von Mai bis September 2022 in Hamburg läuft, zeigt das MK&G „Präuschers Panoptikum. Ein Bilderbuch von Herbert List“ (ab 19. Mai). Der Fotograf feiert darin seine Lust an Kitsch und Körperlichkeit, ausgelebt im titelgebenden Wiener Wachsfigurenkabinett.

Ausstellung in Hamburg: An die Zukunft glauben oder nicht?

Wie es um den ökologischen Fußabdruck in der Fotografie steht, beleuchtet die Ausstellung „Mining Photography“, die am 14. April startet. Waren es bis ins späte 20. Jahrhundert Salz, Kupfer und Silber, verbraucht die digitale Fotografie seltene Erden und Metalle wie Koltan, Kobalt und Europium und produziert zudem Unmengen an Kohlenstoffdioxid. In vielen Fotografien, künstlerischen Positionen und Interviews wird die Fotografie als Teil der Industrialisierung mit all ihren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt erzählt.

Kann man heutzutage noch unbeschwert in die Zukunft blicken, oder, mehr noch, an sie glauben? Die Mailänder Kuratorin und Autorin Maria Christina Didero hat vier international agierende Kreative eingeladen, ihre Erwartungen und Visionen für die Zukunft zu formulieren. Die Ideen werden ab dem 1. Juli in der Schau „Ask me if I believe in the future“ präsentiert; sie sollen zum Nach- und Weiterdenken über persönliche, berufliche oder gesellschaftliche Perspektiven anregen.

Wie Gestaltung sich aktuellen Herausforderungen stellen kann, damit befassen sich die Künstlerinnen und Künstler, die das MK&G im Rahmen des „Fonds für junges Design“ regelmäßig zur sechsmonatigen Residenz am Haus einlädt. Ab dem 8. April wird die Grafikdesignerin Lea Sievertsen ihre Arbeiten mit dem Fokus auf Feminismus und Sichtbarkeit von Frauen im Grafikdesign präsentieren.

Kurz vor Weihnachten lockt wieder die MK&G messe

Wie wir künftig nachhaltiger und umweltbewusster bauen und wohnen werden, ist ein großes Thema im Bundesverband Deutscher Architektinnen und Architekten. In „Sorge um den Bestand“ (ab 2. Dezember) stellt der BDA zehn kreative Strategien des Unterlassens vor, frei nach dem Motto: mehr erhalten als abreißen und neu bauen. In gewisser Weise ist die Schau eine Fortsetzung der Schule der Folgenlosigkeit, in der Friedrich von Borries zu einem Leben ohne negative Auswirkungen aufrief.

Vom 23. bis 27. November lädt ein Klassiker ins Museum: Bei der alljährlich stattfindenden MK&G messe kann das Publikum qualitativ hochwertiges und authentisches Kunsthandwerk von internationalen Produzentinnen und Produzenten entdecken und kaufen (Schwerpunkt: nordische Länder). Auch hier wird ein Rahmenprogramm zu aktuellen Themen geboten, und zum ersten Mal begleitet eine große Kunsthandwerk-Ausstellung die Messe.

Museum für Kunst und Gewerbe (U/S Hauptbahnhof), Steintorplatz, Di-So 10.00-18.00, Do 10.00-21.00, Eintritt 12,-/8,- (erm.)/Jugendliche unter 18 J. frei, www.mkg-hamburg.de