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Wie die Kultur in Hamburg unter den Corona-Folgen leidet

Besucher der „Harry Potter“-Vorpremiere am frühen Mittwochnachmittag. Nicht jeder Kartenbesitzer durfte hinein.

Besucher der „Harry Potter“-Vorpremiere am frühen Mittwochnachmittag. Nicht jeder Kartenbesitzer durfte hinein.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Die „Harry Potter“-Vorführungen finden vor maximal 1000 Besuchern statt. Erste Konzerte abgesagt, auch Elbphilharmonie betroffen.

Hamburg.  Wer kann dabei sein? Wer muss leider draußen bleiben? Bei der Voraufführung des Theaterstücks „Harry Potter und das verwunschene Kind“, das am Wochenende Premiere im Mehr! Theater am Großmarkt feiern wird, reagierte der Veranstalter am frühen Mittwochnachmittag spontan auf die Ankündigung der Gesundheitsbehörde, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern nicht mehr zuzulassen.

Und so durften gegen 14 Uhr von mehr als 1600 Karteninhabern nur die ersten 1000 ins Theater, der Rest hat jetzt die Option, den Kartenpreis erstattet zu bekommen oder Tickets für eine spätere Vorführung zu erhalten. Für viele, die teilweise von weither angereist waren, ein schwacher Trost. Auf den Kosten für Anreise und Hotelübernachtung werden sie wohl sitzen bleiben. Mit 1000 Besuchern pro Veranstaltung soll hier auch in den kommenden Wochen auf die Corona-Krise reagiert werden – Harry Potter zaubert also, aber vor weniger Publikum.

Popstar James Blunt spielt vor völlig leeren Rängen

Schnell reagierten auch die Veranstalter des von der Telekom präsentierten James-Blunt-Auftritts­ im Großen Saal der Elbphilharmonie. Das Publikum musste komplett draußen bleiben, es gab ein „Geisterkonzert“ vor leeren Rängen, das im Internet allerdings live gestreamt wurde.

Ansonsten dominierten Krisengespräche den Tag. Veranstalter wie Karsten Jahnke, FKP Scorpio und auch Hamburg Musik hielten sich mit Stellungnahmen zur gegenwärtigen Situation ebenso zurück wie die Hamburgische Staatsoper, das Thalia oder das Deutsche Schauspielhaus. Natürlich ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Konzerte und Vorstellungen abgesagt werden – auch die Musical-Theater dürften betroffen sein –, doch verbindliche Informationen gab es zunächst nicht. Absagen, etwa die des für Freitag geplanten Auftritts der Pianistin Yuja Wang in der Laeiszhalle, kamen nur sporadisch und waren meist damit begründet, dass die Künstler derzeit nicht reisen können. Was aktuell fehlte, waren genaue Regelungen zur Allgemeinverfügung, von denen es in einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde hieß, sie würden „zwischen den beteiligten Behörden ausgearbeitet und zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Kraft gesetzt“.

Vernissage in den Deichtorhallen wird abgesagt

Herausfordernde Zeiten erleben auch die Museen. So erklärte eine Sprecherin der Kunsthalle zwar, man wolle alle Angebote des Hauses aufrecht erhalten, schränkte jedoch ein: „Aufgrund der vorherrschenden Dynamik kann sich die Situation aber kurzfristig ändern. Die Hamburger Kunsthalle steht mit der Gesundheitsbehörde und der Kulturbehörde im Austausch.“ Aus den Deichtorhallen hingegen ist eine Absage zu vermelden.

Die Eröffnung der beiden Fotografie-Ausstellungen „Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie“ und „Recommended – Olympus Fellowship“ am 20. März fällt aus. Eine Sprecherin teilte mit: „Die mögliche Gefährdungslage können wir den aktuellen Vorgaben der Gesundheitsbehörde folgend nicht ignorieren.“ In den vergangenen Jahren hätten die Vernissagen regelmäßig mehr als 3000 Besucher gehabt. Da eine solche Zahl auch aktuell zu erwarten sei, sage man den Eröffnungsabend ab. Grundsätzlich seien aber Ausstellungen in den Deichtorhallen wie üblich geöffnet.

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Vor einer besonderen Situation stehen die Privattheater, etwa die Komödie Winterhude, das Ohnsorg oder das Ernst Deutsch Theater. Sie sind mit Saalkapazitäten von deutlich unter 1000 Plätzen zwar nicht direkt betroffen, könnten jedoch auch unter einem generellen Rückgang der Ticketverkäufe aufgrund des Coronavirus leiden. Das Ernst Deutsch Theater bereitete sich am Mittwoch bei der Generalprobe noch „mit allen Kräften“, so ein Sprecher, auf die Premiere des Georg-Büchner-Klassikers „Leonce und Lena“ vor. Sie ist für den heutigen Donnerstag geplant. Im Altonaer Theater soll am Sonntag „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“ nach dem Roman von Joachim Meyerhoff folgen.

Polizei hält an Plänen für Trauerfeier für Zielfahnder fest

Grundsätzlich dürften von der erwarteten Allgemeinverfügung zahlreiche Hallen und Clubs betroffen sein. Natürlich die Barclaycard Arena (12.000 Plätze) und die Sporthalle (7000 Plätze), aber auch edel-optics.de Arena in Wilhelmsburg (3000 Plätze), Elbphilharmonie und Laeiszhalle (jeweils ca. 2000 Plätze), Große Freiheit 36 und Docks (jeweils 1500 Plätze) sowie die Fabrik (1200 Plätze). Allerdings gibt es überall zumindest theoretisch die Möglichkeit, maximal 1000 Besucher einzulassen.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Die Hamburg Messe äußerte sich nicht konkret zum Thema, ein Sprecher der Messe und Congress GmbH teilte mit, man können kein Statement abgeben, da man zunächst die Allgemeinverfügung der Behörde abwarten möchte.

Klar ist indes: Die Polizei hält an ihren Plänen für eine große öffentliche Trauerfeier zu Ehren des verstorbenen Zielfahnders Klaus-Ulrich Hütter fest. Diese soll am kommenden Mittwoch (18. März) ab 10 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis stattfinden. „Wir planen die Veranstaltung in enger Anlehnung an die Vorgaben der Gesundheitsbehörde und ergreifen entsprechende Maßnahmen“, sagte Polizeisprecher Holger Vehren auf Anfrage. Intern wird davon ausgegangen, dass auch wegen der Sorge vor einer Ansteckung nicht mehr als 1000 Hamburger zu der Zeremonie erscheinen würden.