Hamburg

Steht die Stadtteilbücherei auf der Veddel vor dem Aus?

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Die Stadtteilbücherei auf der Veddel hat eine lange Geschichte.

Die Stadtteilbücherei auf der Veddel hat eine lange Geschichte.

Foto: Michael Rauhe

Schulbehörde schickt Räumungsaufforderung an Betreiber – diese wehren sich nun und erheben Vorwürfe.

Hamburg. Seit fast einem Jahrhundert kann man auf der Veddel Bücher ausleihen. Auch wenn die einst als Öffentliche Bücherhalle gegründete Bücherei in der Slomanstraße schon vor langer Zeit zu einer bloßen Ausleihstelle verkleinert wurde und seit dem Jahr 2000 von einem gemeinnützigen Verein betrieben wird, stellt sie ein wichtiges Bildungsangebot auf der Veddel dar. Einem Stadtteil also, der nicht gerade mit vielen kulturellen Angeboten gesegnet ist.

Geht es nach dem Willen der Stadt Hamburg, ist damit im Sommer Schluss. Vor Kurzem hat die Schulbehörde dem gemeinnützigen Verein „Veddel aktiv e. V.“, der die Bücherei mit Geldern des Bezirks Mitte und Sponsorenzuwendungen betreibt, eine Räumungsaufforderung zugestellt. Bis Ende Juli soll die Bücherei verschwinden. Hintergrund des Vorgangs ist ein Flächenbedarf der Schule auf der Veddel: In deren Gebäude befindet sich die Bücherei. Ein alternativer Standort und finanzielle Mittel für ein Ausweichquartier stehen dem Betreiber laut Eigenaussage nicht zur Verfügung.

Wichtiges Bildungsangebot

Entsprechende „konstruktive Hilfs- beziehungsweise Gesprächsangebote seitens der Stadt“ gäbe es bisher nicht, teilte der Verein nun in einem Schreiben an die Presse mit. Dessen Geschäftsführerin Francine Lammar verweist auf die wichtige Funktion der Bücherei für Schule und Stadtteil. An den drei wöchentlichen Öffnungstagen würden die Räume in einem hohen Maße genutzt. Die vorhandenen 2500 Medien seien, so Lammar, auf dem aktuellen Stand, „die Bücherei steht Kindern als Aufenthalts- und Lernort zur Verfügung und wird auch von Familien und Kitagruppen gerne und viel aufgesucht“.

Durch die Entscheidung der Schulbehörde stehe die Stadtteilbücherei Veddel faktisch vor dem Aus – „was als Bildungsangebot für Kinder und Familien in diesem immer noch benachteiligten Stadtteil gewachsen ist, droht einfach wegzubrechen“. Rechtlich haben die Betreiber, wie es aussieht, keine Handhabe. Es gibt keinen Mietvertrag und auch keinen Kooperationsvertrag mit der Schule, obwohl auch die Lehrer die Bücherei für ihre Zwecke nutzen. Die Geschäftsführerin ist besonders darüber enttäuscht, dass der Verein nie in die Zukunftsplanungen der Schule einbezogen wurde: „Natürlich ist es wichtig, dass genügend Räume für den Unterricht zur Verfügung stehen. Aber wir haben vermisst, dass gemeinsam nach einer Perspektive für die Bücherei gesucht wird.“

Schicksal der Stadtbücherei noch nicht endgültig entschieden?

Vonseiten der Schulbehörde hieß es auf Abendblatt-Anfrage, sie sei „dabei, alle Beteiligten wie Bezirksamt-Mitte, Schule, Schulbau Hamburg und den Trägerverein der Stadtteilbibliothek ,Veddel aktiv e. V.‘ zum Gespräch einzuladen“. Dabei werde es darum gehen, „eine gemeinsame Lösung zu suchen, die nicht zulasten der Stadtteilschule Veddel gehen darf, die aus allen Nähten platzt und dringenden Raumbedarf hat“. Was zumindest so klingt, als sei über das Schicksal der Stadtbücherei noch nicht endgültig entschieden. Ein schlechtes Signal für die Hamburger Anstrengungen in Sachen Leseförderung wäre deren Verschwinden allemal.